Novaminsulfon Tropfen: Dosierung, Risiken und Warnzeichen

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Novaminsulfon-Tropfen enthalten den Wirkstoff Metamizol, bekannt auch als Novalgin; ein Milliliter (20 Tropfen) entspricht 500 mg. Zugelassen sind sie für akute starke Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Koliken, Tumorschmerzen, sonstige starke Schmerzen und hohes Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht. Die Fachinformation nennt für Erwachsene bis zu 1.000 mg (40 Tropfen) pro Einzeldosis und höchstens 4.000 mg am Tag. Die gefährlichste Nebenwirkung ist die sehr seltene Agranulozytose. Welche Dosis für dich gilt, legt deine Ärztin fest.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Entzündungen im Mund, in der Nase, im Rachen oder im Genital- und Analbereich, bei Atemnot, Hautausschlag mit Blasen, Blutergüssen ohne erkennbaren Grund oder einer Gelbfärbung der Haut gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Novaminsulfon ist der ältere Name von Metamizol, deshalb tragen viele Generika ihn im
Namen: Novaminsulfon-ratiopharm, Novaminsulfon Lichtenstein, Novaminsulfon AbZ. Die
Angaben unten stammen aus der Fachinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg/ml Tropfen
(Stand Januar 2026) und aus dem Rote-Hand-Brief, den die Zulassungsinhaber im Dezember
2024 in Abstimmung mit EMA und BfArM verschickt haben.

Was Metamizol im Körper macht

Metamizol gehört zu den Pyrazolonen und wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und
krampflösend. Der Wirkmechanismus ist laut Fachinformation nicht vollständig aufgeklärt;
die Daten sprechen für einen zentralen und einen peripheren Angriffspunkt.

Nach dem Schlucken wird Metamizol vollständig in seinen aktiven Metaboliten
4-N-Methylaminoantipyrin umgewandelt, der zu rund 90 Prozent verfügbar ist. Eine deutliche
Wirkung ist 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme zu erwarten. Metamizol ist
verschreibungspflichtig.

Was die Fachinformation zur Dosierung sagt

Die Dosis richtet sich nach Schmerz- oder Fieberstärke und individueller
Empfindlichkeit; die Fachinformation verlangt, die niedrigste wirksame Dosis zu wählen.
Die Tropfen werden mit etwa einem halben Glas Wasser eingenommen, Einzeldosen im Abstand
von sechs bis acht Stunden und höchstens viermal täglich.

Gewicht / Alter Einzeldosis laut Fachinformation Tagesmaximum
über 53 kg / ab 15 Jahren 20–40 Tropfen (500–1.000 mg) 160 Tropfen (4.000 mg)
46–53 kg / 13–14 Jahre 15–35 Tropfen (375–875 mg) 140 Tropfen (3.500 mg)
31–45 kg / 10–12 Jahre 10–30 Tropfen (250–750 mg) 120 Tropfen (3.000 mg)
16–23 kg / 4–6 Jahre 5–15 Tropfen (125–375 mg) 60 Tropfen (1.500 mg)
9–15 kg / 1–3 Jahre 3–10 Tropfen (75–250 mg) 40 Tropfen (1.000 mg)

Für Kinder gilt eine Einzeldosis von 8 bis 16 mg pro Kilogramm; bei Fieber reichen laut
Fachinformation meist 10 mg pro Kilogramm. Bei älteren Menschen, bei reduziertem
Allgemeinzustand und bei eingeschränkter Nierenfunktion soll die Dosis vermindert werden,
weil die Abbauprodukte langsamer ausgeschieden werden. Was für dich passt, entscheidet
deine Ärztin.

Agranulozytose: das Risiko, um das sich alles dreht

Bei einer Agranulozytose fallen die neutrophilen Granulozyten, ein Teil der weißen
Blutkörperchen, unter 0,5 pro Nanoliter. Der Körper kann Infektionen dann kaum noch
abwehren; die Fachinformation führt Fälle mit tödlichem Ausgang. Die Reaktion ist
idiosynkratisch: nicht dosisabhängig, jederzeit möglich, auch kurz nach Behandlungsende
und auch dann, wenn Metamizol früher problemlos vertragen wurde. Eingestuft ist sie als
sehr selten, also bei bis zu einem von 10.000 Behandelten.

Der Rote-Hand-Brief vom 9. Dezember 2024 fasst zusammen, was daraus folgt: Wer
Metamizol nimmt, muss Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte
Schleimhautveränderungen kennen, bei diesen Zeichen die Einnahme abbrechen und sofort
ärztlich ein Blutbild machen lassen. Wird Metamizol gegen Fieber genommen oder läuft
gleichzeitig eine Antibiotikatherapie, können die Frühzeichen verschleiert sein. Eine
routinemäßige Blutbildkontrolle wird nicht mehr empfohlen, weil die EU-Prüfung keinen
Beleg fand, dass sie eine Agranulozytose früh genug erkennt. Nach einer bestätigten
Agranulozytose darf Metamizol nie wieder gegeben werden.

Weitere Nebenwirkungen nach EU-Häufigkeit

Gelegentlich (einer von tausend bis einer von hundert): Blutdruckabfall
während oder nach der Anwendung, fixes Arzneimittelexanthem.

Selten (einer von zehntausend bis einer von tausend): Leukopenie,
anaphylaktoide oder anaphylaktische Reaktionen, Hautausschlag.

Sehr selten (weniger als einer von zehntausend): Agranulozytose,
Thrombozytopenie, Analgetika-Asthma-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische
epidermale Nekrolyse, akute Verschlechterung der Nierenfunktion bis zum Nierenversagen,
interstitielle Nephritis.

Nicht bekannt (Häufigkeit nicht abschätzbar): aplastische Anämie,
Panzytopenie, anaphylaktischer Schock, Kounis-Syndrom, Magen-Darm-Blutungen,
arzneimittelbedingter Leberschaden mit Hepatitis und Gelbsucht, DRESS-Syndrom. Eine
Rotfärbung des Urins durch den Metaboliten Rubazonsäure ist harmlos.

Allergische Reaktionen treten meist in der ersten Stunde nach Einnahme auf und
können von Juckreiz und Nesselsucht bis zu Kehlkopfschwellung, Bronchospasmus und
Kreislaufschock reichen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Analgetika-Asthma,
chronischer Nesselsucht, Nasenpolypen oder Alkoholintoleranz.

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Schwangerschaft

Metamizol darf nicht eingenommen werden bei früherer Agranulozytose durch Pyrazolone,
gestörter Knochenmarkfunktion, Analgetika-Asthma oder -Intoleranz,
Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, akuter intermittierender Porphyrie und im
letzten Schwangerschaftsdrittel. Im ersten und zweiten Drittel wird die Anwendung nicht
empfohlen; Einzeldosen können laut Fachinformation im Einzelfall vertretbar sein. Wer
stillt, soll nach einer Einzeldosis die Milch 48 Stunden lang abpumpen und verwerfen.

Metamizol regt die Leberenzyme CYP2B6 und CYP3A4 an und kann die Spiegel von
Bupropion, Efavirenz, Methadon, Valproat, Ciclosporin, Tacrolimus und Sertralin senken.
Mit Methotrexat verstärkt es die Schädigung des Blutbilds, die Kombination soll vermieden
werden. Es kann die gerinnungshemmende Wirkung von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure
abschwächen und zusammen mit Chlorpromazin eine schwere Unterkühlung auslösen. Im Labor
kann Metamizol Messungen von Kreatinin, Triglyceriden und Harnsäure stören.

Häufige Fragen

Wie viele Tropfen sind 500 mg?

20 Tropfen. Ein Milliliter der Lösung enthält 500 mg Metamizol-Natrium; 40 Tropfen entsprechen 1.000 mg, der höchsten Einzeldosis für Erwachsene laut Fachinformation.

Wie schnell wirken Novaminsulfon-Tropfen?

Die Fachinformation nennt eine deutliche Wirkung 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme.

Muss ich unter Metamizol regelmäßig Blut abnehmen lassen?

Nein. Seit dem Rote-Hand-Brief vom Dezember 2024 wird die routinemäßige Blutbildkontrolle nicht mehr empfohlen. Wichtig ist, die Warnzeichen zu kennen und bei Fieber, Halsschmerzen oder Schleimhautentzündungen sofort ein Blutbild machen zu lassen.

Sind die Tropfen rezeptfrei?

Nein, Metamizol ist in Deutschland verschreibungspflichtig.

Darf ich Metamizol mit Ibuprofen kombinieren?

Die Fachinformation nennt keine direkte Wechselwirkung. Sie warnt aber, dass Menschen mit Analgetika-Intoleranz auf Ibuprofen, Diclofenac und Metamizol gleichermaßen mit Asthma oder Schwellungen reagieren können. Die Kombination gehört in ärztliche Hand.

Warum ist mein Urin rötlich?

Der Metabolit Rubazonsäure kann den Urin rot färben. Die Fachinformation stuft das als harmlos ein.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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