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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Amitriptylin 10 mg ist die kleinste Stärke eines trizyklischen Antidepressivums, das unter Namen wie Saroten, Amineurin oder Amitriptylin-neuraxpharm verkauft wird. Die Fachinformation sieht 10 mg vor allem als Anfangsdosis vor: bei neuropathischen Schmerzen, zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerz und Migräne sowie bei Depressionen älterer oder herzkranker Menschen. Sehr häufig, bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Herzklopfen und Gewichtszunahme auf. Ob und wie du steigerst, entscheidet deine Ärztin.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Herzstolpern mit Schwindel oder Ohnmacht, Krampfanfällen, plötzlich starken Augenschmerzen mit Sehverschlechterung, Fieber mit Verwirrtheit und Muskelzuckungen, Suizidgedanken oder einer Schwellung von Gesicht oder Zunge gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Auf manchen Packungen steht „8,84 mg“. Das ist dieselbe Tablette: 10 mg
Amitriptylinhydrochlorid entsprechen 8,84 mg Amitriptylin-Base. Die Angaben unten stammen
aus der Fachinformation Amitriptylin neuraxpharm Filmtabletten (Stand Februar 2026) und
aus der Migräne-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2025).
Was Amitriptylin im Körper macht
Amitriptylin blockiert die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin an den
Nervenendigungen; beide Botenstoffe wirken dadurch länger. Zusätzlich blockiert es
Natrium-, Kalium- und NMDA-Kanäle im Gehirn und im Rückenmark. Laut Fachinformation
beruht die schmerzlindernde Wirkung genau auf diesen Kanal- und Noradrenalin-Effekten
und hängt nicht von der antidepressiven Wirkung ab.
Dazu kommen ausgeprägte anticholinerge und sedierende Eigenschaften. Sie erklären
Mundtrockenheit, Verstopfung und Müdigkeit ebenso wie den Nutzen bei Schlafproblemen.
Sowohl die antidepressive als auch die schmerzlindernde Wirkung setzt laut
Fachinformation nach zwei bis vier Wochen ein.
Wofür die 10-mg-Tablette gedacht ist
Zugelassen ist Amitriptylin bei Erwachsenen für Episoden einer Major Depression,
neuropathische Schmerzen, die Vorbeugung chronischer Spannungskopfschmerzen und die
Migräneprophylaxe, außerdem bei Kindern ab sechs Jahren für nächtliches Einnässen, wenn
alle anderen Maßnahmen versagt haben. Unter 18 Jahren wird es sonst nicht angewendet.
Die Migräne-Leitlinie der DGN bestätigt: Amitriptylin ist in der Migräneprophylaxe
wirksam, mit einer Wirksamkeit vergleichbar Topiramat, und sollte bevorzugt gegeben
werden, wenn zusätzlich Spannungskopfschmerz, neuropathische oder chronische
Rückenschmerzen oder eine Depression bestehen. Die beste Wirkung zeigte sich in Studien
nach vier Monaten Einnahme.
Was die Fachinformation zur Dosierung sagt
| Anwendung | Anfangsdosis laut Fachinformation | Üblicher Bereich |
|---|---|---|
| Neuropathischer Schmerz, Spannungskopfschmerz, Migräneprophylaxe | 10–25 mg am Abend, Steigerung alle 3–7 Tage um 10–25 mg | 25–75 mg täglich |
| Depression, über 65 Jahre oder herzkrank | 10–25 mg täglich | bis 100–150 mg, über 100 mg mit Vorsicht |
| Depression, Erwachsene | 25 mg zweimal täglich | bis 150 mg täglich |
| Einnässen, Kinder 6–10 Jahre | 10–20 mg, 1 bis 1½ Stunden vor dem Schlafen | höchstens 3 Monate, EKG vorab |
Die Erhaltungsdosis ist immer die niedrigste wirksame Dosis. Wer einen starken
CYP2D6-Hemmer nimmt, etwa Fluoxetin, Paroxetin oder Bupropion, oder Amitriptylin
genetisch langsam abbaut, soll laut Fachinformation mit der halben Anfangsdosis
beginnen. Beendet wird die Behandlung schrittweise, weil plötzliches Absetzen
Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit auslösen kann.
Nebenwirkungen nach EU-Häufigkeit
Sehr häufig (mindestens einer von zehn): Aggression, Schläfrigkeit,
Zittern, Schwindel, Kopfschmerz, Benommenheit, undeutliche Sprache,
Akkommodationsstörung der Augen, Herzklopfen, schneller Puls, Blutdruckabfall beim
Aufstehen, verstopfte Nase, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit, starkes Schwitzen,
Gewichtszunahme.
Häufig (einer von hundert bis einer von zehn): Verwirrtheit,
verminderte Libido, Unruhe, Aufmerksamkeitsstörungen, Geschmacksstörung, Kribbeln,
Gangunsicherheit, weite Pupillen, AV-Block und Schenkelblock, Störungen beim
Wasserlassen, Erektionsstörung, Müdigkeit, Durst, verlängerte QT- und QRS-Zeit im EKG,
Natriummangel.
Gelegentlich (einer von tausend bis einer von hundert): Hypomanie,
Manie, Angst, Schlaflosigkeit, Albträume, Krampfanfall, Tinnitus, Kollaps, Verschlechterung
einer Herzschwäche, Bluthochdruck, Durchfall, Erbrechen, Zungenschwellung, Leberstörung,
Ausschlag, Nesselsucht, Gesichtsschwellung, Harnverhalt, Milchfluss, erhöhter
Augeninnendruck.
Selten (einer von zehntausend bis einer von tausend):
Knochenmarkdepression, Agranulozytose, Delirium bei älteren Menschen, Halluzinationen,
Suizidgedanken, Herzrhythmusstörungen, Darmlähmung, Gelbsucht, Haarausfall,
Lichtempfindlichkeit, Fieber. Sehr selten: Akathisie, Polyneuropathie,
akutes Glaukom, Kardiomyopathie, Torsades de Pointes. Studien bei Menschen ab 50 zeigen
außerdem ein erhöhtes Knochenbruchrisiko unter trizyklischen Antidepressiva.
Herz, Suizidgedanken, Absetzen: die Warnhinweise
Amitriptylin darf nicht gegeben werden nach kürzlichem Herzinfarkt, bei Herzblock,
Herzrhythmusstörungen, Koronarinsuffizienz, schwerer Lebererkrankung und zusammen mit
MAO-Hemmern; nach einem irreversiblen MAO-Hemmer müssen 14 Tage Pause liegen. Bei
Bradykardie, Herzschwäche, Elektrolytstörungen oder anderen QT-verlängernden Mitteln ist
Vorsicht geboten, ebenso bei Glaukom, Harnverhalt, Prostatavergrößerung, Epilepsie und
Schilddrüsenüberfunktion.
Depressionen gehen mit einem erhöhten Suizidrisiko einher, das zu Behandlungsbeginn
ansteigen kann; unter 25 Jahren zeigte eine Metaanalyse ein erhöhtes Risiko für suizidales
Verhalten gegenüber Placebo. Bis zur Besserung ist deshalb engmaschige Begleitung
vorgesehen. Bei bipolarer Störung kann Amitriptylin eine Manie auslösen. Vor einer
Operation soll es möglichst einige Tage vorher abgesetzt werden, weil Narkosemittel das
Risiko für Rhythmusstörungen erhöhen.
Schwangerschaft, Stillzeit, Autofahren
In der Schwangerschaft wird Amitriptylin nicht empfohlen, es sei denn, es ist eindeutig
erforderlich. Nach Einnahme in den letzten Wochen kann das Neugeborene Entzugssymptome
zeigen. In die Muttermilch gehen 0,6 bis 1 Prozent der mütterlichen Dosis über; ein Risiko
für den Säugling lässt sich nicht ausschließen. Amitriptylin wirkt sedierend und kann die
Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, Alkohol verstärkt das.
Häufige Fragen
Warum wird Amitriptylin 10 mg abends eingenommen?
Bei Schmerzen und Kopfschmerzprophylaxe sieht die Fachinformation die Einnahme am Abend vor. Der Wirkstoff macht müde; abends stört das weniger und hilft beim Einschlafen.
Ist 10 mg schon eine antidepressive Dosis?
Für Erwachsene mit Depression nennt die Fachinformation 25 mg zweimal täglich als Anfangsdosis. 10 mg ist dort nur der Einstieg für ältere oder herzkranke Menschen.
Wie lange dauert es, bis Amitriptylin wirkt?
Laut Fachinformation zwei bis vier Wochen, sowohl gegen Schmerzen als auch gegen Depression. Die Migräne-Leitlinie sah die beste Wirkung nach vier Monaten.
Macht Amitriptylin dick?
Gewichtszunahme ist als sehr häufige Nebenwirkung gelistet, also bei mindestens einem von zehn Behandelten.
Kann ich Amitriptylin einfach absetzen?
Die Fachinformation sieht ein schrittweises Absetzen vor. Plötzliches Aufhören kann Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit auslösen.
Was bedeutet 8,84 mg auf der Packung?
Das ist der Gehalt an Amitriptylin-Base; 10 mg Amitriptylinhydrochlorid entsprechen 8,84 mg Amitriptylin. Beide Angaben meinen dieselbe Tablette.
Quellen
- Fachinformation Amitriptylin neuraxpharm 8,84 mg / 22,1 mg / 44,19 mg / 66,29 mg Filmtabletten, Stand Februar 2026 (Abschnitte 4.1 bis 4.8, 5.1) — abgerufen am 10. September 2026
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“, Version 2025, AWMF-Register 030-057 — abgerufen am 10. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Pharmakovigilanz — Nebenwirkungen melden — abgerufen am 10. September 2026
Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
