Amoxiclav 875/125 Nebenwirkungen: Durchfall, Allergie, Leber

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Amoxiclav 875/125 enthält 875 mg Amoxicillin und 125 mg Clavulansäure. Die Fachinformation nennt als sehr häufige Nebenwirkung (mehr als 1 von 10 Behandelten) Durchfall, als häufig (1 bis 10 von 100) Übelkeit, Erbrechen und Pilzinfektionen von Haut und Schleimhäuten. Gelegentlich treten Schwindel, Kopfschmerzen, Magenverstimmung, Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht und erhöhte Leberwerte auf. Selten bis sehr selten, aber gefährlich sind allergische Sofortreaktionen, schwere Hautreaktionen, eine Leberentzündung mit Gelbsucht und eine Antibiotika-assoziierte Darmentzündung. Die Einnahme zu einer Mahlzeit senkt laut Fachinformation die Magen-Darm-Beschwerden.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Atemnot, Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Rachen, schwerem oder blutigem Durchfall, Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin oder einem Ausschlag mit Blasen und Fieber gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

„Amoxiclav“ ist der Handelsname mehrerer Generika, etwa Amoxiclav-CT und AmoxiClav 1A
Pharma; das Originalpräparat heißt Augmentan. Alle enthalten dieselbe Kombination. Die
Angaben hier stammen aus den Fachinformationen von Amoxicillin-ratiopharm comp. 875/125
mg (April 2025), Amoxiclav-CT (Juli 2023) und Augmentan (Januar 2025), die inhaltlich
übereinstimmen.

Was Amoxicillin und Clavulansäure im Körper machen

Amoxicillin ist ein Penicillin. Es blockiert Enzyme, die Bakterien zum Aufbau ihrer
Zellwand brauchen; die Wand wird schwach, die Zelle platzt. Viele Bakterien wehren sich
mit Betalaktamasen, Enzymen, die Amoxicillin zerlegen. Clavulansäure fängt diese Enzyme
ab und macht Amoxicillin wieder wirksam. Deshalb deckt die Kombination Erreger ab, die
Amoxicillin allein nicht erreicht.

Zugelassen ist Amoxiclav 875/125 laut Fachinformation für akute bakterielle
Nasennebenhöhlenentzündung, akute Mittelohrentzündung, akute Schübe einer chronischen
Bronchitis, ambulant erworbene Lungenentzündung, Blasen- und Nierenbeckenentzündung,
Haut- und Weichteilinfektionen einschließlich Tierbissen und schweren Zahnabszessen sowie
für Knochen- und Gelenkinfektionen. Ist der Erreger nachweislich Amoxicillin-empfindlich,
soll laut Fachinformation ein Wechsel auf Amoxicillin allein erwogen werden.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Sehr häufig (mehr als 1 von 10): Durchfall. Häufig
(1 bis 10 von 100): Übelkeit, Erbrechen und Candida-Infektionen von Haut und Schleimhäuten.
Übelkeit tritt laut Fachinformation vor allem bei höheren Dosen auf. Gelegentlich
(1 bis 10 von 1.000): Schwindel, Kopfschmerzen, Magenverstimmung, ein Anstieg der
Leberwerte AST und ALT, Hautausschlag, Juckreiz und Nesselsucht.

Selten (1 bis 10 von 10.000): vorübergehender Mangel an weißen
Blutkörperchen oder Blutplättchen und Erythema multiforme. Ohne abschätzbare Häufigkeit
nennt die Fachinformation unter anderem Anaphylaxie, Angioödem, Serumkrankheit,
allergische Gefäßentzündung, Krampfanfälle, aseptische Meningitis, Antibiotika-assoziierte
Kolitis, schwarze Haarzunge, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Hepatitis und
Gallenstauung mit Gelbsucht, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, das
akute generalisierte pustulöse Exanthem (AGEP), DRESS, Nierenentzündung, Kristallbildung
im Urin, verlängerte Blutungszeit und das Kounis-Syndrom, eine allergische Reaktion mit
Herzinfarkt.

Allergie und schwere Hautreaktionen

Vor Beginn muss laut Fachinformation nach früheren Reaktionen auf Penicilline,
Cephalosporine oder andere Betalaktam-Antibiotika gefragt werden. Wer je eine schwere
Sofortreaktion auf ein solches Antibiotikum hatte, darf Amoxiclav nicht bekommen. Bei
Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber soll das Mittel vermieden werden, weil dann ein
masernartiger Ausschlag droht. Allopurinol erhöht die Wahrscheinlichkeit allergischer
Hautreaktionen.

Ein fieberhafter, großflächiger Ausschlag mit kleinen Pusteln zu Beginn der Behandlung
kann ein AGEP sein; dann muss Amoxiclav abgesetzt werden, und Amoxicillin ist danach
dauerhaft kontraindiziert. Bei Kindern beschreibt die Fachinformation außerdem das
arzneimittelbedingte Enterokolitissyndrom: anhaltendes Erbrechen ein bis vier Stunden
nach der Einnahme ohne Hautsymptome, in schweren Fällen mit Blutdruckabfall bis zum
Schock.

Leber, Darm und Nieren

Leberereignisse traten laut Fachinformation vor allem bei Männern und älteren Menschen
auf, meist bei längerer Behandlung. Die Zeichen erscheinen während oder kurz nach der
Therapie, manchmal erst Wochen später, und bilden sich in der Regel zurück. Wer früher
unter Amoxicillin/Clavulansäure eine Gelbsucht hatte, darf es nicht erneut bekommen.

Durchfall während oder nach der Behandlung kann eine Antibiotika-assoziierte Kolitis
sein, die von leicht bis lebensbedrohlich reicht. Dann muss Amoxiclav sofort abgesetzt
werden; Mittel, die die Darmbewegung hemmen, sind in dem Fall kontraindiziert. Bei einer
Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min wird die 875/125-Formulierung nicht empfohlen, weil
keine Angaben zur Dosisanpassung vorliegen. Bei hohen Dosen ist auf ausreichend
Flüssigkeit zu achten, damit sich Amoxicillin nicht als Kristalle in den Harnwegen
absetzt.

Wechselwirkungen

Unter Warfarin oder Acenocoumarol wurden erhöhte INR-Werte beschrieben; zu Beginn und
am Ende der Behandlung soll die Gerinnung kontrolliert werden. Penicilline verzögern die
Ausscheidung von Methotrexat und erhöhen dessen Giftigkeit. Probenecid steigert den
Amoxicillin-Spiegel, die Kombination wird nicht empfohlen. Bei Transplantierten, die
Mycophenolatmofetil nehmen, sanken die Talspiegel des Wirkstoffs um etwa die Hälfte.
Außerdem kann Amoxicillin nicht-enzymatische Zuckertests im Urin und Clavulansäure den
Coombs-Test verfälschen.

Einnahme, Dauer, Schwangerschaft

Die Tablette wird zu einer Mahlzeit eingenommen. Die Fachinformation nennt als
Standarddosis für Erwachsene und Kinder ab 40 kg zweimal täglich eine Tablette, bei
Mittelohr-, Nebenhöhlen-, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen dreimal täglich. Ohne
Überprüfung soll die Behandlung 14 Tage nicht überschreiten; bei längerer Gabe werden
Nieren, Leber und Blutbild kontrolliert. Kinder unter 25 kg dürfen die Tablette nicht
bekommen, weil sie sich nicht in gleiche Dosen teilen lässt. Wie lange du das Antibiotikum
nimmst, bestimmt deine Ärztin nach dem Verlauf.

In der Schwangerschaft soll die Anwendung vermieden werden, es sei denn, die Ärztin
hält sie für unverzichtbar; begrenzte Daten zeigen kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, eine
Studie bei vorzeitigem Blasensprung fand jedoch mehr Fälle einer nekrotisierenden
Darmentzündung bei Neugeborenen. Beide Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über; beim
Säugling sind Durchfall und Pilzbefall der Schleimhäute möglich.

Häufige Fragen

Warum bekomme ich von Amoxiclav Durchfall?

Durchfall ist die einzige sehr häufige Nebenwirkung; er betrifft mehr als einen von zehn Behandelten. Wird er schwer, blutig oder hält er an, muss laut Fachinformation an eine Antibiotika-assoziierte Kolitis gedacht werden.

Soll ich Amoxiclav mit oder ohne Essen nehmen?

Mit einer Mahlzeit. Die Fachinformation nennt das ausdrücklich, um Magen-Darm-Beschwerden so weit wie möglich zu reduzieren.

Darf ich Alkohol trinken?

Die Fachinformation nennt keine Wechselwirkung mit Alkohol. Sie warnt aber vor Leberereignissen; wer die Leber schont, verringert dieses Risiko.

Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?

Die Fachinformation macht dazu keine Angabe. Frag in der Apotheke oder bei deiner Ärztin nach, wie du die Einnahme fortsetzt; nimm keine doppelte Dosis ohne Rücksprache.

Kann Amoxiclav die Pille unwirksam machen?

Die Fachinformation führt orale Kontrazeptiva nicht unter den Wechselwirkungen auf. Bei Erbrechen oder starkem Durchfall kann die Aufnahme der Pille trotzdem gestört sein.

Ist Amoxiclav dasselbe wie Augmentan?

Ja, beide enthalten Amoxicillin und Clavulansäure in derselben Dosis. Augmentan ist das Original, Amoxiclav der Name mehrerer Generika.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

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