Blutdrucksenker-Medikamente: Wirkstoffgruppen im Überblick

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Blutdrucksenker gibt es in fünf großen Wirkstoffgruppen: ACE-Hemmer, Sartane, Calciumantagonisten, Betablocker und Entwässerungsmittel. Jede Gruppe senkt den Blutdruck auf einem eigenen Weg. Welches Medikament passt, hängt von Alter, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab. Das legt die behandelnde Praxis fest, nicht der Beipackzettel allein.

Kurzantwort: ACE-Hemmer und Sartane hemmen das Angiotensin-System, Calciumantagonisten weiten die Gefäße, Betablocker bremsen das Herz, Diuretika entwässern. Oft kombiniert die Praxis zwei Gruppen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blutdrucksenker werden als Antihypertensiva bezeichnet.
  • Die Endung verrät oft die Gruppe: -pril, -sartan, -olol, -dipin.
  • ACE-Hemmer lösen bei 5 bis 35 Prozent der Patienten Reizhusten aus.
  • Blutdrucksenker nie eigenmächtig absetzen.

Wofür Blutdrucksenker gebraucht werden

Dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet Herz, Gefäße, Nieren und Augen. Medikamente kommen zum Einsatz, wenn Lebensstiländerungen nicht genügen oder der Druck sehr hoch ist. Antihypertensiva behandeln die arterielle Hypertonie und die hypertensive Krise. Ein Einzelwert sagt wenig. Hilfreich ist eine Langzeitmessung, wie sie der Beitrag Langzeit-Blutdruckmessung beschreibt.

Blutdrucksenker-Medikamente: Wirkstoffgruppen im Überblick

Gruppe Beispiele Wirkweise Typische Nebenwirkungen
ACE-Hemmer Ramipril, Enalapril, Lisinopril verhindern die Bildung von Angiotensin II Reizhusten, selten Angioödem, Kaliumanstieg
Sartane Candesartan, Valsartan, Losartan blockieren den Angiotensin-Rezeptor Schwindel, Kaliumanstieg
Calciumantagonisten Amlodipin, Lercanidipin weiten die Gefäße Knöchelschwellung, Kopfschmerz, Hitzegefühl
Betablocker Bisoprolol, Metoprolol, Nebivolol bremsen Herzschlag und Kraft langsamer Puls, Müdigkeit, kalte Hände
Diuretika Hydrochlorothiazid, Torasemid, Spironolacton entwässern und senken das Volumen häufiges Wasserlassen, Kaliumverlust

Dazu kommen Vasodilatatoren wie Urapidil und Clonidin. Sie kommen bei besonderen Situationen zum Einsatz, etwa in der hypertensiven Krise. Die Tabelle zeigt die Gruppen vereinfacht. Jede Person reagiert anders.

ACE-Hemmer und Sartane: das Angiotensin-System

ACE-Hemmer hemmen das Angiotensin-Converting-Enzyme. Dadurch entsteht weniger Angiotensin II, das die Gefäße verengt. Der Blutdruck sinkt, das Herz wird entlastet. Die Namen enden auf -pril. Ein bekannter Vertreter ist Ramipril, Hinweise zu Alternativen liefert der Beitrag Ramipril: Alternativen.

Häufigste Nebenwirkung ist ein trockener Reizhusten. Er tritt in den ersten drei Monaten bei 5 bis 35 Prozent der Patienten auf und hängt nicht von der Menge ab. Ein Angioödem mit Schwellung von Gesicht und Zunge ist selten und liegt bei 0,01 bis 0,1 Prozent. In der Schwangerschaft sind ACE-Hemmer kontraindiziert, da sie das Kind schädigen können.

Sartane blockieren den Angiotensin-II-Rezeptor. Sie beeinflussen das Bradykinin-System nicht. Deshalb tritt Reizhusten seltener auf. Wer ihn unter einem ACE-Hemmer bekommt, erhält häufig ein Sartan als Ersatz.

Kurzantwort: ACE-Hemmer und Sartane wirken über dasselbe System. Sartane lösen seltener Reizhusten aus und sind oft die zweite Wahl bei Husten unter ACE-Hemmern.

Calciumantagonisten, Betablocker und Diuretika

Calciumantagonisten wie Amlodipin entspannen die Gefäßmuskulatur. Als Nebenwirkung können Knöchel anschwellen. Mehr dazu im Beitrag Amlodipin: Wirkung. Betablocker wie Bisoprolol oder Nebivolol verlangsamen den Herzschlag. Sie werden häufig bei zusätzlicher Herzerkrankung eingesetzt. Zu Nebivolol gibt der Text Nebivolol: Wirkstoff Auskunft.

Diuretika ziehen Wasser und Salz aus dem Körper. Thiazide wirken mild, Schleifendiuretika stärker. Aldosteronantagonisten schonen das Kalium. Regelmäßige Blutkontrollen zeigen, ob die Salzwerte stimmen.

Wer welchen Blutdrucksenker bekommt

Die Auswahl richtet sich nach Begleiterkrankungen. Bei Herzschwäche stehen oft ACE-Hemmer und Betablocker im Vordergrund. Bei Nierenerkrankungen oder Diabetes kommen häufig ACE-Hemmer oder Sartane zum Einsatz. Ältere Menschen erhalten nicht selten Calciumantagonisten oder Entwässerungsmittel. Schwangere brauchen eine besondere Auswahl. Wer mehrere Medikamente nimmt, fragt in der Apotheke nach Wechselwirkungen. Auch rezeptfreie Schmerzmittel können die Wirkung abschwächen.

Kombinationen, Kontrollen und Absetzen

Viele Menschen brauchen zwei oder mehr Wirkstoffe. Die Praxis kombiniert Gruppen mit unterschiedlichen Angriffspunkten, oft als Kombinationstablette. Zu Beginn und nach Änderungen folgen Kontrollen von Blutdruck, Puls und Blutwerten. Der gewünschte Zielwert richtet sich nach Alter und Begleiterkrankungen.

Ein plötzliches Absetzen kann den Blutdruck gefährlich ansteigen lassen. Bei Nebenwirkungen wie Husten, Schwindel oder Schwellungen sollte die Praxis angesprochen werden. Sie wechselt Wirkstoff oder Menge. Erfahrungen zum Absetzen schildert der Beitrag Candesartan absetzen: Erfahrungen. Die eigene Dosis legt nur die behandelnde Praxis fest.

Blutdruck zu Hause richtig messen

Gemessen wird nach fünf Minuten Ruhe, sitzend, mit aufgelegtem Arm auf Herzhöhe. Die Manschette sitzt direkt auf der nackten Haut. Sinnvoll sind Messungen an mehreren Tagen, jeweils morgens und abends, vor der Tabletteneinnahme. Die Werte in ein Protokoll eintragen und zum Kontrolltermin mitbringen. So erkennt die Praxis, ob die Behandlung wirkt.

Was den Blutdruck zusätzlich senkt

  • Regelmäßige Bewegung, etwa Gehen, Radfahren oder Schwimmen
  • Weniger Salz und mehr Gemüse, Obst und Vollkorn
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • Wenig Alkohol und Rauchstopp
  • Stressabbau und ausreichend Schlaf

Diese Schritte ersetzen Medikamente nicht immer, verbessern aber die Wirkung. Manche Menschen können die Mittel später reduzieren. Das entscheidet nur die Praxis.

Kurzantwort: Die meisten Patienten brauchen mehrere Wirkstoffe. Lebensstil und Medikamente ergänzen sich. Keines wird ohne ärztlichen Rat abgesetzt.

Fazit

Blutdrucksenker wirken auf unterschiedlichen Wegen. ACE-Hemmer, Sartane, Calciumantagonisten, Betablocker und Diuretika bilden die Basis. Die Auswahl richtet sich nach der Person und ihren Begleiterkrankungen. Nebenwirkungen lassen sich meist durch einen Wechsel des Wirkstoffs lösen.

FAQ – Häufige Fragen

Welche Blutdrucksenker gibt es?

ACE-Hemmer, Sartane, Calciumantagonisten, Betablocker und Diuretika sind die wichtigsten Gruppen.

Woran zeigt der Name die Wirkstoffgruppe?

Endungen wie -pril, -sartan, -olol und -dipin weisen auf die Gruppe hin.

Warum husten manche unter ACE-Hemmern?

Der Reizhusten tritt bei 5 bis 35 Prozent der Patienten in den ersten drei Monaten auf.

Was ist besser, ACE-Hemmer oder Sartan?

Keins ist pauschal besser. Sartane verursachen seltener Husten.

Dürfen Blutdrucksenker selbst abgesetzt werden?

Nein. Ein plötzliches Absetzen kann den Blutdruck gefährlich steigen lassen.

Sind ACE-Hemmer in der Schwangerschaft erlaubt?

Nein. Sie sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Warum schwellen Knöchel unter Amlodipin an?

Calciumantagonisten können Ödeme auslösen. Die Praxis kann dann anpassen.

Braucht jeder mehrere Medikamente?

Viele Menschen brauchen zwei oder mehr Wirkstoffe. Das legt die Praxis fest.

Wie lange muss man Blutdrucksenker nehmen?

Meist dauerhaft. Der Verlauf wird regelmäßig kontrolliert.

Was hilft zusätzlich zu Tabletten?

Bewegung, weniger Salz, gesundes Gewicht und wenig Alkohol.

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Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Behandlung.

Quellen

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