Blutkultur abnehmen: Ablauf, Menge und typische Fehler

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Eine Blutkultur wird abgenommen, wenn der Verdacht besteht, dass Bakterien oder Pilze im Blut kreisen. Das Fachpersonal punktiert dafür eine Vene und füllt Blut in zwei Flaschen: eine aerobe und eine anaerobe. Bei Erwachsenen gehören 8 bis 10 ml in jede Flasche. Empfohlen sind zwei bis drei solcher Pärchen, möglichst vor der ersten Antibiotikagabe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Set besteht aus einer aeroben und einer anaeroben Flasche.
  • Erwachsene: 2 bis 3 Sets mit je 8 bis 10 ml pro Flasche.
  • Abnahme möglichst vor Beginn der Antibiotikatherapie.
  • Transport bei Raumtemperatur, niemals im Kühlschrank.

Wann man eine Blutkultur abnimmt

Die Blutkultur ist die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf eine Blutstrominfektion. Dazu zählen eine Sepsis, eine Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) oder eine Infektion über einen Katheter. Typische Anlässe sind Fieberanstieg, Schüttelfrost oder ein plötzlich schlechter Allgemeinzustand. MedLab Bochum empfiehlt, die Kulturen unmittelbar bei solchen Zeichen abzunehmen.

Der Zeitpunkt vor der Antibiotikagabe ist entscheidend. Schon eine Dosis kann das Wachstum der Keime im Labor bremsen. Dann bleibt die Kultur trotz Infektion negativ. Läuft bereits eine Therapie, sollte die Abnahme möglichst kurz vor der nächsten Dosis erfolgen.

Kurzantwort: Eine Blutkultur wird bei Verdacht auf Sepsis oder Endokarditis abgenommen, am besten beim Fieberanstieg und vor der ersten Antibiotikagabe.

Blutkultur abnehmen: Menge und Anzahl der Flaschen

Die Menge Blut ist der wichtigste Faktor für ein aussagekräftiges Ergebnis. Oft schwimmen nur wenige Keime im Blut. Zu wenig Blut in der Flasche verringert die Chance, sie zu finden. Die Mikrobiologie der TU München nennt diese Richtwerte:

Patientengruppe Anzahl Blut pro Flasche
Erwachsene 2 bis 3 Pärchen 8 bis 10 ml
Kinder ab 6 Jahren oder ab 20 kg 1 Pärchen 5 ml
Säuglinge und Kleinkinder unter 20 kg 1 Kinderflasche 1 bis 3 ml
Neugeborene 1 Kinderflasche 0,5 ml

Mehrere Sets erfüllen einen zweiten Zweck. Hautkeime können bei der Abnahme in eine Flasche geraten. Wächst derselbe Keim in mehreren Sets aus unterschiedlichen Punktionen, spricht das für eine echte Infektion. Wächst er nur in einer Flasche, deutet das eher auf eine Verunreinigung hin.

Ablauf Schritt für Schritt

  1. Vorbereiten: Flaschen auf Verfallsdatum prüfen und beschriften. Datum, Uhrzeit und Entnahmeort notieren. Den Barcode auf der Flasche nicht überkleben.
  2. Hände desinfizieren und Handschuhe anziehen.
  3. Haut desinfizieren: Die Punktionsstelle zweimal gründlich desinfizieren und die Einwirkzeit einhalten. Die TU München nennt einen Abstand von einer Minute. Danach die Stelle nicht mehr abtasten.
  4. Flaschen desinfizieren: Die Schutzkappe entfernen und den Gummistopfen desinfizieren. Er ist unter der Kappe nicht steril.
  5. Venenpunktion: Blut entnehmen, üblicherweise mit Adapter und Butterfly-System.
  6. Befüllen: Mit Butterfly zuerst die aerobe, dann die anaerobe Flasche füllen. So gelangt die Luft aus dem Schlauch in die aerobe Flasche.
  7. Flaschen schwenken und sofort ins Labor schicken.

Die Farben der Flaschen hängen vom Hersteller ab. Häufig ist die aerobe Flasche blau und die anaerobe lila oder orange markiert. Maßgeblich ist immer die Beschriftung.

Kurzantwort: Beim Butterfly-System wird zuerst die aerobe und dann die anaerobe Flasche befüllt. Beide Gummistopfen vorher desinfizieren.

Abnahme über einen Katheter

Die Punktion einer peripheren Vene ist der Standard. Liegt ein zentraler Venenkatheter, empfiehlt die TU München zusätzlich eine Probe über diesen Zugang. Der Vergleich beider Kulturen hilft zu klären, ob der Katheter selbst die Quelle ist. Wichtig ist die Beschriftung: Auf jeder Flasche muss stehen, woher das Blut stammt.

Transport und Lagerung

Beimpfte Flaschen gehören nicht in den Kühlschrank. Empfindliche Erreger können in der Kälte absterben. MedLab Bochum nennt Raumtemperatur und einen Transport ins Labor innerhalb von 48 Stunden. Je schneller die Flaschen im Brutschrank stehen, desto früher kommt ein Ergebnis.

Wie lange dauert das Ergebnis?

Im Labor stehen die Flaschen in einem Automaten bei 37 °C. Das Gerät meldet sich, sobald Keime Gas produzieren. Viele positive Kulturen fallen innerhalb der ersten ein bis zwei Tage auf. Das Labor meldet dann zuerst das Ergebnis der Gramfärbung an die Station. Die genaue Bestimmung und das Antibiogramm folgen später. Negative Kulturen bebrütet das Labor standardmäßig 5 Tage. Bei Verdacht auf Endokarditis kann die Bebrütung auf 10 Tage verlängert werden.

Häufige Fehler bei der Blutkulturabnahme

  • Zu wenig Blut in der Flasche.
  • Nur ein einzelnes Set statt zwei oder drei.
  • Abnahme erst nach Beginn der Antibiotikatherapie.
  • Unzureichende Hautdesinfektion oder zu kurze Einwirkzeit.
  • Gummistopfen nicht desinfiziert.
  • Lagerung im Kühlschrank oder langer Transport.

Weitere Grundlagen zu Laborwerten erklären die Beiträge zum MCV-Blutwert und zur Blutgerinnung.

Fazit

Eine Blutkultur liefert nur dann ein gutes Ergebnis, wenn die Abnahme stimmt. Entscheidend sind genug Blut, mehrere Sets, saubere Desinfektion und der richtige Zeitpunkt vor der Antibiotikagabe. Die Flaschen gehören bei Raumtemperatur zügig ins Labor.

FAQ – Häufige Fragen

Was ist eine Blutkultur?

Eine Flasche mit Nährmedium, in der Keime aus dem Blut im Labor wachsen können.

Wie viele Blutkulturen nimmt man ab?

Bei Erwachsenen zwei bis drei Pärchen aus je einer aeroben und einer anaeroben Flasche.

Wie viel Blut kommt in eine Blutkulturflasche?

Bei Erwachsenen 8 bis 10 ml pro Flasche.

Welche Flasche wird zuerst befüllt?

Beim Butterfly-System die aerobe Flasche, danach die anaerobe.

Muss man für eine Blutkultur nüchtern sein?

Nein. Nüchternheit spielt für die Blutkultur keine Rolle.

Tut die Abnahme weh?

Sie fühlt sich an wie eine normale Blutentnahme aus der Vene.

Darf man Blutkulturen kühlen?

Nein. Die Flaschen werden bei Raumtemperatur gelagert und transportiert.

Wie lange dauert es bis zum Ergebnis?

Positive Kulturen melden sich oft in den ersten ein bis zwei Tagen. Negative werden meist 5 Tage bebrütet.

Was bedeutet eine positive Blutkultur?

Im Blut wurden Keime nachgewiesen. Ob es eine Infektion oder eine Verunreinigung ist, bewertet das ärztliche Team.

Kann man Blutkulturen aus einem Zugang abnehmen?

Zusätzlich zur Venenpunktion ja, etwa bei Verdacht auf eine Katheterinfektion.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

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