Chlordioxidlösung (CDL, MMS): Was BfR und BfArM dazu sagen

Aktualisiert am 29.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Chlordioxidlösung, verkauft als CDL, CDS oder „Miracle Mineral Supplement“ (MMS), entsteht, wenn Natriumchlorit mit einer Säure gemischt wird. Chlordioxid ist ein starkes Oxidationsmittel, das zur Desinfektion von Trinkwasser und zum Bleichen von Zellstoff dient. Als Arzneimittel ist es in Deutschland nicht zugelassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät seit 2012 dringend von der Einnahme ab, das BfArM hat zwei MMS-Produkte 2015 als bedenkliche Arzneimittel eingestuft. Gemeldet wurden Erbrechen, Durchfall, Blutdruckstörungen, Flüssigkeitsverlust, Verätzungen und Atemstörungen. Eine Wirkung gegen Infektionen, Krebs oder andere Krankheiten ist nicht belegt.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Chlordioxidlösung ist kein zugelassenes Arzneimittel; nimm sie nicht ein und gib sie keinem Kind. Bei Erbrechen, starken Bauchschmerzen oder blutigem Durchfall nach der Einnahme, Atemnot, Verätzungen in Mund oder Rachen, Schwindel mit Blutdruckabfall oder nachlassender Urinmenge gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Dieser Text stützt sich auf die Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung
von 2012, zwei Pressemitteilungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und
Medizinprodukte von 2014 und 2015 sowie die Warnung des Schweizerischen
Heilmittelinstituts Swissmedic von 2022.

Was Chlordioxidlösung ist

Angeboten wird meist ein Set aus zwei Fläschchen: Natriumchlorit, oft als 28-prozentige
Lösung, und eine verdünnte Säure als „Aktivator“, etwa 10-prozentige Zitronensäure.
Werden beide gemischt, entsteht Chlordioxid, eine hochreaktive Verbindung aus Chlor und
Sauerstoff. Das BfR betont, dass Natriumchlorit mit „t“ nicht mit Kochsalz, also
Natriumchlorid, verwechselt werden darf. Das BfArM beschreibt Chlordioxid als giftiges Gas
mit stechendem, chlorähnlichem Geruch. „CDL“ oder „CDS“ bezeichnet die fertig
gemischte, in Wasser gelöste Form; „MMS2“ enthält laut BfArM Calciumhypochlorit in
Kapseln.

Wofür Chlordioxid tatsächlich verwendet wird

Industriell dient Chlordioxid laut BfR zur Desinfektion und zum Bleichen, etwa von
Zellstoff und Textilien. Das BfArM nennt den Einsatz als Bleichmittel für Papier und zur
Desinfektion von Trinkwasser, Swissmedic zusätzlich die industrielle Wasseraufbereitung.
Diese Anwendungen finden in kontrollierten, sehr niedrigen Konzentrationen statt. Sie
sagen nichts darüber aus, ob der Stoff getrunken werden kann. Swissmedic stellt klar:
Chlordioxid ist kein Arzneimittel und als Zusatz in Lebensmitteln oder
Nahrungsergänzungsmitteln nicht erlaubt.

Was die Behörden zur Einnahme sagen

Das BfR veröffentlichte am 2. Juli 2012 die Stellungnahme 025/2012 und rät darin
dringend vom Verzehr und von der Verwendung von MMS ab. Es hält fest, dass Natriumchlorit
und das daraus entstehende Chlordioxid keinesfalls sichere Lebensmittel sind und dass der
Name irreführt, weil es sich um keine Ergänzung der Ernährung mit Mineralstoffen
handelt.

Das BfArM warnte am 30. Mai 2014 vor der Anwendung von Natriumchlorit als Arzneimittel;
beworben wurde es damals über Spam-Mails als Mittel gegen Krebs, Malaria und chronische
Infektionen. Am 26. Februar 2015 stufte das BfArM die Produkte MMS und MMS2 eines
Anbieters als zulassungspflichtige Arzneimittel ein, weil der Hersteller eindeutige
Heilversprechen machte, und zugleich als bedenkliche Arzneimittel nach § 5
Arzneimittelgesetz, weil der begründete Verdacht besteht, dass sie bei bestimmungsgemäßem
Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen. Ohne
Zulassung dürfen solche Produkte nicht in Verkehr gebracht werden.

Swissmedic warnte am 1. März 2022 erneut, nachdem Chlordioxid-Produkte in sozialen
Medien als Mittel gegen Covid-19 angepriesen wurden, und verbot im Mai 2022 den Vertrieb
von Natriumchlorit-Lutschtabletten, die im Mund Chlordioxid freisetzen.

Welche Schäden gemeldet wurden

Das BfR nennt nach oraler Aufnahme Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall,
teilweise mit Blutdruckstörungen und erheblichem Flüssigkeitsverlust. Direkter Kontakt mit
der unverdünnten oder falsch gemischten Lösung führte zu Reizungen und Verätzungen von
Haut und Schleimhaut. Auch in Deutschland wurden Fälle nach dem Verzehr und nach
intravenöser Gabe bekannt, darunter schwerwiegende Symptome. Besonders Kinder sind laut
BfR durch Verätzungen gefährdet.

Dem BfArM lagen 2015 aus den Giftnotrufzentralen Fälle von Erbrechen, Atemstörungen
und Hautverätzungen vor; es beschreibt schwere Verätzungen der Haut und schwere
Augenschäden durch Chlordioxid. Swissmedic ergänzt, dass die Einnahme bei hohen Dosen zu
Nierenversagen, schweren Darmschädigungen und Blutdruckabfall führen kann.

Warum die Heilversprechen nicht belegt sind

Swissmedic hält fest, dass eine medizinische Wirkung von Chlordioxid gegen SARS-CoV-2
oder andere Infektionserreger wissenschaftlich nicht belegt ist und dass
„Erfahrungsberichte“ und „Empfehlungen“ aus sozialen Medien, Webseiten und Newslettern
irreführend sind. Das BfArM weist darauf hin, dass ein Arzneimittel nur zugelassen wird,
wenn ein behördliches Verfahren Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität belegt hat;
für Natriumchlorit-Produkte gibt es kein solches Verfahren. Dass ein Stoff Bakterien im
Wasser abtötet, macht ihn im Körper nicht zum Heilmittel: Dort trifft das Oxidationsmittel
zuerst die eigenen Schleimhäute.

Was du tun kannst

Wer Chlordioxidlösung eingenommen hat und Beschwerden bemerkt, sollte ärztliche Hilfe
holen und das Produkt mitnehmen; auch die Giftnotrufzentralen beraten dazu.
Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können beim BfArM gemeldet werden.
Wer eine Erkrankung hat, für die CDL beworben wird, spricht mit der behandelnden Ärztin
über zugelassene Behandlungen, statt ein Desinfektionsmittel zu trinken.

Häufige Fragen

Ist Chlordioxidlösung in Deutschland verboten?

Als Arzneimittel ist sie nicht zugelassen und darf mit Heilversprechen nicht verkauft werden; das BfArM hat MMS und MMS2 als bedenkliche Arzneimittel eingestuft. Als Desinfektionsmittel für Wasser bleibt Chlordioxid zulässig.

Was ist der Unterschied zwischen MMS und CDL?

MMS ist das Set aus Natriumchlorit und Säure zum Selbstmischen, CDL oder CDS die fertig gemischte Chlordioxidlösung in Wasser. Der wirksame Stoff ist derselbe.

Hilft Chlordioxid gegen Viren oder Krebs?

Nein. Swissmedic stellt fest, dass eine Wirkung gegen SARS-CoV-2 oder andere Erreger wissenschaftlich nicht belegt ist; für Krebs oder Malaria gibt es keine Zulassung und keinen Nachweis.

Ist Natriumchlorit dasselbe wie Kochsalz?

Nein. Kochsalz ist Natriumchlorid. Natriumchlorit ist laut BfR ein starkes Oxidationsmittel; manche Anbieter deklarieren es laut Swissmedic mutmaßlich falsch.

Was passiert, wenn ein Kind davon trinkt?

Das BfR nennt Kinder als besonders durch Verätzungen gefährdet. Sofort den Giftnotruf anrufen oder in die Notaufnahme fahren.

Wo kann ich einen Schaden melden?

Beim BfArM über das Meldeformular für Nebenwirkungen; das BfR und die Giftinformationszentren dokumentieren ebenfalls Fälle.

Quellen

Von Johanna Merz, Redaktion gesundheitscenter.net. Studienlage und Grenzen der Evidenz werden im Text benannt.


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