Kontinuierliche Erregungsleitung: Nerven und Herz einfach erklärt

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Kontinuierliche Erregungsleitung bedeutet: Ein elektrisches Signal wandert Stück für Stück an einer marklosen Nervenfaser entlang. Jeder Membranabschnitt wird der Reihe nach erregt. Das Verfahren ist langsam. Am Herzen folgt die Erregung einem eigenen System aus spezialisierten Herzmuskelzellen.

Kurzantwort: Bei der kontinuierlichen Erregungsleitung springt das Signal nicht, es läuft lückenlos über die Membran einer marklosen Faser. Nach Wikipedia erreicht es meist nur 1 bis 3 Meter pro Sekunde. Das Herz nutzt ein eigenes Leitungssystem aus Herzmuskelzellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Marklose Fasern leiten kontinuierlich, markhaltige Fasern leiten saltatorisch.
  • Kontinuierliche Leitung ist langsam, saltatorische erreicht über 100 Meter pro Sekunde.
  • Das Herz hat ein Erregungsleitungssystem aus Herzmuskelzellen.
  • Störungen zeigen sich im EKG.

Was ist kontinuierliche Erregungsleitung?

Nervenzellen leiten Signale als Aktionspotenziale weiter. Bei marklosen Fasern fehlt die isolierende Myelinscheide. Deshalb löst ein Aktionspotenzial an jeder Stelle der Membran das nächste aus. Wikipedia beschreibt diese Weiterleitung als fortlaufend entlang des Axons. Jeder Abschnitt muss nacheinander depolarisiert werden. Das kostet Zeit.

So läuft die Weiterleitung Schritt für Schritt ab

  • Natrium-Ionen strömen an einer Stelle in die Faser und erregen sie.
  • Die Erregung breitet sich auf den benachbarten Membranabschnitt aus.
  • Dort öffnen sich neue Natriumkanäle. Das nächste Aktionspotenzial entsteht.
  • So wandert das Signal Stück für Stück bis zum Ende der Faser.

Das Muster folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip. Ein Aktionspotenzial entsteht ganz oder gar nicht und behält seine Größe entlang des Wegs.

Kontinuierlich oder saltatorisch: Der Vergleich

Merkmal Kontinuierlich Saltatorisch
Faserart marklos markhaltig (Myelinscheide)
Ablauf lückenlos entlang der Membran Sprünge zwischen Ranvier-Schnürringen
Tempo nach Wikipedia meist 1 bis 3 m/s, maximal 30 m/s über 100 m/s

Die Myelinscheide vergrößert die Längskonstante der Membran und verringert ihre Kapazität. Dadurch springt das Signal von einem Schnürring zum nächsten. Bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose bauen sich im Zentralnervensystem die Myelinscheiden ab. Die Leitung wird dann gestört.

Was die Leitungsgeschwindigkeit bestimmt

Zwei Faktoren beeinflussen das Tempo. Der erste ist der Durchmesser der Faser. Ein dickeres Axon senkt den Längswiderstand und leitet schneller, doch der praktische Effekt bleibt begrenzt. Der zweite ist die Myelinisierung. Sie entscheidet laut Wikipedia über hohe Leitungsgeschwindigkeiten. Marklose Fasern bleiben daher langsam, auch wenn sie dick sind. Die Natur setzt sie dort ein, wo Tempo keine Hauptrolle spielt.

Ärztinnen und Ärzte messen die Nervenleitgeschwindigkeit, um Schäden an Nerven zu finden. Ein verlangsamter Wert kann auf eine Schädigung der Nervenfaser oder ihrer Hülle hinweisen. Bei nervenbedingten Schmerzen hilft die Einordnung im Beitrag Neuralgie.

Erregungsleitung am Herzen: Ein eigenes System

Das Herz schlägt ohne Befehl aus dem Gehirn. Den Takt gibt ein Erregungsleitungssystem vor. Es besteht aus spezialisierten Herzmuskelzellen. Nervenzellen gehören nicht dazu. Die Erregung läuft von Zelle zu Zelle, weil die Herzmuskelzellen elektrisch miteinander gekoppelt sind. Darin ähnelt die Weiterleitung dem kontinuierlichen Prinzip, nur in Muskelgewebe.

Wikipedia nennt als Bestandteile:

Station Aufgabe Eigenfrequenz
Sinusknoten primärer Schrittmacher im rechten Vorhof etwa 60 bis 80 pro Minute
AV-Knoten sekundärer Schrittmacher, verzögert die Erregung 40 bis 50 pro Minute
His-Bündel teilt sich in die Tawara-Schenkel 20 bis 30 pro Minute
Purkinje-Fasern leiten zum Arbeitsmyokard letzte Leitstrecke

Kurzantwort: Der schnellste Schrittmacher bestimmt den Herzschlag. Im Normalfall ist das der Sinusknoten. Fällt er aus, übernehmen der AV-Knoten und das His-Bündel mit niedrigerer Frequenz.

Warum der AV-Knoten bremst

Zwischen Vorhof und Kammer liegt das Herzskelett. Es isoliert die Bereiche elektrisch. Der AV-Knoten bildet den einzigen Übergang. Dort verzögert sich die Erregung bewusst. Vorhof und Kammer ziehen sich dadurch nacheinander zusammen. Das Herz füllt sich sauber. Das EKG macht den Verlauf der Erregung sichtbar. Wie die EKG-Ableitungen dafür zusammenwirken, steht in einem eigenen Beitrag.

Wenn die Leitung gestört ist

Wikipedia nennt als Störungen den AV-Block und das Wolff-Parkinson-White-Syndrom. Beim AV-Block kommt die Erregung verzögert oder gar nicht von den Vorhöfen zu den Kammern. Beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom gibt es eine zusätzliche Leitungsbahn. Rhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern zeigen sich ebenfalls im EKG, wie der Beitrag zum Vorhofflimmern im EKG darstellt. Ein Langzeit-EKG erfasst Störungen, die nur zeitweise auftreten.

Wer Herzrasen, Schwindel oder Aussetzer spürt, lässt die Ursache ärztlich abklären. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht gilt der Notruf.

Was der Puls mit der Erregung zu tun hat

Der Puls spiegelt die Schlagfolge wider, die das Erregungsleitungssystem vorgibt. Wie hoch er unter Belastung steigen kann, erklärt der Artikel zur maximalen Herzfrequenz. Werte sind individuell und hängen unter anderem vom Alter ab.

Fazit

Kontinuierliche Erregungsleitung beschreibt die langsame, lückenlose Weiterleitung an marklosen Nervenfasern. Das Herz folgt einem eigenen System aus Herzmuskelzellen mit Sinusknoten, AV-Knoten und Purkinje-Fasern. Störungen lassen sich im EKG erkennen und ärztlich behandeln.

FAQ – Häufige Fragen

Was bedeutet kontinuierliche Erregungsleitung?

Ein Aktionspotenzial wandert lückenlos entlang einer marklosen Nervenfaser.

Wie schnell ist die kontinuierliche Leitung?

Laut Wikipedia meist 1 bis 3 Meter pro Sekunde, höchstens 30.

Was ist saltatorische Erregungsleitung?

Das Signal springt bei markhaltigen Fasern von einem Ranvier-Schnürring zum nächsten. Sie erreicht über 100 Meter pro Sekunde.

Leitet das Herz kontinuierlich oder saltatorisch?

Das Herz hat kein Myelin. Die Erregung läuft von Herzmuskelzelle zu Herzmuskelzelle durch das Erregungsleitungssystem.

Was ist der Sinusknoten?

Der primäre Schrittmacher des Herzens im rechten Vorhof mit etwa 60 bis 80 Erregungen pro Minute.

Wozu dient der AV-Knoten?

Er verzögert die Erregung zwischen Vorhof und Kammer und koordiniert so die Kontraktion.

Was ist ein AV-Block?

Eine Störung, bei der die Erregung verzögert oder gar nicht von den Vorhöfen auf die Kammern übergeht.

Was passiert bei Multipler Sklerose?

Im Zentralnervensystem werden Myelinscheiden abgebaut. Das stört die schnelle Leitung.

Wie lassen sich Leitungsstörungen am Herzen erkennen?

Ein EKG zeigt den Verlauf der Erregung. Ärztinnen und Ärzte ordnen die Kurve ein.

Wann braucht es einen Arzt?

Bei Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht oder Brustschmerz sollte eine ärztliche Abklärung folgen.

Mehr zum Thema

Hinweis: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Herzbeschwerden gehören in ärztliche Hände.

Quellen

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