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Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Nebido ist ein Depot-Präparat mit dem Wirkstoff Testosteronundecanoat. Es ersetzt Testosteron bei Männern mit bestätigtem Hypogonadismus. Eine Ampulle mit 4 ml enthält 1000 mg Testosteronundecanoat und entspricht 631,5 mg Testosteron. Ärztinnen und Ärzte spritzen die ölige Lösung tief in den Gesäßmuskel. Nach der Einleitung liegen laut Fachinformation 10 bis 14 Wochen zwischen den Injektionen.
Kurzantwort: Nebido dient der Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Mangel klinisch und im Labor bestätigt ist. Die Injektion in den Muskel erfolgt in Abständen von 10 bis 14 Wochen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nebido enthält 1000 mg Testosteronundecanoat in 4 ml Öl und wird nur in den Muskel gespritzt.
- Anwendungsgebiet ist männlicher Hypogonadismus mit bestätigtem Testosteronmangel.
- Regelmäßige Kontrollen von Testosteronspiegel, Blutbild, Prostata und Blutdruck gehören zur Therapie.
- Selten kann eine ölige Lungen-Mikroembolie auftreten. Deshalb beobachten Fachkräfte die Betroffenen nach der Injektion.
Nebido: Wirkstoff und Zusammensetzung
Testosteronundecanoat ist ein Ester des körpereigenen Hormons Testosteron. Er löst sich in Öl und gibt den Wirkstoff nach der Injektion langsam ab. Ein Milliliter Nebido enthält 250 mg Testosteronundecanoat, was 157,9 mg Testosteron entspricht. Als Hilfsstoff dient unter anderem Benzylbenzoat. Die Lösung ist klar, gelblich und ölig.
Nach Angaben der Fachinformation bleiben die Testosteronspiegel bei der empfohlenen Häufigkeit ausreichend. Es kommt zu keiner Anreicherung im Körper. Das Präparat gelangt als Injektion in den Muskel und umgeht dadurch die Leber als ersten Abbauort.
Anwendungsgebiet: Männlicher Hypogonadismus
Hypogonadismus bezeichnet eine Funktionsstörung der Keimdrüsen. Beim Mann bildet der Hoden dann zu wenig Hormone. Man unterscheidet die Störung im Hoden selbst und die Störung in Hypophyse oder Hypothalamus. Leitsymptom ist eine nachlassende Libido bis zur erektilen Dysfunktion. Dazu kommen unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit.
Nebido darf nur bei nachgewiesenem Hypogonadismus angewendet werden. Zuvor müssen andere Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen sein. Der Mangel muss durch klinische Symptome belegt sein. Zusätzlich bestätigen zwei voneinander unabhängige Testosteron-Messungen im Blut die Diagnose. Für Kinder und Jugendliche ist Nebido nicht indiziert. Bei Frauen ist die Anwendung kontraindiziert.
Die Fachinformation stellt klar, dass Androgene bei gesunden Personen weder die Muskelentwicklung fördern noch die körperliche Leistung steigern. Für diesen Zweck ist Nebido nicht geeignet.
Injektion und Behandlungsabstände
Nebido ist ausschließlich für die intramuskuläre Injektion bestimmt. Der Inhalt einer Ampulle wird sehr langsam über zwei Minuten tief in den Gesäßmuskel gespritzt. Dabei ist darauf zu achten, dass kein Gefäß getroffen wird. Die Injektion erfolgt unmittelbar nach dem Öffnen der Ampulle.
Die Erhaltungstherapie sieht laut Fachinformation Abstände von 10 bis 14 Wochen vor. Zu Beginn kann das erste Intervall auf minimal 6 Wochen verkürzt werden. So werden schneller ausreichende Spiegel erreicht. Die Spiegel werden am Ende jedes Intervalls bestimmt und sollen im unteren Drittel des Normbereichs liegen. Sind sie zu niedrig, wird das Intervall verkürzt. Bei zu hohen Werten kann es verlängert werden. Über Abstände und Dauer entscheidet allein die behandelnde Ärztin oder der Arzt.
Kontrolluntersuchungen während der Therapie
Vor Beginn steht eine gründliche ärztliche Untersuchung. Sie soll ein bestehendes Prostatakarzinom ausschließen. Während der Behandlung kontrolliert die Praxis Prostata und Brust. Dazu gehören die digitale rektale Untersuchung und der PSA-Wert. Die Fachinformation sieht das mindestens einmal jährlich vor, bei älteren Patienten und bei Risikopatienten zweimal pro Jahr.
Bei einer Langzeittherapie werden außerdem Hämoglobin, Hämatokrit, Leberfunktionstests und das Lipidprofil überprüft. Testosteron kann den Blutdruck erhöhen. Bei Bluthochdruck ist daher Vorsicht geboten. Wie sich zu viele rote Blutkörperchen im Blutbild zeigen, erklärt der Beitrag zu Erythrozytose und Blutwerten. Hinweise zur Kontrolle des Drucks gibt der Text zur Langzeit-Blutdruckmessung.
Nebenwirkungen von Nebido
Am häufigsten berichten Anwender Akne und Schmerzen an der Injektionsstelle. Als häufig führt die Fachinformation außerdem einen Anstieg von Hämatokrit, Erythrozyten und Hämoglobin sowie eine Polyzythämie auf. Weitere häufige Wirkungen sind Gewichtszunahme, Hitzewallungen, ein Anstieg des prostataspezifischen Antigens und eine gutartige Prostatavergrößerung.
Gelegentlich treten Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Depression, Bluthochdruck und Veränderungen der Libido auf. Auch Brustschmerz, Verhärtung der Brust und Gynäkomastie sind beschrieben.
Eine Besonderheit ölig gelöster Wirkstoffe ist die pulmonale Mikroembolie. Sie kann in seltenen Fällen Husten, Atemnot, Unwohlsein, Schweißausbruch, Brustschmerz, Schwindel oder Ohnmacht auslösen. Die Reaktionen können während oder direkt nach der Injektion auftreten. Sie sind reversibel und werden meist mit unterstützenden Maßnahmen wie zusätzlichem Sauerstoff behandelt. Deshalb beobachten Fachkräfte die Betroffenen während und unmittelbar nach jeder Injektion. Zusätzlich wurden Verdachtsfälle von anaphylaktischen Reaktionen gemeldet. Wer nach einer Spritze Atemnot oder Schwellungen bemerkt, sollte sofort Hilfe holen.
Gegenanzeigen, Vorsicht und Wechselwirkungen
Nebido darf nicht angewendet werden bei:
- androgenabhängigem Karzinom der Prostata oder der männlichen Brustdrüse.
- früheren oder bestehenden Lebertumoren.
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Hilfsstoff.
- Frauen, auch in Schwangerschaft und Stillzeit.
Mit Vorsicht gilt die Anwendung bei schwerer Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz und bei ischämischer Herzerkrankung. Testosteron kann Wasser und Natrium im Körper binden. Es kann Ödeme verstärken. Bei Thrombophilie oder erhöhtem Thromboserisiko wurden unter Testosteron Venenthrombosen und Lungenembolien berichtet. Auch bei Epilepsie und Migräne ist Vorsicht nötig. Eine vorhandene Schlafapnoe kann sich verstärken.
Wechselwirkungen bestehen mit Cumarin-Gerinnungshemmern, deren Wirkung steigen kann. Androgene können den Bedarf an Insulin und anderen Antidiabetika senken. Zusammen mit SGLT-2-Hemmern wurde ein höheres Risiko für Erythrozytose beschrieben. Nebido kann außerdem die Spermienbildung reversibel unterdrücken und bei Dopingkontrollen positive Ergebnisse liefern.
Kurzantwort: Nebido ist bei androgenabhängigem Prostata- oder Brustkrebs, bei früheren oder bestehenden Lebertumoren und bei Frauen kontraindiziert. Selten kann eine ölige Lungen-Mikroembolie auftreten.
Fazit
Nebido ist ein Depot-Testosteron für Männer mit bestätigtem Hypogonadismus. Die Ampulle mit 1000 mg Testosteronundecanoat wird nach der Einleitung alle 10 bis 14 Wochen in den Muskel gespritzt. Akne, Schmerzen an der Einstichstelle und ein Anstieg des Hämatokrits zählen zu den häufigen Wirkungen. Wichtig bleibt die Überwachung von Hormonspiegel, Blutbild, Blutdruck und Prostata. Wer die Behandlung erwägt, klärt Diagnose und Risiken in einer ärztlichen Praxis.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist Nebido?
Nebido ist eine ölige Injektionslösung mit 1000 mg Testosteronundecanoat je Ampulle. Sie wird zur Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus eingesetzt.
Wie oft wird Nebido gespritzt?
In der Erhaltungstherapie liegen laut Fachinformation 10 bis 14 Wochen zwischen zwei Injektionen. Das erste Intervall kann auf minimal 6 Wochen verkürzt werden.
Wohin wird Nebido gespritzt?
Tief in den Gesäßmuskel, sehr langsam über zwei Minuten. Eine Injektion in ein Blutgefäß muss vermieden werden.
Wann ist Nebido angezeigt?
Bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde. Andere Ursachen der Beschwerden müssen vorher ausgeschlossen sein.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Akne, Schmerzen an der Injektionsstelle, Gewichtszunahme, Hitzewallungen, ein Anstieg des Hämatokrits und des PSA-Werts sowie eine gutartige Prostatavergrößerung.
Was ist eine ölige pulmonale Mikroembolie?
Eine seltene Reaktion auf ölige Lösungen mit Husten, Atemnot, Schwindel oder Brustschmerz. Sie tritt während oder kurz nach der Spritze auf und ist reversibel.
Wer darf Nebido nicht bekommen?
Männer mit androgenabhängigem Prostata- oder Brustkrebs, mit Lebertumoren oder mit Überempfindlichkeit gegen Inhaltsstoffe. Frauen dürfen es nicht anwenden.
Welche Kontrollen sind nötig?
Testosteronspiegel, Hämoglobin, Hämatokrit, Leberwerte und Blutfette sowie eine Prostatauntersuchung mit PSA mindestens einmal im Jahr.
Beeinflusst Nebido die Fruchtbarkeit?
Die Therapie kann die Spermienbildung reversibel unterdrücken. Das steht in der Fachinformation.
Eignet sich Nebido für den Muskelaufbau?
Nein. Androgene fördern bei gesunden Personen laut Fachinformation weder die Muskelentwicklung noch die Leistung. Zudem kann Nebido bei Dopingkontrollen positiv ausfallen.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Über Einnahme und Anwendung entscheiden Ärztin, Arzt oder Apotheke anhand der Packungsbeilage.
Quellen

Paul liest Studien, bevor er schreibt, und übersetzt sie in Sätze für den Küchentisch. Seine Themen: Wirkstoffe, Dosierungen, Wechselwirkungen.
