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Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Pocken sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch das Variola-Virus ausgelöst wird. Die Krankheit verursachte über Jahrhunderte Millionen Todesfälle, bis die Weltgesundheitsorganisation sie am 8. Mai 1980 nach einer weltweiten Impfkampagne offiziell für ausgerottet erklärte.
Das Wichtigste in Kürze
- Erreger: das Variola-Virus aus der Familie der Orthopoxviren
- Letzter natürlicher Fall weltweit 1977 in Somalia
- WHO erklärte die Ausrottung am 8. Mai 1980
- Zwei offizielle Viruslager bestehen noch, in den USA und in Russland
Was sind Pocken und wodurch werden sie ausgelöst?
Pocken werden durch das Variola-Virus verursacht, eines der größten bekannten Viren überhaupt. Es gehört zur Gattung der Orthopoxviren und befällt ausschließlich Menschen, ein tierisches Reservoir existiert nicht. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion beim Husten sowie über Staub, der beim Ausschütteln von Kleidung oder Bettwäsche infizierter Personen entsteht. Die Inkubationszeit liegt bei 12 bis 14 Tagen, bevor die ersten Beschwerden auftreten.
Symptome und Verlauf einer Pockeninfektion
Die Krankheit verläuft in mehreren klar abgrenzbaren Phasen, die sich über mehrere Wochen erstrecken.
| Phase | Zeitraum | Beschwerden |
|---|---|---|
| Inkubation | Tag 1 bis 14 | Keine sichtbaren Symptome |
| Vorstadium | Tag 12 bis 15 | Plötzliches Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen |
| Ausschlag | Tag 15 bis 20 | Bläschen im Gesicht, dann an Armen und Beinen |
| Verkrustung | ab Tag 20 | Pusteln verkrusten und heilen langsam ab |
Kurzantwort: Pocken beginnen mit hohem Fieber, danach folgt ein Hautausschlag mit Bläschen, der im Gesicht startet und sich über den ganzen Körper ausbreitet.
Wie gefährlich waren Pocken?
Die Sterblichkeit bei unbehandelten Pocken lag im Schnitt bei rund 30 Prozent, je nach Virusstamm schwankte sie zwischen 10 und 90 Prozent. Überlebende trugen häufig lebenslange Narben im Gesicht, manche erblindeten durch Hornhautschäden. Vor Einführung der Impfung starben allein im 18. Jahrhundert schätzungsweise Millionen Menschen in Europa an der Krankheit, weltweit dürfte die Zahl der Todesopfer über Jahrhunderte im dreistelligen Millionenbereich gelegen haben. Besonders gefährdet waren Kinder, weil das Immunsystem im jungen Alter der Infektion oft wenig entgegenzusetzen hatte. In manchen Regionen galten Pocken deshalb über Jahrhunderte als eine der häufigsten Todesursachen im Kindesalter, noch vor vielen anderen Infektionskrankheiten dieser Zeit.
Die Ausrottung der Pocken: Wie die WHO das schaffte
Den Grundstein legte der englische Arzt Edward Jenner bereits 1796, als er entdeckte, dass eine Infektion mit dem harmloseren Kuhpockenvirus vor echten Pocken schützt. Diese Methode der Vakzination setzte sich in den folgenden Jahrzehnten weltweit durch. Den entscheidenden Durchbruch brachte ab den 1960er-Jahren eine von der WHO koordinierte globale Impfkampagne unter Leitung von Donald Henderson. Statt die gesamte Bevölkerung zu impfen, setzte das Team auf die sogenannte Riegelimpfung: Ausbrüche wurden gezielt eingekreist, Erkrankte isoliert und alle Kontaktpersonen sofort geimpft. Diese Strategie erwies sich als effizienter als Massenimpfungen und führte zum letzten natürlichen Fall 1977 in Somalia. Insgesamt verteilte das WHO-Programm rund 2,4 Milliarden Impfdosen und beschäftigte über 200.000 Helferinnen und Helfer weltweit, eine der größten koordinierten Gesundheitsaktionen der Geschichte.
Gibt es Pocken heute noch?
Als eigenständige Krankheit gelten Pocken seit 1980 als ausgerottet, offiziell existieren nur noch zwei Viruslager, eines beim CDC in Atlanta und eines beim russischen Vector-Institut. Eine Vernichtung dieser Bestände wurde bislang nicht durchgeführt, weil sie für die Erforschung von Impfstoffen und Medikamenten als relevant gelten. Zu verwechseln sind Pocken nicht mit Mpox, früher Affenpocken genannt, einer verwandten, aber deutlich milder verlaufenden Viruserkrankung, die seit 2022 in mehreren Ländern für Aufsehen sorgte. Beide Erreger gehören zwar zur selben Virusfamilie, unterscheiden sich aber deutlich in Ansteckungsgefahr, Verlauf und Sterblichkeit, weshalb Fachleute klar zwischen den beiden Krankheiten trennen.
Kurzantwort: Pocken selbst gelten seit 1980 als ausgerottet, Restbestände des Virus lagern nur noch in zwei gesicherten Laboren in den USA und Russland.
Pockenimpfung heute: Wer sie noch braucht
In Deutschland gehört die Pockenimpfung seit den 1970er-Jahren nicht mehr zu den Regelimpfungen, weil die Krankheit als ausgerottet gilt. Geimpft wird heute nur noch in Ausnahmefällen, etwa bestimmtes Laborpersonal, das mit Orthopoxviren arbeitet, oder Angehörige militärischer Einheiten im Rahmen der Bioterrorismus-Vorsorge. Die meisten heute lebenden Menschen sind daher nicht gegen Pocken geimpft, was theoretisch ein Risiko darstellen würde, sollte das Virus jemals wieder freigesetzt werden. Gesundheitsbehörden weltweit beobachten dieses Restrisiko deshalb weiterhin und halten Notfallpläne sowie begrenzte Impfstoffreserven für den Ernstfall bereit, auch wenn ein solches Szenario aktuell als sehr unwahrscheinlich gilt.
Fazit
Pocken zählen zu den wenigen Infektionskrankheiten, die die Menschheit vollständig besiegt hat. Das Variola-Virus verursachte über Jahrhunderte schwere Epidemien mit hoher Sterblichkeit, bis eine konsequente weltweite Impfkampagne die Krankheit 1980 für ausgerottet erklären ließ. Bis heute lagern nur noch zwei kontrollierte Virusbestände, eine natürliche Infektion ist praktisch ausgeschlossen.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist der Erreger der Pocken?
Pocken werden durch das Variola-Virus aus der Familie der Orthopoxviren ausgelöst.
Wann wurden Pocken ausgerottet?
Die WHO erklärte Pocken am 8. Mai 1980 offiziell für ausgerottet.
Wann trat der letzte natürliche Pockenfall auf?
Der letzte bekannte natürliche Fall wurde 1977 in Somalia registriert.
Wie hoch war die Sterblichkeit bei Pocken?
Unbehandelt lag die Sterblichkeit im Schnitt bei rund 30 Prozent.
Wer entdeckte die Pockenimpfung?
Edward Jenner entwickelte 1796 die erste Impfung auf Basis des Kuhpockenvirus.
Gibt es das Pockenvirus heute noch irgendwo?
Ja, offizielle Bestände lagern beim CDC in Atlanta und beim Vector-Institut in Russland.
Sind Pocken und Mpox dasselbe?
Nein, Mpox ist eine verwandte, aber deutlich milder verlaufende Viruserkrankung.
Wird in Deutschland noch gegen Pocken geimpft?
Nur in Ausnahmefällen, etwa bei bestimmtem Laborpersonal oder im militärischen Bereich.
Was war die Riegelimpfung?
Eine gezielte Strategie, bei der Ausbrüche eingekreist und Kontaktpersonen sofort geimpft wurden.
Welche Folgen hatten überstandene Pocken?
Häufig blieben Narben im Gesicht zurück, manche Betroffene erblindeten durch Hornhautschäden.
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Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Sorgen hilft eine Ärztin oder ein Arzt weiter.
Quellen

Johanna interessiert sich für das, was der Körper einem sagen will. Sie schreibt über Symptome, Ursachen und wann man handeln sollte.
