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Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Progestan ist ein verschreibungspflichtiges Gelbkörperhormon mit 100 mg Progesteron je Weichkapsel. Laut Fachinformation dient es dem Schutz der Gebärmutterschleimhaut bei Frauen, die in den Wechseljahren Östrogene einnehmen. Als Mittel gegen Zyklusstörungen oder bei Kinderwunsch ist es nicht zugelassen.
Kurzantwort: Progestan ist für die Endometriumprotektion unter Östrogentherapie in der Peri- und Postmenopause zugelassen. Zyklusstörungen und Kinderwunsch nennt die Fachinformation nicht als Anwendungsgebiet. Die Kapseln sind kein Verhütungsmittel.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Weichkapsel enthält 100 mg Progesteron, das körpereigene Gelbkörperhormon.
- Zugelassen ist Progestan zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut unter Östrogentherapie.
- Es ist kein Verhütungsmittel.
- Häufig sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Spannungsgefühl in den Brüsten.
Wirkstoff und Wirkung
Eine Progestan-Weichkapsel enthält 100 mg Progesteron. Das ist die körpereigene Form des Gelbkörperhormons, das im Verlauf des Zyklus nach dem Eisprung entsteht. Die Fachinformation ordnet es den Gestagenen zu (ATC-Code G03DA04). Als Hilfsstoffe dienen unter anderem raffiniertes Sonnenblumenöl, Gelatine, Glycerol und Phosphatidylcholin aus Sojabohnen. Die Zulassung wurde am 1. April 1998 erteilt. Zulassungsinhaberin ist die Besins Healthcare Germany GmbH, die Kapseln sind verschreibungspflichtig.
Östrogene fördern das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Bei alleiniger Gabe steigt das Risiko für eine Endometriumhyperplasie und ein Endometriumkarzinom. Ein zusätzliches Gestagen senkt dieses Risiko bei Frauen mit Gebärmutter. Darauf beruht die Anwendung von Progestan.
Wofür Progestan zugelassen ist
Laut Fachinformation dient Progestan zur Endometriumprotektion. Es schützt die Gebärmutterschleimhaut bei Frauen, die wegen Östrogenmangelbeschwerden in der Peri- und Postmenopause oder nach einer chirurgisch herbeigeführten Menopause eine Östrogenbehandlung durchführen. Als Verhütungsmittel ist Progestan nicht geeignet. Für Kinder und Jugendliche gibt es keinen relevanten Nutzen. Dazu passt die Aussage von Gesundheitsinformation.de. Eine Behandlung nur mit Östrogen führt sehr oft zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, bei einigen Frauen entsteht daraus Gebärmutterkörperkrebs. Gestagene können davor schützen.
Auf der Östrogen-Seite stehen zum Beispiel Präparate wie in den Beiträgen zu Estradiol-Gel, Östrogen-Gel und Gynokadin Dosiergel. Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, nehmen gewöhnlich ein Präparat nur mit Östrogenen. Die Fachinformation empfiehlt bei ihnen keinen Gestagenzusatz, außer es wurde früher eine Endometriose festgestellt.
Kurzantwort: Progestan schützt die Gebärmutterschleimhaut, wenn Frauen in den Wechseljahren Östrogen einnehmen. Als Verhütungsmittel ist es nicht geeignet.
Zyklusstörungen und Kinderwunsch
Viele Leserinnen suchen Progestan wegen unregelmäßiger Zyklen oder eines unerfüllten Kinderwunsches. Als Anwendungsgebiet nennt die Fachinformation nur den Schutz der Gebärmutterschleimhaut unter Östrogentherapie. Im Abschnitt Fertilität erwähnt sie, dass Progesteron auch zur Unterstützung der Lutealphase bei vermindert fruchtbaren oder unfruchtbaren Frauen angewendet wird. Schädliche Wirkungen auf die Fruchtbarkeit sind nicht zu erwarten.
Wikipedia nennt bei Zyklusstörungen eine verminderte Progesteronkonzentration. Die Ursache einer Störung klärt aber die Frauenärztin. Wer sich zu Zyklusveränderungen informieren möchte, findet Hinweise im Beitrag zur verspäteten Periode. Die Behandlung bei Kinderwunsch plant die Ärztin oder eine Kinderwunschpraxis. Nach der Fachinformation gibt es für die Stillzeit keine Indikation.
In der Schwangerschaft zeigen umfangreiche Daten laut Fachinformation keine zu Missbildungen führende oder den Fetus schädigende Toxizität von Progesteron.
Aufnahme im Körper
Progesteron wird nach dem Schlucken rasch aufgenommen. Im Darm und in der Leber wird es großenteils abgebaut. Dieser First-Pass-Effekt begrenzt die messbare Bioverfügbarkeit nüchtern auf etwa 10 %. Mit einer Mahlzeit ist sie höher. Die höchste Konzentration im Blut zeigt sich nach etwa 3 bis 4 Stunden. Danach fällt der Spiegel relativ rasch ab, nach 8 Stunden liegt er bei 1 bis 5 ng/ml. Die Streuung zwischen einzelnen Frauen ist hoch. Das Hormon wird in der Gebärmutterschleimhaut gespeichert, sodass dort noch nach 12 Stunden Gewebespiegel wie in der Lutealphase vorliegen.
Die Weichkapseln werden unzerkaut mit Flüssigkeit eingenommen. Die Fachinformation empfiehlt, reichlich nachzutrinken. Die Menge der Kapseln und die Tage im Zyklus legt die Frauenärztin fest. Die Dauer richtet sich nach der Dauer der Östrogenbehandlung. Eine Hormonersatztherapie soll über den kürzestmöglichen Zeitraum erfolgen. Bei Frauen mit Gebärmutter treten zunächst oft periodenähnliche Abbruchblutungen auf, die mit der Zeit nachlassen. Bleiben sie aus, muss eine Endometriumhyperplasie ausgeschlossen werden.
Nebenwirkungen
Als häufig nennt die Fachinformation depressive Verstimmungen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindelgefühl, migräneartige Kopfschmerzen und leichten Blutdruckabfall. Dazu kommen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit sowie Schmerzen und Spannungsgefühl in den Brüsten. Allergische Hautreaktionen treten selten auf. Phosphatidylcholin aus Sojabohnen kann allergische Reaktionen hervorrufen. In Einzelfällen wurden nach der Einnahme anaphylaktische Reaktionen mit Blutdruckabfall bis zur Synkope berichtet.
Progestan kann Schläfrigkeit und Schwindel auslösen. Dadurch ist das Reaktionsvermögen eingeschränkt. Im Straßenverkehr und beim Bedienen von Maschinen ist Vorsicht nötig, vor allem zusammen mit Alkohol. Die Behandlung wird abgebrochen bei erstmaligen migräneartigen oder ungewohnt starken Kopfschmerzen, akuten Sehstörungen, krankhaften Leberveränderungen und Depressionen.
Wer Östrogene und Gestagene zur Hormontherapie kombiniert, hat laut Gesundheitsinformation.de nach acht Jahren ein anderes Risiko als ohne Behandlung. Bei der Thromboembolie stehen 25 von 1000 Frauen gegen 15 von 1000 Frauen ohne Hormonbehandlung. Beim Schlaganfall sind es 19 gegen 14 von 1000 Frauen, beim Brustkrebs 33 gegen 26 von 1000 Frauen. Die Zahlen gehören in das Gespräch über Nutzen und Risiken. Eine Langzeitbehandlung empfiehlt der Ratgeber heute nicht mehr.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Nicht eingenommen werden darf Progestan bei schweren Leberfunktionsstörungen, Lebertumoren, vermuteten oder bekannten bösartigen Tumoren der Brust oder der Genitalorgane und nicht abgeklärten Vaginalblutungen. Weitere Gegenanzeigen sind frühere oder bestehende thromboembolische Erkrankungen, Hirnblutungen, Porphyrie und ein Zustand nach Herpes gestationis. Bei Überempfindlichkeit gegen Progesteron, Erdnuss, Soja oder einen Hilfsstoff ist die Einnahme ebenfalls ausgeschlossen.
Enzyminduktoren können die Wirkung von Gestagenen und Östrogenen mindern. Genannt sind Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, Rifampicin, Rifabutin, Nevirapin, Efavirenz, Ritonavir, Nelfinavir und Johanniskraut. Ketoconazol und andere Hemmer der Cytochrom-P450-Enzyme können die Bioverfügbarkeit von Progesteron erhöhen. Gestagene können die Glukosetoleranz verringern. Bei Diabetes ist das zu beachten. Progesteron kann zudem Ergebnisse von Leberwerten und Hormontests verfälschen. Vor Beginn einer Hormontherapie erhebt die Ärztin eine vollständige Eigen- und Familienanamnese. Kontrolluntersuchungen werden regelmäßig empfohlen.
Fazit
Progestan ergänzt in den Wechseljahren die Östrogentherapie bei Frauen mit Gebärmutter. Das Gestagen verhindert Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Schläfrigkeit, Schwindel und Brustspannen kommen vor. Gegenanzeigen wie Lebererkrankungen, Thrombosen oder unklare Blutungen schließen die Einnahme aus. Die Behandlung bleibt in ärztlicher Hand.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist Progestan?
Ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit 100 mg Progesteron je Weichkapsel. Progesteron entspricht dem körpereigenen Gelbkörperhormon.
Wofür ist Progestan zugelassen?
Zur Endometriumprotektion bei Frauen, die wegen Östrogenmangelbeschwerden in der Peri- oder Postmenopause oder nach chirurgisch induzierter Menopause Östrogen anwenden.
Ist Progestan bei Kinderwunsch zugelassen?
Als Anwendungsgebiet ist es nicht genannt. Die Fachinformation erwähnt aber, dass Progesteron zur Unterstützung der Lutealphase angewendet wird. Die Entscheidung trifft die Frauenärztin.
Hilft Progestan bei Zyklusstörungen?
Auch dies zählt nicht zu den Anwendungsgebieten. Zunächst klärt die Frauenärztin die Ursache der Zyklusstörung.
Ist Progestan ein Verhütungsmittel?
Nein. Die Fachinformation sagt ausdrücklich, dass Progestan nicht als Kontrazeptivum angewendet werden kann.
Wie wird Progestan eingenommen?
Die Weichkapseln werden unzerkaut mit Flüssigkeit geschluckt, mit reichlich Nachtrinken. Menge und Zeitraum legt die Ärztin fest.
Wie lange dauert die Behandlung?
Sie richtet sich nach der Dauer der Östrogenbehandlung. Eine Hormonsubstitution soll über den kürzestmöglichen Zeitraum erfolgen.
Wann darf Progestan nicht eingenommen werden?
Bei schweren Leberfunktionsstörungen, Lebertumoren, bösartigen Tumoren der Brust oder Genitalorgane, unklaren Vaginalblutungen, früheren Thromboembolien, Hirnblutungen, Porphyrie und bei Überempfindlichkeit gegen Erdnuss oder Soja.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Depressive Verstimmungen, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, migräneartige Kopfschmerzen, leichter Blutdruckabfall, Übelkeit und Brustspannen.
Darf man nach der Einnahme Auto fahren?
Progestan kann Schläfrigkeit, Blutdrucksenkung und Schwindel verursachen. Das Reaktionsvermögen kann eingeschränkt sein, besonders mit Alkohol.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Medikamenten klären Ärztin, Arzt oder Apotheke die Ursache und das weitere Vorgehen.
Quellen
- Fachinformation Progestan 100 mg Weichkapseln (Stand Mai 2022)
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden
- Wikipedia: Progesteron

Paul liest Studien, bevor er schreibt, und übersetzt sie in Sätze für den Küchentisch. Seine Themen: Wirkstoffe, Dosierungen, Wechselwirkungen.
