Sehnerv entzündet: Symptome, Ursachen und Behandlung

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Ein entzündeter Sehnerv führt meist zu einem plötzlichen Sehverlust auf einem Auge, oft mit Schmerz bei Augenbewegungen. Die häufigste Ursache ist Multiple Sklerose. Die Behandlung übernimmt die Augenärztin oder der Augenarzt.

Kurzantwort: Sehnerv entzündet heißt meist: Sehkraft sinkt auf einem Auge, Farben verblassen, Augenbewegungen schmerzen. Rasche ärztliche Abklärung ist nötig. Die Sehkraft kehrt oft innerhalb von Monaten zurück.

Das Wichtigste in Kürze

  • Typisch sind Sehverlust, blasse Farben und Augenschmerz bei Bewegung.
  • Multiple Sklerose ist die häufigste Ursache.
  • Kortikosteroide vom Arzt dämpfen die Entzündung.
  • Die Sehkraft erholt sich meist in 2 bis 3 Monaten.

Sehnerv entzündet: Was dahintersteckt

Der Sehnerv ist der zweite Hirnnerv. Er leitet Bilder vom Auge ins Gehirn. Bei einer Entzündung, der Neuritis nervi optici, ist diese Leitung gestört. Fachleute sprechen auch von Optikusneuritis oder Retrobulbärneuritis. Meist betrifft sie zunächst nur ein Auge. Die Ursache ist oft eine Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem die Schutzschicht der Nervenfasern angreift.

Symptome einer Sehnerventzündung

Typisch ist ein Verlust der Sehschärfe innerhalb von Stunden bis Tagen. Die Betroffenen sehen wie durch einen Nebel oder einen Grauschleier. Weitere Zeichen sind:

  • verminderte Farbwahrnehmung, Farben wirken blass
  • Ausfälle in der Mitte des Gesichtsfelds
  • Schmerz hinter dem Auge, der bei Blickbewegungen zunimmt
  • leichte Kopfschmerzen im Bereich der Augenhöhle

Viele bemerken den Unterschied, wenn sie abwechselnd ein Auge zuhalten. Das betroffene Auge liefert dann ein blasseres, unschärferes Bild. Im schlimmsten Fall kommt es zur Erblindung. Das ist selten. Mehr über Schmerzen rund ums Auge erklärt der Beitrag zu Schmerzen in der Augenhöhle.

Kurzantwort: Ein Sehverlust mit Schmerz bei Augenbewegungen ist ein Warnzeichen für eine Sehnerventzündung. Wer das bemerkt, geht zeitnah zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Ursachen: Warum sich der Sehnerv entzündet

Ursache Hinweis
Multiple Sklerose Häufigste Ursache, in Deutschland rund zwei Drittel der Fälle
Neuromyelitis optica Autoimmunerkrankung von Sehnerv und Rückenmark
MOG-Antikörper-Erkrankung Eigene Autoimmunform, oft mit wiederkehrenden Schüben
Infektionen Zum Beispiel Borreliose, Herpes, Grippe, Syphilis oder Tuberkulose
Andere Erkrankungen Etwa Sarkoidose oder bestimmte Medikamente

Bei manchen Menschen ist die Multiple Sklerose schon bekannt. Bei anderen ist die Sehnerventzündung das erste Zeichen. Die Diagnose folgt dann später.

Diagnose: Welche Untersuchungen sind üblich?

  1. Augenärztliche Untersuchung mit Sehtest, Pupillentest und Blick auf den Augenhintergrund.
  2. Kernspintomografie des Gehirns und der Augenhöhlen. Sie zeigt Auffälligkeiten am Sehnerv.
  3. Blutuntersuchung auf bestimmte Antikörper.
  4. Optische Kohärenztomografie (OCT), die die Nervenfaserschicht misst.
  5. Visuell evozierte Potenziale, die die Leitgeschwindigkeit des Nervs prüfen.

Nicht jede Untersuchung ist bei jedem Menschen nötig. Die Ärztin oder der Arzt wählt sie nach dem Verlauf aus. Weitere Hintergründe zu Sehproblemen liefert der Artikel über Sehstörungen.

Behandlung der Sehnerventzündung

Die Behandlung entscheidet ärztliches Fachpersonal. Üblich sind Kortikosteroide, die zunächst über die Vene und später als Tabletten gegeben werden. Sie dämpfen die Entzündung. Menge und Dauer legt die behandelnde Klinik je nach Schwere und Ursache fest. Bei schwerem Sehverlust kann ein Plasmaaustausch infrage kommen. Liegt eine Grunderkrankung vor, wird sie zusätzlich behandelt. Zu den Nebenwirkungen beim Absetzen von Kortison finden sich Hinweise unter Kortison-Entzug.

Verlauf und Prognose

Oft bessert sich das Sehen innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst. Nach zwei bis drei Monaten kehrt die Sehkraft normalerweise zurück. Wer in dieser Zeit plötzlich wieder schlechter sieht, meldet sich umgehend erneut in der Praxis. Manchmal bleibt sie nicht ganz vollständig. Der Verlauf unterscheidet sich bei einmaligen und wiederkehrenden Formen.

Kurzantwort: Das Sehvermögen kehrt nach einer Sehnerventzündung meist innerhalb von 2 bis 3 Monaten zurück. Manchmal bleibt eine leichte Einschränkung.

Alltag in der Erholungsphase

Bis sich das Sehen bessert, fällt Lesen oft schwer. Gute Beleuchtung und größere Schrift erleichtern den Alltag. Autofahren ist erst nach augenärztlicher Freigabe ratsam. Regelmäßige Kontrolltermine zeigen, wie sich die Sehschärfe entwickelt. Ein plötzlicher Sehverlust hat auch andere Ursachen, etwa eine Netzhautablösung oder eine Durchblutungsstörung. Nur eine Untersuchung klärt, was vorliegt.

Wann sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt?

  • Die Sehschärfe sinkt plötzlich auf einem Auge.
  • Farben wirken blass.
  • Augenbewegungen schmerzen.
  • Ein dunkler Fleck in der Bildmitte tritt auf.
  • Zusätzlich treten Kribbeln, Lähmungen oder Gleichgewichtsstörungen auf.

Eine Übersicht über weitere Erkrankungen steht im Beitrag Augenkrankheiten im Überblick.

Fazit

Eine Sehnerventzündung gehört rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Die meisten Betroffenen erholen sich gut. Wichtig ist die Abklärung der Ursache, weil sie über den weiteren Weg entscheidet.

FAQ – Häufige Fragen

Was ist eine Sehnerventzündung?

Bei einer Sehnerventzündung ist der Sehnerv gereizt. Sie stört die Weiterleitung von Bildern ins Gehirn. Fachleute nennen sie Optikusneuritis oder Neuritis nervi optici.

Welche Symptome treten bei einer Sehnerventzündung auf?

Die Sehschärfe sinkt. Farben wirken blass. In der Bildmitte kann ein Ausfall auftreten. Dazu kommt ein Schmerz hinter dem Auge bei Blickbewegungen.

Was löst eine Sehnerventzündung aus?

Häufigster Auslöser ist Multiple Sklerose. Weitere Ursachen sind Neuromyelitis optica, eine MOG-Antikörper-Erkrankung und Infektionen.

Ist eine Sehnerventzündung immer Multiple Sklerose?

Nein. In Deutschland steckt bei etwa zwei Drittel der Fälle Multiple Sklerose dahinter. Der Rest hat andere Ursachen.

Wie wird eine Sehnerventzündung festgestellt?

Die Augenärztin oder der Augenarzt untersucht Sehschärfe, Pupillen und Augenhintergrund. Eine Kernspintomografie und Blutuntersuchung ergänzen das Bild.

Wie wird sie behandelt?

Üblich sind Kortikosteroide, zuerst über die Vene und später als Tabletten. Bei schwerem Verlauf kann ein Plasmaaustausch infrage kommen.

Wie lange dauert die Erholung?

Das Sehvermögen kehrt normalerweise innerhalb von 2 bis 3 Monaten zurück. Manchmal bleibt es nicht ganz vollständig.

Kann man bei einer Sehnerventzündung erblinden?

Im Extremfall ja. Das ist selten. Rasche ärztliche Hilfe senkt das Risiko für bleibende Schäden.

Sind beide Augen betroffen?

Meist beginnt die Entzündung an einem Auge. Bei manchen Formen können beide Augen betroffen sein.

Kann ein Infekt den Sehnerv entzünden?

Ja. Borreliose, Herpes, Grippe oder auch Syphilis und Tuberkulose kommen als Auslöser infrage.

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Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden klärt eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache.

Quellen

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