Fundoplicatio: Wann die Anti-Reflux-Operation sinnvoll ist

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Die Fundoplicatio ist eine Anti-Reflux-Operation. Dabei legt die Chirurgin den oberen Teil des Magens wie eine Manschette um das untere Ende der Speiseröhre und näht ihn fest. Das stärkt den Verschluss am Mageneingang und soll Sodbrennen und Rückfluss von Magensäure verhindern. In Frage kommt der Eingriff vor allem, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen.

Kurzantwort: Eine Fundoplicatio stärkt den Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen. Sie wird meist per Bauchspiegelung durchgeführt und kommt bei schwerer Refluxkrankheit, großen Zwerchfellbrüchen oder unzureichender Wirkung von Medikamenten in Betracht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Magenfundus wird als Manschette um die untere Speiseröhre gelegt.
  • Üblich ist die Bauchspiegelung (Laparoskopie).
  • Bei Nissen umschließt der Magen die Speiseröhre ganz, bei Toupet nur teilweise.
  • Schluckbeschwerden, Blähungen und Aufstoßen sind die häufigsten Folgen.

Fundoplicatio: Was bei der Operation passiert

Bei der Refluxkrankheit fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, weil sich der Mageneingang nicht richtig schließt. Die Fundoplicatio (auch Fundoplikatio oder Fundoplikation) setzt genau dort an. Der obere Magenteil wird um das untere Ende der Speiseröhre gelegt und an Zwerchfell, Magen oder Speiseröhre festgenäht. Füllt sich der Magen nach dem Essen, drückt die Manschette auf den Schließmuskel und unterstützt ihn.

Heute wird meist laparoskopisch operiert. Die Operateurin führt die Instrumente durch kleine Hautschnitte in die Bauchhöhle ein. Möglich ist auch ein offener Bauchschnitt (Laparotomie). Entwickelt hat die Technik der deutsche Chirurg Rudolf Nissen. Er veröffentlichte sie 1956.

Nissen, Toupet und Dor: Die Techniken im Vergleich

Technik Manschette Besonderheit
Nissen (auch Nissen-Rosetti) ganz um die Speiseröhre (360 Grad) Standardverfahren mit vollständiger Manschette
Toupet teilweise (270 Grad) wird bevorzugt, wenn die Bewegung der Speiseröhre gestört ist
Dor vorne, 150 bis 200 Grad Teilmanschette
Thal vorne, 90 Grad Teilmanschette

Die Wahl hängt vom Befund ab. Die Operateurin berücksichtigt die Beweglichkeit der Speiseröhre und die Größe eines eventuellen Zwerchfellbruchs. Ein solcher Bruch ist Thema im Beitrag zur axialen Hiatushernie.

Wann ist eine Fundoplicatio sinnvoll?

Die Operation ist bei Hiatushernien angezeigt. Dasselbe gilt für eine Refluxösophagitis, die auf Protonenpumpenhemmer nicht ausreichend anspricht. Das MSD Manual nennt weitere Gründe: eine Speiseröhrenentzündung der Grade C und D, große Hiatushernien, Blutungen, Engstellen (Strikturen), Geschwüre, viel nicht-sauren Reflux oder eine Unverträglichkeit der Medikamente.

Bei unkomplizierter Refluxkrankheit steht zuerst die konservative Behandlung an. Dazu zählen laut MSD Manual Gewichtsabnahme, Rauchstopp, ein erhöhtes Kopfende des Bettes und keine Mahlzeiten in den letzten vier Stunden vor dem Schlafen. Hinzu kommen Medikamente. Mit dem Wirkstoff Esomeprazol gehört ein häufig verordneter Protonenpumpenhemmer dazu. Zu einem weiteren Ansatz informiert der Artikel zu Alginaten bei Reflux.

Kurzantwort: Eine Operation kommt in Frage, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, schwere Folgen wie Engstellen oder Blutungen vorliegen oder die Dauertherapie nicht vertragen wird. Die Entscheidung trifft die Patientin gemeinsam mit Gastroenterologie und Chirurgie.

Untersuchungen vor der Fundoplicatio

Vor dem Eingriff klärt eine Magenspiegelung (Endoskopie), ob die Speiseröhre entzündet ist und ob ein Zwerchfellbruch vorliegt. Zur Magenspiegelung informiert der Beitrag Magenspiegelung Kosten. Bei typischen Beschwerden und unauffälliger Endoskopie kommt laut MSD Manual eine erweiterte pH-Messung in Frage. Sie zeigt, wie oft und wie lange Säure in die Speiseröhre gelangt. Die Operateurin bespricht außerdem Vorerkrankungen, Allergien und Medikamente.

Was bringt die Operation?

Rund 90 Prozent der behandelten Fälle zeigen laut Wikipedia eine Ausheilung der Speiseröhrenentzündung. Gesundheitsinformation.de ordnet die Studienlage vorsichtiger ein. Es gibt Hinweise, dass sich operierte Personen im ersten Jahr weniger durch Sodbrennen und Reflux eingeschränkt fühlen als Personen mit Medikamenten. Ob die Operation langfristig besser abschneidet, ist nicht gut untersucht. Mehr Studien wären nötig.

Risiken und Nebenwirkungen

Jede Operation birgt ein Risiko. Laut gesundheitsinformation.de kommt es bei bis zu 2 von 100 Personen zu Blutungen. Der Verdauungstrakt wird bei etwa 1 von 100 Personen verletzt. Infektionen sind ebenfalls möglich.

Relativ viele Operierte leiden danach unter Blähungen und Aufstoßen. Einige Beschwerden kommen von der Krankheit selbst. Schluckbeschwerden treten in Studien bei bis zu 23 von 100 Operierten auf. Zu den möglichen Komplikationen zählen laut Wikipedia außerdem Passageprobleme, ein Dumping-Syndrom, eine Lockerung der Manschette mit erneutem Rückfluss und ein Völlegefühl im linken Oberbauch. Der Grund für Letzteres: Die Manschette erschwert das Aufstoßen. Seltener kommt es zu einer Magendrehung (Magenvolvulus). Mehr zu Luft im Bauch beschreibt der Beitrag Luft im Magen.

Nach der Operation: Nachsorge und Ernährung

Wie lange der Klinikaufenthalt dauert und welche Kost in den ersten Wochen empfohlen wird, legt das behandelnde Team fest. Das hängt vom Verlauf ab. Zu den Kontrollterminen gehört die Frage, ob erneut Sodbrennen auftritt oder das Schlucken schwerfällt. Wer nach dem Eingriff Beschwerden bemerkt, meldet sie früh in der Klinik oder bei der Hausärztin. Anhaltende Schluckbeschwerden, Erbrechen oder starke Schmerzen im Oberbauch gehören ärztlich abgeklärt.

Fazit

Die Fundoplicatio ist ein etabliertes Verfahren, das den Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen stärkt. Sie eignet sich für Menschen mit schwerer Refluxkrankheit, großen Zwerchfellbrüchen oder Problemen mit der Dauermedikation. Die Daten zeigen eine gute Heilungsrate der Speiseröhrenentzündung, aber auch häufige Nebenwirkungen wie Blähungen und Schluckbeschwerden. Die Entscheidung gehört in ein Gespräch mit der Fachärztin. Einen allgemeinen Überblick zur Säure im Magen liefert der Beitrag zu Magensäure.

FAQ – Häufige Fragen

Was ist eine Fundoplicatio?

Eine Operation, bei der der obere Magenteil als Manschette um die untere Speiseröhre gelegt und festgenäht wird. Sie stärkt den Verschluss und soll Reflux verhindern.

Wann wird eine Fundoplicatio empfohlen?

Bei Hiatushernien und bei Refluxösophagitis, die auf Protonenpumpenhemmer nicht ausreichend anspricht. Auch schwere Entzündungen, Engstellen oder eine Unverträglichkeit der Medikamente sind Gründe.

Wie läuft die Operation ab?

Meist per Bauchspiegelung. Die Instrumente werden durch kleine Hautschnitte eingeführt. Der Magenfundus wird um die Speiseröhre gelegt und vernäht.

Was ist der Unterschied zwischen Nissen und Toupet?

Bei Nissen umschließt der Magen die Speiseröhre ganz, bei Toupet nur teilweise. Toupet wird bevorzugt, wenn die Speiseröhre in ihrer Bewegung gestört ist.

Wie hoch ist die Erfolgsrate?

Laut Wikipedia heilt die Speiseröhrenentzündung bei rund 90 Prozent der Behandelten aus. Zur Langzeitwirkung gegenüber Medikamenten fehlen belastbare Studien.

Welche Risiken hat die Fundoplicatio?

Blutungen bei bis zu 2 von 100 Personen, Verletzungen des Verdauungstrakts bei etwa 1 von 100. Dazu kommen Infektionen, Blähungen, Aufstoßen und Schluckbeschwerden.

Kann man nach der Operation noch aufstoßen?

Die Manschette erschwert das Aufstoßen. Das führt bei manchen Menschen zu Blähungen und einem Völlegefühl im linken Oberbauch.

Kann der Reflux nach der Operation zurückkehren?

Ja. Die Manschette kann sich lockern. Dann tritt der Rückfluss erneut auf. Das gehört zu den möglichen Komplikationen.

Müssen nach der Fundoplicatio weiter Medikamente genommen werden?

Das hängt vom Verlauf ab. Ob Säurehemmer weiter nötig sind, entscheidet die behandelnde Ärztin nach der Kontrolle.

Was kann vor einer Operation gegen Reflux helfen?

Gewichtsabnahme, Rauchstopp, ein erhöhtes Kopfende des Bettes und späte Mahlzeiten vermeiden. Dazu kommen Medikamente nach ärztlicher Verordnung.

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Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden klärt eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache.

Quellen

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