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Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 7 Minuten
Bei einer axialen Hiatushernie rutscht der Übergang von Speiseröhre und Magen durch die Zwerchfelllücke nach oben in den Brustraum. Sie wird auch Gleithernie oder Gleitbruch genannt. Der Befund steht oft im Bericht nach einer Magenspiegelung und klingt beunruhigender, als er meistens ist. Viele Betroffene haben keine Beschwerden.
Kurzantwort: Die axiale Hiatushernie ist die häufigste Form des Zwerchfellbruchs am Speiseröhrendurchtritt. Beschwerden entstehen meist über den Rückfluss von Magensaft. Ohne Refluxkrankheit ist in der Regel keine Behandlung nötig.
Die Angaben stammen aus der S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (AWMF-Registernummer 021-013), von der Radiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, aus einer Studie zu Cameron-Läsionen und aus Wikipedia.
Das Wichtigste in Kürze
- Die axiale Form heißt auch Gleithernie und ist die mit Abstand häufigste.
- Die Häufigkeit steigt mit dem Alter.
- Ohne Refluxkrankheit ist keine Operation nötig.
- Cameron-Läsionen können eine stille Blutungsanämie verursachen.
Was eine axiale Hiatushernie ist
Die Speiseröhre tritt durch eine Lücke im Zwerchfell in den Bauchraum. Sie heißt Hiatus oesophageus. Bei einer Hiatushernie verlagert sich Gewebe durch diese Lücke nach oben. Die Charité beschreibt die häufigste Form so: In den meisten Fällen liegt ein sogenannter Gleitbruch vor, die axiale Hiatushernie. Dieser Gleitbruch verstärkt den Reflux.
Axial heißt, dass der Übergang von Speiseröhre und Magen entlang der Längsachse nach oben wandert. Der Magen behält seine übliche Ausrichtung. In der Chirurgie unterscheidet man vier Typen.
| Typ | Bezeichnung | Was verlagert ist |
|---|---|---|
| I | Gleithernie, axial | Der Übergang von Speiseröhre und Magen wandert über das Zwerchfell. |
| II | paraösophageal | Der Übergang bleibt an seinem Platz. Ein Teil des Magenfundus tritt neben der Speiseröhre nach oben. |
| III | Mischform | Übergang und Magenfundus treten gemeinsam durch die Lücke. |
| IV | mit weiteren Organen | Im Bruchsack liegen zusätzlich weitere Organe wie Netz oder Darm. |
Wie häufig die axiale Hiatushernie ist
Die axiale Hernie stellt die große Mehrheit. Wikipedia nennt für sie einen Anteil von 90 Prozent aller Hiatushernien. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Bei dieser Form sind laut Wikipedia 90 Prozent der Betroffenen beschwerdefrei und brauchen keine weitere Therapie. Die Hiatushernie zählt zu den etablierten Risikofaktoren der Refluxkrankheit. Zu den anderen nennt die Leitlinie einen erhöhten Body-Mass-Index, Rauchen und genetische Veranlagung.
Symptome: Warum viele Betroffene keine haben
Kleine Hernien machen meist keine Beschwerden. Sie fallen oft zufällig auf, etwa bei einer Röntgenaufnahme oder Spiegelung aus einem anderen Grund. Treten Beschwerden auf, gehen sie meist auf den Rückfluss von Magensaft zurück. Die Leitlinie nennt als typische Refluxbeschwerden Sodbrennen, saures Aufstoßen und Regurgitation. Regurgitation heißt, dass Mageninhalt bis in den Mund zurückläuft.
Typische Refluxbeschwerden allein sind laut Leitlinie als Diagnostikum nicht verlässlich. Ob Magensäure im Spiel ist, klären Untersuchungen. Rund um das Thema helfen die Beiträge zur Magensäure und zu Alginaten bei Reflux.
Wie eine axiale Hiatushernie festgestellt wird
Die Leitlinie nennt drei Wege, auf denen sich eine Hiatushernie zeigt: Spiegelung, Röntgen und hochauflösende Manometrie. Die Manometrie ist eine Druckmessung in der Speiseröhre. Sie beurteilt zusätzlich die Antirefluxbarriere. Die pH-Metrie oder die Impedanz-pH-Messung erfasst die Säurebelastung samt Zusammenhang mit den Beschwerden.
Die Radiologie des Universitätsklinikums Heidelberg beschreibt den Röntgenweg genauer. Die Durchleuchtung nach Gabe von Kontrastmittel, der Breischluck mit Bariumsulfat, ist dort die Methode der Wahl. Kleine axiale Hernien zeigen sich häufig erst im Liegen oder in Kopftieflage und nach dem Valsalva-Manöver. Manchmal erkennt man eine große Hernie schon auf der Thoraxübersicht an einem Luft-Flüssigkeitsspiegel.
Kurzantwort: Bei Alarmsymptomen ist laut Leitlinie stets eine sofortige Spiegelung nötig. Dazu zählen Schluckstörungen, Schmerzen beim Schlucken, Zeichen einer Magen-Darm-Blutung einschließlich Eisenmangelanämie, Appetitverlust, ungewollter Gewichtsverlust, wiederkehrendes Erbrechen und Magen-Darm-Tumoren in der Familie.
Behandlung: von Allgemeinmaßnahmen bis Operation
Bei den Allgemeinmaßnahmen unterscheidet die Leitlinie genauer als übliche Ratgeberlisten. Eine Gewichtsabnahme verbessert Symptome und Säurebelastung und senkt den Verbrauch an Säureblockern. Sie wird bei Übergewicht oder kürzlicher Gewichtszunahme empfohlen. Ein erhöhtes Kopfende des Bettes und der Verzicht auf späte Mahlzeiten helfen bei nächtlichen Beschwerden. Enge Kleidung und eng geschnallte Gürtel sollen vermieden werden.
Zum Rauchstopp hält die Leitlinientabelle fest: kein Effekt auf Symptome und pH-Wert der Speiseröhre in der Gesamtgruppe. Sie bezeichnet ihn dennoch als allgemein gute Empfehlung. Bei normgewichtigen Rauchern führte er in einer Kohortenstudie zu weniger Symptomen.
Bei typischen Refluxbeschwerden ohne Alarmsymptome sieht die Leitlinie einen Protonenpumpenhemmer vor, bei komplizierten Verläufen eine Dauertherapie. Welches Mittel und welche Dauer infrage kommen, legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt fest. Zu den häufigen Wirkstoffen gehören Omeprazol und Esomeprazol.
Eine Operation soll laut Leitlinie bei langjährigem gesichertem Reflux und bei komplizierter Refluxkrankheit angeboten werden. Verfahren der ersten Wahl ist die laparoskopische Fundoplicatio. In Zentren mit begrenzter Erfahrung soll die nebenwirkungsärmere Teilmanschette nach Toupet vorgezogen werden. Bei jeder Antirefluxoperation mit Hiatushernie soll der Hiatus eingeengt werden. Für die reine Gleithernie ohne Refluxkrankheit ist eine Reparatur nicht nötig.
Mögliche Komplikationen
Aus der Refluxkrankheit können sich eine Speiseröhrenentzündung, eine narbige Verengung und ein Barrett-Ösophagus entwickeln. Für den Barrett-Ösophagus beziffert die Leitlinie das jährliche Fortschreiten je nach Risikogruppe mit 0,5, 4,6 und 12,3 Prozent. Sie sieht deshalb Kontrollspiegelungen vor.
Eine Besonderheit der Hiatushernie sind die Cameron-Läsionen. Das sind Erosionen und Geschwüre in Höhe des Zwerchfelldurchtritts. Eine amerikanische Auswertung bei Spiegelungen fand sie bei 3,3 Prozent aller Patienten mit Hiatushernie. Die Häufigkeit hing von der Größe ab. Bei kleinen Hernien waren es 1,2 Prozent, bei mittleren 4,7 Prozent und bei großen 12,8 Prozent. Läsionen traten häufiger bei großer Hernie und häufiger Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR auf. Sie können mit Magen-Darm-Blutungen zusammenhängen. Beschrieben wurden sie 1986 als Ursache einer chronischen Blutungsanämie bei Menschen mit großer Hernie. Das erklärt, warum eine Eisenmangelanämie in der Leitlinie zu den Alarmsymptomen zählt.
Kurzantwort: Cameron-Läsionen kommen vor allem bei großen Hernien vor und können still bluten. Eine unerklärte Blutarmut gehört deshalb in die ärztliche Abklärung.
Fazit
Die axiale Hiatushernie ist häufig und bleibt bei vielen Menschen ohne Beschwerden. Behandelt wird, wenn eine Refluxkrankheit besteht oder Komplikationen auftreten. Alarmsymptome verlangen eine rasche Spiegelung. Alles Weitere klärt die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
FAQ – Häufige Fragen
Muss eine axiale Hiatushernie operiert werden?
In der Regel nicht. Die Reparatur einer reinen Gleithernie ohne Refluxkrankheit ist nicht nötig. Operiert wird bei langjährigem gesichertem Reflux und bei komplizierten Verläufen.
Wie häufig ist die axiale Form unter den Hiatushernien?
Wikipedia nennt für die axiale Hernie einen Anteil von 90 Prozent. Sie ist damit die häufigste Form.
Warum kann eine Hiatushernie zu Blutarmut führen?
Über Cameron-Läsionen. Das sind Erosionen in Höhe des Zwerchfells, die bluten können. Bei großen Hernien fanden sie sich in einer Auswertung in 12,8 Prozent der Fälle.
Hilft Abnehmen gegen die Beschwerden?
Bei Übergewicht oder kürzlicher Gewichtszunahme ja. Die Leitlinie führt für die Gewichtsabnahme eine Verbesserung von Symptomen und Säurebelastung sowie einen geringeren Verbrauch an Säureblockern auf.
Bringt ein Rauchstopp etwas gegen Reflux?
Die Leitlinientabelle vermerkt in der Gesamtgruppe keinen Effekt auf Symptome und pH-Wert. Bei normgewichtigen Rauchern zeigte eine Kohortenstudie weniger Symptome. Als allgemeine Empfehlung bleibt er sinnvoll.
Welche Untersuchung kommt infrage?
Das hängt von der Fragestellung ab. Die Leitlinie verlangt bei Alarmsymptomen eine sofortige Spiegelung. Weitere Verfahren sind Röntgen mit Breischluck, Manometrie und pH-Messung.
Welche Beschwerden löst eine axiale Hiatushernie aus?
Oft keine. Treten Beschwerden auf, sind es typischerweise Sodbrennen, saures Aufstoßen und Regurgitation durch den Rückfluss von Magensaft.
Was sind Alarmsymptome?
Schluckstörungen, Schmerzen beim Schlucken, Zeichen einer Blutung im Magen-Darm-Trakt, Appetitverlust, ungewollter Gewichtsverlust, wiederkehrendes Erbrechen und Magen-Darm-Tumoren in der Familie. Sie verlangen laut Leitlinie eine sofortige Spiegelung.
Was hilft nachts bei Reflux?
Laut Leitlinie bei nächtlichen Beschwerden ein erhöhtes Kopfende des Bettes und der Verzicht auf späte Mahlzeiten.
Kann aus Reflux ein Barrett-Ösophagus werden?
Ja, die Leitlinie nennt ihn als mögliche Komplikation. Das jährliche Fortschreiten liegt je nach Risikogruppe bei 0,5, 4,6 oder 12,3 Prozent, deshalb sind Kontrollspiegelungen vorgesehen.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Medikamenten klären Ärztin, Arzt oder Apotheke die Ursache und das weitere Vorgehen.
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis, Registernummer 021-013
- Universitätsklinikum Heidelberg, Radiologie: Axiale Hiatushernie
- Gray DM et al.: Cameron Lesions in Patients with Hiatal Hernias
- Wikipedia: Hiatushernie

Paul liest Studien, bevor er schreibt, und übersetzt sie in Sätze für den Küchentisch. Seine Themen: Wirkstoffe, Dosierungen, Wechselwirkungen.
