Axiale Hiatushernie: Symptome, Diagnose und Behandlung

Kurzantwort: Bei einer axialen Hiatushernie rutscht der Übergang von Speiseröhre und Magen durch die Zwerchfelllücke nach oben in den Brustraum. Sie ist mit über 95 Prozent die häufigste Form des Zwerchfellbruchs am Speiseröhrendurchtritt. Viele Betroffene merken nichts davon. Beschwerden entstehen meist über den Rückfluss von Magensaft.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie nennt Alarmsymptome, bei denen sofort gespiegelt werden soll: Schluckstörungen, Schmerzen beim Schlucken, Hinweise auf eine Blutung im Magen-Darm-Trakt einschließlich Eisenmangelanämie, Appetitverlust, ungewollter Gewichtsverlust, wiederkehrendes Erbrechen und Magen-Darm-Tumoren in der Familie. Bei Bluterbrechen oder schwarzem Stuhl fahre sofort in die Notaufnahme.

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Der Befund „axiale Hiatushernie“ steht oft im Bericht nach einer Magenspiegelung und klingt beunruhigender, als er meistens ist.

Die Angaben stammen aus der S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (AWMF-Registernummer 021-013), von drei Universitätskliniken und einer chirurgischen Fachgesellschaft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die axiale Form heißt auch Gleithernie und ist die mit Abstand häufigste.
  • Die Häufigkeit steigt mit dem Alter, von 2,4 auf 16,6 Prozent.
  • Ohne Refluxkrankheit ist laut Fachgesellschaft keine Operation nötig.
  • Cameron-Läsionen können eine stille Blutungsanämie verursachen.

Was eine axiale Hiatushernie ist

Die Speiseröhre tritt durch eine Lücke im Zwerchfell in den Bauchraum, den Hiatus oesophageus. Bei einer Hiatushernie verlagert sich Gewebe durch diese Lücke nach oben. Die Charité beschreibt die häufigste Form so: In den meisten Fällen liegt ein sogenannter Gleitbruch vor, die axiale Hiatushernie.

Axial heißt, dass der Übergang von Speiseröhre und Magen entlang der Längsachse nach oben wandert. Der Magen behält seine übliche Ausrichtung, der Magenfundus bleibt unterhalb des Übergangs. Die Chirurgie unterscheidet vier Typen.

Typ Bezeichnung Was verlagert ist
I Gleithernie, axial Der Übergang von Speiseröhre und Magen wandert über das Zwerchfell.
II paraösophageal Der Übergang bleibt an seinem Platz, ein Teil des Magenfundus tritt neben der Speiseröhre nach oben.
III Mischform Übergang und Magenfundus treten gemeinsam durch die Lücke.
IV mit weiteren Organen Im Bruchsack liegen zusätzlich Netz, Dick- oder Dünndarm.

Wie häufig sie ist

Die axiale Hernie stellt die große Mehrheit. Die Fachgesellschaft der endoskopischen Chirurgen nennt über 95 Prozent aller Hiatushernien, eine Übersichtsarbeit von 2025 nennt 95 Prozent, eine Dissertation der Ludwig-Maximilians-Universität München gibt eine Spanne von 80 bis 95 Prozent an.

Wie viele Menschen betroffen sind, hängt stark vom Alter ab. Eine Bevölkerungsstudie mit Computertomografien fand bei Menschen zwischen 53 und 94 Jahren eine Gesamthäufigkeit von 9,9 Prozent. Im sechsten Lebensjahrzehnt lag sie bei 2,4 Prozent und stieg auf 16,6 Prozent im neunten. Frauen waren häufiger betroffen, 12,7 gegenüber 7,0 Prozent bei Männern. Unter Menschen mit Refluxbeschwerden, die gespiegelt wurden, fanden sich 48,6 Prozent.

Symptome — und warum viele Betroffene keine haben

Das Universitätsklinikum Augsburg formuliert es knapp: Kleinere Hiatushernien sind asymptomatisch und bedürfen keiner Behandlung. Die chirurgische Fachgesellschaft ergänzt, dass die Hernie bei vielen Betroffenen zufällig auf einer Röntgenaufnahme entdeckt wird, die aus einem anderen Grund gemacht wurde.

Wenn Beschwerden auftreten, gehen sie meist auf den Rückfluss von Magensaft zurück. Die Leitlinie nennt als typische Refluxbeschwerden Sodbrennen, saures Aufstoßen und Regurgitation, also das Zurücklaufen von Mageninhalt bis in den Mund. Die Hiatushernie zählt dort zu den etablierten Risikofaktoren für die Refluxkrankheit, neben erhöhtem Body-Mass-Index, Rauchen und genetischer Veranlagung.

Wie sie festgestellt wird

Die Leitlinie nennt drei Wege, auf denen sich eine Hiatushernie zeigt: Spiegelung, Röntgen und hochauflösende Manometrie, also die Druckmessung in der Speiseröhre. Zusätzlich beurteilt die Manometrie die Antirefluxbarriere, und die pH-Metrie oder die Impedanz-pH-Messung erfasst die Säurebelastung samt Zusammenhang mit den Beschwerden.

Die Radiologie des Universitätsklinikums Heidelberg beschreibt den Röntgenweg genauer: Die Durchleuchtung nach Gabe von Kontrastmittel, der Breischluck mit Bariumsulfat, ist dort die Methode der Wahl. Kleine axiale Hernien zeigen sich häufig erst im Liegen oder in Kopftieflage. Für alle Verfahren gilt der Grundsatz der chirurgischen Leitlinie: Nur Untersuchungen, die die Behandlung tatsächlich ändern würden, sollen durchgeführt werden.

Behandlung: von Allgemeinmaßnahmen bis Operation

Bei den Allgemeinmaßnahmen unterscheidet die Leitlinie stärker als übliche Ratgeberlisten. Eine Gewichtsabnahme verbessert Symptome und Säurebelastung und senkt den Verbrauch an Säureblockern — empfohlen bei Übergewicht oder kürzlicher Gewichtszunahme. Ein erhöhtes Kopfende des Bettes und der Verzicht auf späte Mahlzeiten wirken bei nächtlichen Beschwerden. Für den Rauchstopp vermerkt die Leitlinie keinen Effekt auf Symptome und Säurebelastung und empfiehlt ihn trotzdem. Enge Gürtel sollen vermieden werden.

Bei typischen Refluxbeschwerden ohne Alarmsymptome sieht die Leitlinie einen Protonenpumpenhemmer in Standarddosis vor, bei komplizierten Verläufen eine Dauertherapie. Welches Mittel und welche Dauer in Frage kommen, legt die behandelnde Ärztin fest.

Eine Operation soll laut Leitlinie bei langjährigem gesichertem Reflux und bei komplizierter Refluxkrankheit angeboten werden. Verfahren der ersten Wahl ist die laparoskopische Fundoplicatio. In Zentren mit begrenzter Erfahrung soll die nebenwirkungsärmere Teilmanschette nach Toupet vorgezogen werden, in erfahrenen Zentren die Vollmanschette nach Nissen. Bei jeder Antirefluxoperation mit Hiatushernie soll der Hiatus eingeengt werden. Für die reine Gleithernie gilt allerdings der Satz der chirurgischen Fachgesellschaft: Die Reparatur einer Typ-I-Hernie ohne Refluxkrankheit ist nicht nötig.

Mögliche Komplikationen

Aus der Refluxkrankheit können sich eine Speiseröhrenentzündung, eine narbige Verengung und ein Barrett-Ösophagus entwickeln. Für den Barrett-Ösophagus beziffert die Leitlinie das jährliche Fortschreiten je nach Risikogruppe mit 0,5, 4,6 und 12,3 Prozent und sieht deshalb Kontrollspiegelungen vor.

Eine Besonderheit der Hiatushernie sind die Cameron-Läsionen: lineare Schleimhautdefekte auf den Faltenkämmen in Höhe des Zwerchfells. Eine Auswertung fand sie bei 3,3 Prozent aller Patienten mit Hiatushernie, mit klarer Größenabhängigkeit — 1,2 Prozent bei kleinen, 4,7 Prozent bei mittleren und 12,8 Prozent bei großen Hernien. In gut drei Vierteln der Fälle zeigten sie sich über eine Blutung, oft als stiller Blutverlust. Beschrieben wurden sie 1986 als Ursache einer chronischen Blutungsanämie bei Hernienpatienten. Das erklärt, warum eine Eisenmangelanämie in der Leitlinie zu den Alarmsymptomen zählt.

Häufige Fragen

Muss eine axiale Hiatushernie operiert werden?

In der Regel nicht. Die chirurgische Fachgesellschaft hält fest, dass die Reparatur einer Typ-I-Hernie ohne Refluxkrankheit nicht nötig ist. Operiert wird bei langjährigem gesichertem Reflux und bei komplizierten Verläufen.

Warum kann eine Hiatushernie zu Blutarmut führen?

Über Cameron-Läsionen, lineare Schleimhautdefekte in Höhe des Zwerchfells. Sie bluten oft unbemerkt. Bei großen Hernien wurden sie in 12,8 Prozent der Fälle gefunden.

Hilft Abnehmen gegen die Beschwerden?

Bei Übergewicht oder kürzlicher Gewichtszunahme ja. Die Leitlinie führt für die Gewichtsabnahme eine Verbesserung von Symptomen und Säurebelastung sowie einen geringeren Verbrauch an Säureblockern auf.

Bringt ein Rauchstopp etwas gegen Reflux?

Die Leitlinientabelle vermerkt keinen Effekt auf Symptome und Säurebelastung. Als allgemeine Empfehlung bleibt er sinnvoll, wirksam vor allem bei normalgewichtigen Rauchern.

Welche Untersuchung brauche ich?

Das hängt von der Fragestellung ab. Die Leitlinie verlangt bei Alarmsymptomen eine sofortige Spiegelung und mahnt sonst, nur solche Untersuchungen zu machen, die die Behandlung tatsächlich ändern.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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