Lidocain-Pflaster: Wirkung bei Nervenschmerzen und Rückenschmerzen

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Lidocain-Pflaster geben den örtlichen Betäubungsstoff Lidocain über die Haut ab. Ein Beispiel ist Versatis mit 700 mg Lidocain (5 Prozent) pro Pflaster. Es ist laut Fachinformation für Erwachsene mit Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose zugelassen. Rückenschmerzen stehen nicht unter den Anwendungsgebieten. Ein Einsatz dort ist ein Off-Label-Einsatz, über den die Ärztin oder der Arzt entscheidet.

Kurzantwort: Lidocain-Pflaster betäuben die Nerven in der Haut unter dem Pflaster und lindern so neuropathische Schmerzen. Zugelassen ist Versatis für Schmerzen nach Gürtelrose bei Erwachsenen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Versatis enthält 700 mg Lidocain, entsprechend 5 Prozent, pro Pflaster.
  • Zugelassen ist es bei Nervenschmerzen nach Herpes zoster (Post-Zoster-Neuralgie) bei Erwachsenen.
  • Häufigste Nebenwirkung sind Reaktionen an der Applikationsstelle bei etwa 16 Prozent der Patienten.
  • Auf entzündete, verletzte Haut und auf Herpes-zoster-Läsionen darf das Pflaster nicht geklebt werden.

Wirkung: Wie das Pflaster die Schmerzleitung dämpft

Lidocain blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle in Nervenzellen. Schmerzreize entstehen dann nicht mehr oder werden nicht weitergeleitet. Beim Pflaster wirkt der Stoff nur an den Nervenzellen in der behandelten Haut. Laut Fachinformation ist die Aufnahme in den Körper sehr niedrig. Systemische Nebenwirkungen sind bei bestimmungsgemäßer Anwendung nicht zu erwarten.

Laut Fachinformation handelt es sich um ein weißes Hydrogelpflaster auf einer Trägerschicht. Es darf vor dem Aufkleben in kleinere Stücke geschnitten werden.

Zugelassenes Anwendungsgebiet: Nervenschmerzen nach Gürtelrose

Versatis ist laut Fachinformation zur Linderung neuropathischer Schmerzen nach einer Herpes-zoster-Infektion bei Erwachsenen angezeigt. Fachleute sprechen von Post-Zoster-Neuralgie. Dabei bleiben Nervenschmerzen auch nach dem Abheilen der Bläschen bestehen. Das Pflaster kommt erst nach dem Abheilen der Läsionen auf unverletzte, trockene Haut ohne Reizung.

Wikipedia nennt eine Zulassung seit 2007 in mehreren europäischen Ländern. Das Ergebnis der Behandlung wird nach 2 bis 4 Wochen neu bewertet. Spricht der Patient bis dahin nicht an, muss die Therapie abgebrochen werden. Die Haare an der Stelle werden mit der Schere gekürzt und nicht rasiert.

Kurzantwort: Das Lidocain-Pflaster Versatis ist für Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose bei Erwachsenen zugelassen. Es wird erst nach dem Abheilen der Bläschen auf unverletzte Haut geklebt.

Rückenschmerzen und andere Einsatzgebiete

Viele Menschen suchen Lidocain-Pflaster wegen Rückenschmerzen. Die Zulassung deckt dieses Gebiet nicht ab. Wer das Pflaster dort einsetzt, handelt Off-Label. Das heißt: Die Ärztin oder der Arzt entscheidet im Einzelfall auf eigene Verantwortung. Die Fachinformation belegt den Nutzen nur für die Post-Zoster-Neuralgie.

Lidocain als Wirkstoff kennt viele Formen. Dazu zählen Spritzen für die Nervenblockade und Gele für Schleimhäute. Das Mittel wird auch gegen Cluster-Kopfschmerz in die Nase gegeben, wie Wikipedia beschreibt. Mehr zu den Formen steht im Beitrag zu Xylocain.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit

Bei etwa 16 Prozent der Patienten ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Sie treten örtlich auf. Am häufigsten sind Reaktionen an der Applikationsstelle. Gemeint sind Brennen, Dermatitis, Rötung, Juckreiz, Hautausschlag, Hautreizungen und Bläschen. Gelegentlich kommen Hautläsionen und Hautverletzungen vor. Sehr selten treten allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock oder offene Wunden auf.

Die Nebenwirkungen sind im Wesentlichen schwach bis mäßig und führten bei weniger als 5 Prozent zum Abbruch. Das Pflaster enthält Propylenglycol, das die Haut reizen kann. Dazu kommen die Konservierungsstoffe Methyl- und Propylparaben. Beide können Überempfindlichkeiten auslösen, auch verzögert.

Gegenanzeigen und besondere Vorsicht

Nicht angewendet werden darf das Pflaster bei Überempfindlichkeit gegen Lidocain oder einen Bestandteil. Das gilt auch bei bekannter Überempfindlichkeit gegen andere Lokalanästhetika vom Amidtyp wie Bupivacain, Mepivacain oder Prilocain. Auf entzündete oder verletzte Haut, auf Herpes-zoster-Läsionen, bei atopischer Dermatitis und auf Wunden gehört es nicht. Schleimhäute und Augen sind ebenfalls tabu.

Bei schwerer Herzinsuffizienz sowie schweren Störungen der Nieren- und Leberfunktion ist Vorsicht nötig. Antiarrhythmika der Klasse I und andere Lokalanästhetika können sich in ihrer Wirkung ergänzen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen.

Kurzantwort: Auf entzündete Haut, Wunden und Gürtelrose-Bläschen darf kein Lidocain-Pflaster. Bei Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika vom Amidtyp ist es ausgeschlossen.

Langzeitanwendung, Schwangerschaft und Stillzeit

Im Tierversuch war 2,6-Xylidin, ein Abbauprodukt von Lidocain, nach Verfütterung an Ratten genotoxisch und krebserregend. Die Bedeutung für den Menschen ist nicht bekannt. Deshalb ist eine Langzeitbehandlung laut Fachinformation nur gerechtfertigt, wenn sie einen Nutzen bringt. Die Behandlung wird regelmäßig überprüft.

Lidocain ist plazentagängig, aber es fehlen ausreichende Daten zu Schwangeren. In der Schwangerschaft wird das Pflaster daher nur angewendet, wenn es eindeutig erforderlich ist. Lidocain geht in die Muttermilch über. Wegen des raschen Abbaus in der Leber sind nur sehr geringe Mengen zu erwarten. Eine Einschränkung der Verkehrstüchtigkeit ist laut Fachinformation unwahrscheinlich.

Alternativen bei Nervenschmerzen

Bei Nervenschmerzen kommen weitere Wirkstoffe in Frage. Zu Capsaicin informiert der Beitrag Capsaicin-Salbe. Einen Wirkstoff zum Einnehmen stellt der Beitrag Pregabalin-Wirkung vor. Ergänzende Maßnahmen beschreibt der Beitrag Hausmittel bei Nervenschmerzen. Ein anderes Pflaster mit Wirkstoff stellt der Beitrag Neupro-Pflaster vor.

Fazit

Lidocain-Pflaster wirken örtlich und kaum im Körper. Zugelassen ist Versatis für Nervenschmerzen nach Gürtelrose. Bei Rückenschmerzen handelt es sich um einen Off-Label-Einsatz mit ärztlicher Entscheidung. Hautreaktionen sind die häufigste Nebenwirkung. Auf gereizter oder verletzter Haut hat das Pflaster nichts verloren. Die Wirkung wird nach 2 bis 4 Wochen überprüft.

FAQ – Häufige Fragen

Wofür ist das Lidocain-Pflaster zugelassen?

Für neuropathische Schmerzen nach einer Herpes-zoster-Infektion bei Erwachsenen.

Hilft das Pflaster bei Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen gehören nicht zur Zulassung. Ein Einsatz ist Off-Label und wird ärztlich entschieden.

Wie viel Lidocain enthält Versatis?

Ein Pflaster enthält 700 mg Lidocain, das entspricht 5 Prozent.

Wie wirkt Lidocain im Pflaster?

Es blockiert Natriumkanäle in den Nerven der Haut. Schmerzreize werden dadurch weniger weitergeleitet.

Gelangt viel Lidocain in den Körper?

Nein, die Aufnahme ist laut Fachinformation sehr niedrig. Systemische Nebenwirkungen sind bei richtiger Anwendung nicht zu erwarten.

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Reaktionen an der Applikationsstelle wie Brennen, Rötung, Juckreiz und Hautausschlag. Sie betreffen etwa 16 Prozent der Patienten.

Auf welche Haut darf das Pflaster nicht?

Auf entzündete oder verletzte Haut, Wunden, Herpes-zoster-Läsionen und bei atopischer Dermatitis.

Ist das Pflaster für Kinder geeignet?

Nein. Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind nicht nachgewiesen.

Wann wird die Behandlung überprüft?

Das Ergebnis wird laut Fachinformation nach 2 bis 4 Wochen neu bewertet. Ohne Ansprechen wird die Behandlung beendet.

Darf das Pflaster in der Schwangerschaft verwendet werden?

Nur wenn es eindeutig erforderlich ist, da keine ausreichenden Daten vorliegen.

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Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden klärt eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache.

Quellen

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