Östrogen-Gel: Wirkung, Anwendung und Risiken laut Fachinformation

Aktualisiert am 29.09.2026 · Lesezeit 6 Min.

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Östrogen-Gel enthält Estradiol, das über die Haut in den Blutkreislauf gelangt und die erste Leberpassage umgeht. Zugelassen ist es zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und Rückbildungserscheinungen durch Östrogenmangel. Frauen mit Gebärmutter brauchen zusätzlich ein Gestagen. Die Fachinformation nennt als gelegentliche Nebenwirkungen Hautreizungen, Brustspannen, Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme; als Risiken Brustkrebs, Thrombosen und Schlaganfall. Die S3-Leitlinie stuft das Thromboserisiko unter dem Gel niedriger ein als unter Tabletten.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Schmerzen oder Schwellung in einem Bein, plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz, unerklärten Blutungen aus der Scheide, Gelbsucht oder erstmaligen migräneartigen Kopfschmerzen gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

In Deutschland sind unter anderem Gynokadin Dosiergel (0,6 mg Estradiol pro Gramm) und
Estreva Gel (1 mg pro Gramm) zugelassen; beide sind verschreibungspflichtig. Die Angaben
unten stammen aus der Fachinformation von Gynokadin Dosiergel (Februar 2026) und aus der
S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe.

Was das Gel im Körper macht

Estradiol ist das wirksamste körpereigene Östrogen. Nach dem Auftragen gelangt es laut
Fachinformation durch die Haut direkt in den Blutkreislauf. Damit entfällt die erste
Leberpassage, bei der oral eingenommenes Estradiol massiv zu Estron abgebaut wird. Die
Bioverfügbarkeit liegt bei Dauergebrauch bei 5 bis 6 %; nach wenigen Tagen stellt sich
ein dosisabhängiges Gleichgewicht im Blut ein.

Das Gel ersetzt das Estradiol, das die Eierstöcke in und nach den Wechseljahren nicht
mehr bilden. Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Trockenheit der
Scheide gehen darauf zurück.

Wofür Östrogen-Gel zugelassen ist

Die Fachinformation nennt drei Anwendungsgebiete: Beschwerden bei nachlassender
Estradiolproduktion in und nach den Wechseljahren oder nach Entfernung der Eierstöcke,
Rückbildungserscheinungen an Harn- und Geschlechtsorganen durch Östrogenmangel sowie die
Vorbeugung einer Osteoporose bei Frauen mit hohem Frakturrisiko, die andere
Osteoporosemittel nicht vertragen.

Die alleinige Anwendung ohne Gestagen ist nur bei Frauen ohne Gebärmutter erlaubt.
Bei intakter Gebärmutter muss regelmäßig ein Gestagen ergänzt werden, weil Östrogen allein
die Schleimhaut wachsen lässt und das Risiko für Gebärmutterkrebs erhöht. Die
Fachinformation nennt hier 5 bis 55 zusätzliche Fälle pro 1.000 Frauen zwischen 50 und
65 Jahren, je nach Dauer und Dosis; mit Gestagen über mindestens 12 Tage pro Zyklus
lässt sich dieses Risiko vermeiden.

Was die Fachinformation zur Anwendung sagt

Als übliche Dosis nennt die Fachinformation 2,5 g Gel einmal täglich, das entspricht
zwei Hüben des Dosierspenders. Die Dosis wird individuell angepasst; Brustspannen gilt als
Zeichen einer zu hohen Dosis. Grundsatz: die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest
mögliche Zeit. Welche Menge für dich richtig ist, entscheidet deine Ärztin.

Das Gel wird auf eine möglichst große Fläche aufgetragen, vorzugsweise auf Arme und
Schultern, und trocknet in zwei bis drei Minuten. Es gehört nicht in den Genitalbereich,
auf die Brüste oder auf Schleimhäute. Nach dem Auftragen die Hände erst mit einem
Papiertuch abwischen, dann mit Wasser und Seife waschen. Wichtig: Kinder dürfen die
behandelte Hautstelle nicht berühren. Die Fachinformation berichtet nach versehentlichem
Kontakt von Brustentwicklung bei Mädchen und vorzeitiger Pubertät bei Jungen.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Gelegentlich (1 bis 10 von 1.000) nennt die Fachinformation lokale
Hautreizungen mit Juckreiz, Rötung oder Ausschlag, Chloasma (Pigmentflecken),
Brustspannen, vermehrten Ausfluss, Wassereinlagerungen mit Ödemen und Gewichtszunahme.
Selten (1 bis 10 von 10.000): migräneartige Kopfschmerzen,
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Blähungen, Gallenblasenerkrankungen und
Mastopathie.

Sehr selten (weniger als 1 von 10.000): Kontaktlinsenunverträglichkeit,
Verschlimmerung oder Entzündung von Krampfadern, Blutdruckanstieg, Cholestase, ein
erhöhtes Risiko für Gallensteine und Leberfunktionsstörungen. Ohne Gestagen kann es bei
Überdosierung zu Durchbruchblutungen kommen; mit Gestagen tritt nach der Gestagenphase in
der Regel eine Entzugsblutung auf.

Brustkrebs, Thrombose, Schlaganfall: die Risiken in Zahlen

Die Fachinformation gibt die Risiken absolut an. Brustkrebs: Von
1.000 Frauen, die mit 50 Jahren beginnen, erkranken ohne Hormontherapie innerhalb von fünf
Jahren 13,3. Unter Östrogen allein kommen 2,7 zusätzliche Fälle hinzu (relatives Risiko
1,2), unter Östrogen plus Gestagen 8,0 (relatives Risiko 1,6). Das Risiko steigt mit der
Anwendungsdauer. Eierstockkrebs: etwa ein zusätzlicher Fall pro 2.000
Anwenderinnen nach fünf Jahren.

Thrombose: Eine Hormontherapie erhöht das Risiko für venöse
Thromboembolien um das 1,3- bis 3-Fache, am stärksten im ersten Jahr.
Schlaganfall: bis zu 1,5-fach erhöht, unabhängig vom Alter; weil das
Grundrisiko mit dem Alter steigt, wächst auch die absolute Zahl. Deshalb ist das Gel bei
früherem Brustkrebs, bestehender oder früherer Thrombose, kürzlichem Herzinfarkt, akuter
Lebererkrankung und ungeklärten Blutungen kontraindiziert.

Gel oder Tablette: was die Leitlinie zur Thrombose sagt

Die S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause empfiehlt mit Empfehlungsgrad A, Frauen
darüber zu informieren, dass das Thromboserisiko unter oraler Östrogentherapie höher ist
als unter transdermaler Anwendung. In der Kurzfassung heißt es, unter
niedrig dosierter transdermaler Therapie habe sich kein Hinweis auf ein erhöhtes
Thromboserisiko gezeigt, vermutlich weil die erste Leberpassage entfällt.

Zum Schlaganfall heißt es in der Kurzfassung, eine orale Kombinationstherapie könne das
Risiko ischämischer Ereignisse erhöhen, eine transdermale Östrogentherapie dagegen nicht.
Frühere Gefäßereignisse wie Thrombose oder Herzinfarkt können laut Leitlinie eine
Gegenanzeige sein, Gel wie Tablette; die Fachinformation führt sie als Kontraindikation.
Nutzen und Risiken sollen laut Fachinformation mindestens jährlich neu abgewogen werden.

Häufige Fragen

Wo trage ich das Östrogen-Gel auf?

Laut Fachinformation auf eine große Fläche, am besten den ganzen Arm samt Schulter. Nicht auf Brüste, Genitalbereich oder Schleimhäute.

Brauche ich zusätzlich ein Gestagen?

Ja, wenn du noch eine Gebärmutter hast. Östrogen allein erhöht das Risiko für Gebärmutterkrebs; ein Gestagen über mindestens 12 Tage pro Zyklus vermeidet das.

Ist das Gel sicherer als Tabletten?

Beim Thromboserisiko ja: Die S3-Leitlinie nennt es unter transdermaler Anwendung niedriger als unter oraler. Das Brustkrebsrisiko hängt laut Fachinformation von Dauer und Kombination mit einem Gestagen ab.

Was bedeutet Brustspannen unter dem Gel?

Die Fachinformation wertet es als Zeichen einer zu hohen Dosis. Die Behandlung wird dann mit einer niedrigeren Dosis fortgesetzt.

Darf mein Kind mich nach dem Auftragen berühren?

Nicht an der behandelten Stelle. Die Fachinformation berichtet von Brustentwicklung und vorzeitiger Pubertät bei Kindern nach versehentlichem Kontakt. Stelle bedecken, bei Kontakt die Haut des Kindes mit Wasser und Seife waschen.

Wie lange darf ich das Gel anwenden?

So kurz wie möglich in der niedrigsten wirksamen Dosis. Nutzen und Risiken sollen laut Fachinformation mindestens einmal jährlich überprüft werden.

Quellen

Dr. Katrin Vogt uebersetzt fuer gesundheitscenter.net Fachliteratur in verstaendliche Sprache.


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