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Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Seitenkrankheit ist ein historischer, aus dem Mittelalter stammender Begriff für stechende Schmerzen in der seitlichen Brust- oder Bauchregion. Gemeint war damit meist eine Pleuritis, also eine Rippenfellentzündung, teilweise verwendeten Ärzte den Begriff aber auch für eine Blinddarmentzündung. In der modernen Medizin wird der Ausdruck heute nicht mehr benutzt, er taucht höchstens noch in historischen Texten oder literarischen Werken auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Seitenkrankheit ist ein veralteter Begriff für Schmerzen in der Seite
- Am häufigsten stand er für eine Pleuritis, eine Rippenfellentzündung
- Bis ins 19. Jahrhundert diente er teils auch als Bezeichnung für Blinddarmentzündung
- Der Begriff wurde durch den Roman und Film „Der Medicus“ wieder bekannt
Woher kommt der Begriff Seitenkrankheit?
Der Ausdruck stammt aus einer Zeit, in der Ärzte die genauen inneren Ursachen von Schmerzen noch nicht bestimmen konnten. Alles, was sich als stechender Schmerz seitlich im Oberkörper zeigte, fasste man unter dem Sammelbegriff Seitenkrankheit zusammen. Historische Quellen erwähnen den Begriff bereits im Zusammenhang mit dem persischen Gelehrten Avicenna, auch Ibn Sina genannt, der im 10. und 11. Jahrhundert medizinische Standardwerke verfasste, die noch Jahrhunderte später in Europa verwendet wurden. Übersetzungen seiner Schriften ins Lateinische prägten den medizinischen Sprachgebrauch an europäischen Universitäten bis weit in die frühe Neuzeit hinein, weshalb sich viele seiner Begriffe und Beschreibungen so lange hielten.
Pleuritis: Die häufigste historische Bedeutung
In den meisten historischen Texten bezeichnete Seitenkrankheit eine Pleuritis, also eine Entzündung des Rippenfells, der dünnen Haut, die Lunge und Brustkorb innen auskleidet. Typische Anzeichen waren häufiger Husten, ein schneller, fiebriger Puls und ein stechender Brustschmerz, der sich beim Atmen und Husten deutlich verstärkte. Diese Beschreibung deckt sich erstaunlich genau mit dem, was Medizinerinnen und Mediziner heute unter einer Pleuritis verstehen: eine oft schmerzhafte, atemabhängige Reizung des Rippenfells, die durch Infektionen, Lungenentzündungen oder rheumatische Erkrankungen ausgelöst werden kann.
Kurzantwort: Seitenkrankheit bezeichnete historisch meist eine Pleuritis, erkennbar an atemabhängigem Stechen in der Brust, Husten und Fieber.
Seitenkrankheit als altes Wort für Blinddarmentzündung
Neben der Pleuritis nutzten Ärzte den Begriff bis weit ins 19. Jahrhundert hinein auch für Beschwerden, die man heute als Blinddarmentzündung einordnen würde. Da die genaue Anatomie des Bauchraums und die Rolle des Wurmfortsatzes lange unklar blieben, warf man Schmerzen in der rechten unteren Bauchseite häufig mit anderen seitlichen Beschwerden in einen Topf. Erst mit besseren anatomischen Kenntnissen und der Entwicklung chirurgischer Verfahren im späten 19. Jahrhundert trennten Mediziner die Blinddarmentzündung klar von anderen Ursachen seitlicher Schmerzen ab.
„Der Medicus“: Warum der Begriff wieder bekannt wurde
Einem breiteren Publikum wurde die Seitenkrankheit vor allem durch den historischen Roman „Der Medicus“ von Noah Gordon aus dem Jahr 1986 und dessen Verfilmung von 2013 bekannt. Die Geschichte handelt von einem jungen englischen Heiler, der bei dem berühmten Gelehrten Avicenna in Persien studiert. Im Roman wird die Seitenkrankheit als eine Erkrankung dargestellt, die der modernen Blinddarmentzündung entspricht, was von der historisch häufigeren Bedeutung als Pleuritis abweicht. Diese literarische Interpretation trug maßgeblich dazu bei, dass viele Menschen den Begriff heute überhaupt kennen.
Wird der Begriff heute noch verwendet?
In der aktuellen Medizin spielt Seitenkrankheit als Fachbegriff keine Rolle mehr. Ärztinnen und Ärzte sprechen stattdessen präzise von Pleuritis, Appendizitis oder je nach Ursache von ganz anderen Diagnosen wie Gallenkoliken oder Nierensteinen. Diese genauere Sprache erlaubt eine gezieltere Diagnose und Behandlung, als es der pauschale historische Begriff jemals konnte. Nur in historischen oder literarischen Zusammenhängen taucht das Wort heute noch gelegentlich auf.
Kurzantwort: Der Begriff Seitenkrankheit gilt in der modernen Medizin als veraltet, an seine Stelle traten präzise Diagnosen wie Pleuritis oder Appendizitis.
Was tun bei stechenden Schmerzen in der Seite heute?
Stechende Schmerzen in der Seite können viele verschiedene Ursachen haben, von einer harmlosen Verspannung der Muskulatur über eine Rippenfellentzündung bis hin zu ernsteren Erkrankungen wie einer Blinddarmentzündung, Gallenkoliken oder Nierensteinen. Wegen dieser großen Bandbreite lässt sich die Ursache ohne ärztliche Untersuchung kaum sicher bestimmen. Besonders bei plötzlich einsetzenden, starken oder mit Fieber verbundenen Schmerzen sollte zeitnah eine Arztpraxis oder im Notfall die Notaufnahme aufgesucht werden, um ernste Ursachen frühzeitig auszuschließen. Eine Selbstdiagnose anhand von Symptomlisten aus dem Internet ersetzt diese Abklärung nicht, weil sich viele Ursachen in den ersten Stunden sehr ähnlich anfühlen können.
Fazit
Seitenkrankheit ist ein historischer Sammelbegriff für stechende Schmerzen in der Seite, meist gemeint war eine Pleuritis, teilweise auch eine Blinddarmentzündung. Der Roman und Film „Der Medicus“ machten den Begriff einem breiten Publikum wieder bekannt, allerdings mit einer abweichenden Deutung. Moderne Medizin ersetzt heute mit präzisen Diagnosen wie Pleuritis oder Appendizitis den alten Sammelbegriff vollständig.
FAQ – Häufige Fragen
Was bedeutet der Begriff Seitenkrankheit?
Er bezeichnete historisch stechende Schmerzen in der Seite, meist eine Pleuritis.
Woher stammt der Begriff Seitenkrankheit?
Er geht auf mittelalterliche Medizin zurück und wird bereits mit Avicenna in Verbindung gebracht.
Was ist eine Pleuritis?
Eine Pleuritis ist eine Entzündung des Rippenfells mit atemabhängigem Brustschmerz.
Wurde Seitenkrankheit auch für Blinddarmentzündung verwendet?
Ja, bis ins 19. Jahrhundert diente der Begriff teils auch dafür.
Welche Rolle spielt „Der Medicus“ bei dem Begriff?
Roman und Film machten die Seitenkrankheit bekannt, deuteten sie aber als Blinddarmentzündung.
Wird Seitenkrankheit heute noch medizinisch verwendet?
Nein, der Begriff gilt als veraltet und wurde durch präzise Diagnosen ersetzt.
Welche modernen Diagnosen ersetzen den Begriff?
Vor allem Pleuritis und Appendizitis, je nach genauer Ursache der Beschwerden.
Was kann seitliche Schmerzen heute noch auslösen?
Muskelverspannungen, Rippenfellentzündung, Blinddarmentzündung, Gallenkoliken oder Nierensteine.
Wann sollte man bei seitlichen Schmerzen zum Arzt?
Bei plötzlichen, starken oder mit Fieber verbundenen Schmerzen sollte zeitnah eine Praxis aufgesucht werden.
Wer war Avicenna?
Ein persischer Gelehrter des 10. und 11. Jahrhunderts, dessen medizinische Werke lange als Standard galten.
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Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei akuten oder starken Schmerzen hilft eine Ärztin oder ein Arzt bei der weiteren Abklärung.
Quellen

Sebastian schreibt über Vorsorge und Alltagsgesundheit, ohne Alarm zu schlagen. Seine Beiträge enden mit einem klaren nächsten Schritt.
