Kreatininwert-Tabelle: Referenzbereiche richtig lesen

Kurzantwort: Die eine gültige Kreatinin-Tabelle gibt es nicht. Das Universitätsklinikum Ulm nennt für Plasma 45 bis 84 µmol/l bei Frauen und 59 bis 104 µmol/l bei Männern. Ein enzymatisch messendes Labor gibt für Frauen je nach Alter 0,55 bis 1,20 mg/dl an. Maßgeblich ist immer der Bereich auf deinem eigenen Befund.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch und ist keine Diagnose. Ein einzelner Laborwert sagt für sich genommen wenig — deine Ärztin ordnet ihn ein. Bei stark verminderter Urinmenge, zunehmenden Wassereinlagerungen in den Beinen, Atemnot oder Verwirrtheit hole sofort Hilfe. Eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge ist laut dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums ein medizinischer Notfall.

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Der Kreatininwert steht auf fast jedem Blutbefund und wird oft als Nierenwert bezeichnet. Wer ihn im Internet nachschlägt, findet je nach Seite andere Zahlen. Das hat einen sachlichen Grund, und er ist wichtiger als jede Tabelle.

Die Angaben hier stammen aus der KDIGO-Leitlinie zur chronischen Nierenerkrankung sowie aus den Laborunterlagen zweier deutscher Kliniken und eines akkreditierten Fachlabors.

Das Wichtigste in Kürze

  • Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor, Messmethode und Alter.
  • Der Wert steigt laut Universitätsklinikum Leipzig erst, wenn rund 50 Prozent der Nierenleistung verloren sind.
  • Umrechnung: mg/dl mal 88,4 ergibt µmol/l.
  • Aussagekräftiger als der Rohwert ist die daraus berechnete eGFR.

Was Kreatinin ist

Kreatinin ist ein Abbauprodukt von Kreatinphosphat im Muskel. Das Universitätsklinikum Ulm beschreibt es so: Der Körper stellt es in Abhängigkeit von der Muskelmasse in einer ziemlich konstanten Rate her. In der Niere wird es von den Glomeruli filtriert, in den Tubuli in geringem Umfang zurückgeholt, und eine kleine, aber messbare Menge wird aktiv abgegeben.

Rund 90 Prozent des Kreatins im Körper stecken in der Skelettmuskulatur. Daraus folgt die wichtigste Eigenschaft des Werts: Er hängt an der Muskelmasse und an der Nierenleistung zugleich.

Referenzbereiche: warum Labore verschiedene Zahlen nennen

Die Referenzbereiche sind alters- und geschlechtsabhängig, und sie unterscheiden sich von Labor zu Labor. Der Grund liegt in der Messmethode und in der Bevölkerung, aus der ein Labor seine Bereiche ableitet. Verbreitet sind zwei Verfahren: die Jaffé-Methode mit alkalischem Pikrat und die enzymatische Messung.

Quelle und Methode Frauen Männer
Universitätsklinikum Ulm, Plasma, Jaffé-Methode 45–84 µmol/l (rund 0,51–0,95 mg/dl) 59–104 µmol/l (rund 0,67–1,18 mg/dl)
Fachlabor Karlsruhe, enzymatisch, 20–39 Jahre 0,58–0,98 mg/dl 0,77–1,25 mg/dl
Fachlabor Karlsruhe, enzymatisch, 60–69 Jahre 0,58–1,04 mg/dl 0,72–1,28 mg/dl
Fachlabor Karlsruhe, enzymatisch, 80–110 Jahre 0,55–1,20 mg/dl 0,70–1,47 mg/dl

Die mg/dl-Werte in der ersten Zeile sind mit dem Faktor umgerechnet, den das Ulmer Labor selbst angibt. Die Obergrenze für Frauen liegt damit im einen Fall bei rund 0,95 mg/dl, im anderen je nach Alter zwischen 0,98 und 1,20 mg/dl. Auf jedem Befund steht der Bereich des Labors, das gemessen hat. Dieser Bereich gilt für deinen Wert, kein anderer.

Umrechnung und der kreatininblinde Bereich

Zwei Einheiten sind gebräuchlich. Die KDIGO-Leitlinie nennt den Umrechnungsfaktor 88,4: Ein Wert in mg/dl mal 88,4 ergibt µmol/l. In die andere Richtung rechnet das Universitätsklinikum Ulm mit dem Kehrwert 0,0113. Die Nephrologie des Universitätsklinikums Leipzig nennt als Beispiel: 100 µmol/l entsprechen 1,13 mg/dl.

Wichtiger als die Einheit ist die Trägheit des Werts. Leipzig formuliert es so: Der Blutspiegel erhöht sich erst dann, wenn schon etwa 50 Prozent der Nierenleistung verlorengegangen sind. Ulm zieht daraus die Konsequenz — weil Kreatinin im Blut erst bei beträchtlichem Schaden der Nephronen ansteigt, eignet es sich nicht zum Nachweis einer Nierenerkrankung im Frühstadium. Für den Bereich davor gibt es einen eigenen Fachbegriff: den kreatininblinden Bereich. Ein Wert im Referenzbereich ist deshalb kein Beweis für gesunde Nieren.

eGFR und die Stadien G1 bis G5

Aus dem Kreatininwert, dem Alter und dem Geschlecht berechnen Labore die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, kurz eGFR. Die KDIGO-Leitlinie von 2024 empfiehlt genau diesen Weg für die erste Einschätzung. Sie beschreibt außerdem den Wechsel der Formel: Die CKD-EPI-Gleichung von 2009 enthielt einen Faktor für die Herkunft, die Fassung von 2021 wurde ohne diesen Faktor neu angepasst. KDIGO hält ausdrücklich fest, dass er bei der Berechnung vermieden werden soll.

Stadium eGFR in ml/min/1,73 m² Bedeutung laut KDIGO
G1 90 und höher normal oder hoch
G2 60 bis 89 leicht vermindert
G3a 45 bis 59 leicht bis mäßig vermindert
G3b 30 bis 44 mäßig bis stark vermindert
G4 15 bis 29 stark vermindert
G5 unter 15 Nierenversagen

Eine Fußnote der Leitlinie ist entscheidend: Ohne Hinweis auf eine Nierenschädigung erfüllen weder G1 noch G2 die Kriterien einer chronischen Nierenerkrankung. Für die Diagnose braucht es eine eGFR unter 60 über mehr als drei Monate oder einen Nachweis der Schädigung, etwa über Eiweiß im Urin. Wenn der Kreatininwert wenig hergibt, empfiehlt KDIGO zusätzlich Cystatin C — die kombinierte Schätzung aus beiden Markern ist dort als genauer belegt.

Was den Wert nach oben oder unten verschiebt

Nach oben: Das Universitätsklinikum Ulm nennt schwere körperliche Arbeit und eine fleischreiche Mahlzeit kurz vor der Blutentnahme. Beim Kochen entsteht aus dem Kreatin im Fleisch Kreatinin. KDIGO weist ebenfalls darauf hin, dass die Ernährung bei der Beurteilung mitgedacht werden muss. Auch Medikamente spielen mit: Für Trimethoprim beschreibt KDIGO eine umkehrbare Hemmung der Kreatinin-Abgabe in den Tubuli. Der Messwert steigt dabei, ohne dass die Filtrationsleistung fällt.

Nach unten: Bei langfristig bettlägerigen Menschen ist die Kreatininkonzentration laut Ulm sehr niedrig. Selbst bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion können die Werte dann im Referenzbereich liegen. Dasselbe Prinzip gilt bei geringer Muskelmasse und nach einer Amputation. In der Schwangerschaft sinkt das Kreatinin laut KDIGO physiologisch, weil die Nieren mehr filtern.

Ein Laborhinweis noch: Paracetamol, N-Acetylcystein und Metamizol können in therapeutischen Dosen zu falsch niedrigen Ergebnissen führen. Ulm empfiehlt deshalb, vor der Gabe dieser Mittel Blut abzunehmen.

Häufige Fragen

Warum steht auf meinem Befund ein anderer Bereich als in dieser Tabelle?

Weil dein Labor eine eigene Messmethode nutzt und den Bereich aus einer eigenen Vergleichsgruppe ableitet. Der Bereich auf deinem Befund ist der maßgebliche.

Sind meine Nieren gesund, wenn der Wert im Normbereich liegt?

Das lässt sich daraus nicht schließen. Der Kreatininwert steigt laut Universitätsklinikum Leipzig erst, wenn etwa die Hälfte der Nierenleistung verloren ist. Diesen Bereich davor nennt man kreatininblind.

Was sagt die eGFR zusätzlich aus?

Sie schätzt, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern, und ordnet das in die Stadien G1 bis G5 ein. KDIGO empfiehlt sie für die erste Einschätzung, bei unklaren Fällen ergänzt durch Cystatin C.

Kann ein Steak am Vorabend den Wert verändern?

Ja. Das Universitätsklinikum Ulm nennt eine sehr fleischreiche Mahlzeit ausdrücklich als Grund für Ergebnisse über dem Referenzbereich bei Nierengesunden. Dasselbe gilt für schwere körperliche Arbeit.

Was bedeutet ein niedriger Kreatininwert?

Er hängt oft an geringer Muskelmasse. Bei langfristiger Bettlägerigkeit ist der Wert laut Ulm sehr niedrig, selbst bei eingeschränkter Nierenfunktion. In der Schwangerschaft sinkt er laut KDIGO physiologisch.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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