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Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Die Schilddrüsenszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung. Sie zeigt, wie aktiv das Schilddrüsengewebe arbeitet. Ärztinnen und Ärzte nutzen sie vor allem, um heiße und kalte Knoten zu unterscheiden. Dazu spritzt die Praxis eine schwach radioaktive Substanz in die Vene. Eine Gammakamera fotografiert danach die Schilddrüse. Die Aufnahme dauert wenige Minuten.
Kurzantwort: Bei der Schilddrüsenszintigraphie reichert sich eine schwach radioaktive Substanz in der Schilddrüse an. Eine Gammakamera zeigt, welche Bereiche viel oder wenig davon aufnehmen. Daraus lässt sich ablesen, ob Knoten überaktiv sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Meist kommt Technetium-99m-Pertechnetat zum Einsatz.
- Die Aufnahme folgt etwa 5 bis 25 Minuten nach der Spritze.
- Die durchschnittliche Strahlenbelastung liegt laut BfS bei 0,7 Millisievert.
- Vorher werden Schilddrüsenwerte und Ultraschall bewertet.
Was zeigt die Schilddrüsenszintigraphie?
Das Verfahren dient der funktionsmorphologischen Untersuchung. Es zeigt also Form und Funktion zugleich. Die Follikelzellen der Schilddrüse brauchen Jod für die Hormonbildung. Die Untersuchung nutzt Radionuklide, die dem Jod chemisch gleichen oder ähneln. Das Radionuklid reichert sich nach etwa 10 bis 20 Minuten in der Schilddrüse an. Seine Strahlung zeichnet eine Gammakamera auf.
Auf dem Bild ist zu sehen, wo die Drüse viel und wo sie wenig aufnimmt. Das nennt die Fachwelt den Uptake.
Wann ist eine Szintigraphie sinnvoll?
Vor der Szintigraphie stehen in der Regel Tastuntersuchung, Laborwerte und Ultraschall. Die Szintigraphie kommt dazu, wenn diese Befunde Fragen offenlassen. Die AWMF-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin nennt unter anderem diese Indikationen.
- tastbare oder im Ultraschall abgrenzbare Knoten ab 1 Zentimeter Größe.
- Verdacht auf eine Autonomie, also Gewebe, das unabhängig vom Regelkreis Hormone bildet.
- unklare Fälle bei Morbus Basedow gegen eine chronische Schilddrüsenentzündung.
- Kontrolle des Erfolgs nach Operation oder Radioiodtherapie.
- fehlgelagertes Schilddrüsengewebe, etwa am Zungengrund oder hinter dem Brustbein.
- angeborene Unterfunktion bei Neugeborenen.
Bei einer vergrößerten Schilddrüse hilft auch der Beitrag zur Struma multinodosa.
Vorbereitung: Medikamente und Jod
Schilddrüsenhormone und Thyreostatika beeinflussen die Aufnahme. Ist eine Szintigraphie ohne Hormonmedikation nötig, setzt die Praxis Liothyronin etwa 10 Tage vorher ab, Levothyroxin vier Wochen vorher. Über das Absetzen entscheidet allein die Ärztin oder der Arzt. Mehr zu Levothyroxin liefert der Beitrag zu L-Thyroxin.
Stark jodhaltige Mittel stören ebenfalls. Dazu gehören jodhaltige Röntgenkontrastmittel, Desinfektionsmittel und Augentropfen. Die Leitlinie empfiehlt vier Wochen Abstand. Beim Medikament Amiodaron sind deutlich längere Abstände nötig. Auch sehr jodreiche Ernährung wie Seetang kann die Aufnahme senken. Eine tägliche Jodzufuhr bis 150 Mikrogramm stört die Untersuchung nicht.
Vorab muss die Praxis erfahren, welche Medikamente und Kontrastmittel infrage kommen, ob eine Schwangerschaft besteht oder ob gestillt wird. Auch aktuelle TSH-Werte und Ultraschallbefunde sind nötig.
Ablauf der Untersuchung
Die Praxis spritzt das Radiopharmakon in eine Armvene. Üblich ist Technetium-99m-Pertechnetat. Die Referenzaktivität liegt bei 70 Megabecquerel. Höhere Mengen sind nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt und müssen schriftlich begründet sein.
Die Aufnahmen entstehen etwa 5 bis 25 Minuten nach der Injektion. Die Aufnahmezeit beträgt in der Regel 5 bis 10 Minuten. Der Patient sitzt dazu mit leicht nach hinten geneigtem Hals oder liegt mit überstrecktem Hals. Stilles Halten ist wichtig, weil Bewegungen das Bild verwischen. Ein Schluckverbot gilt laut Leitlinie als überholt.
Welche Radiopharmaka kommen zum Einsatz?
Routinemäßig wird Natrium-99m-Technetium-Pertechnetat verwendet. Es ist ein reiner Gammastrahler mit kurzer Halbwertszeit. Wegen der geringeren Strahlenbelastung und der niedrigeren Kosten wird es heute bevorzugt. Iod-123 ist teurer und hat die doppelte Halbwertszeit. Es dient besonderen Fragen, zum Beispiel bei fehlgelagertem Schilddrüsengewebe. Aufnahmen mit Iod-123 entstehen erst zwei bis vier Stunden nach der Injektion. Iod-131 kommt beim Radiojodtest zum Einsatz.
Befund: Heiße, warme und kalte Knoten
Das Szintigramm zeigt kalte, warme und heiße Knoten sowie eine diffuse Mehrspeicherung. Ein heißer Knoten nimmt mehr Radionuklid auf als das übrige Gewebe. Bei einer Autonomie speichern die unabhängig arbeitenden Zellen mehr als die normalen Follikelzellen. Ein kalter Knoten speichert wenig oder nichts.
Auch das ganze Organ lässt sich beurteilen. Eine hohe Aufnahme kann auf Jodmangel oder eine erhöhte Hormonproduktion hinweisen. Bei einem Jodüberschuss und den meisten Schilddrüsenentzündungen nimmt die Drüse kaum Aktivität auf. Der Fachbegriff dafür lautet „blockiert“. Beispielbilder bei Wikipedia zeigen den Unterschied zwischen normaler Schilddrüse, Morbus Basedow, autonomem Adenom und Thyreoiditis.
Für die Auswertung wird der Uptake berechnet. Das ist die relative Aufnahme der Aktivität in die Schilddrüse. Er lässt sich nur mit aktuellen Schilddrüsenwerten, vor allem dem TSH, deuten.
Suppressionsszintigraphie
Bei Verdacht auf Autonomie trotz normaler Hormonwerte kann eine Suppressionsszintigraphie nötig sein. Dazu bremsen Schilddrüsenhormone vorab die Eigenproduktion. Danach zeigt sich, welches Gewebe weiter speichert. Dieses Vorgehen verliert laut Leitlinie an Bedeutung. Die Hormone legt die behandelnde Praxis individuell fest.
Kurzantwort: Ein Szintigramm allein liefert keine Diagnose. Die Beurteilung braucht Tastbefund, Ultraschall und Laborwerte, vor allem den TSH-Wert.
Strahlenbelastung und Vorsichtsmaßnahmen
Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt für die Schilddrüsenszintigraphie eine durchschnittliche effektive Dosis von 0,7 Millisievert an. Über alle nuklearmedizinischen Untersuchungen liegt der Mittelwert bei etwa 2,2 Millisievert. Die Schilddrüsenszintigraphie zählt damit zu den Untersuchungen mit niedriger Dosis.
Eine Schwangerschaft muss vorab ausgeschlossen werden. Muss während der Stillzeit untersucht werden, empfiehlt die Leitlinie bei Technetium-99m eine Stillpause von 12 Stunden. Die rechtfertigende Indikation stellt eine Ärztin oder ein Arzt mit Fachkunde für offene radioaktive Stoffe.
Fazit
Die Schilddrüsenszintigraphie macht sichtbar, was Ultraschall und Blutwerte nicht zeigen. Sie bildet die Aktivität der Schilddrüse ab und trennt heiße von kalten Knoten. Die Untersuchung belastet den Körper mit etwa 0,7 Millisievert und dauert kurz. Wichtig sind die ehrliche Auskunft zu Medikamenten, Jodquellen, Schwangerschaft und Stillzeit. Die Praxis bespricht das Ergebnis im Zusammenhang mit allen anderen Befunden.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist eine Schilddrüsenszintigraphie?
Eine nuklearmedizinische Untersuchung der Schilddrüsenfunktion. Eine Gammakamera zeichnet die Strahlung eines in die Vene gespritzten Radiopharmakons auf.
Wie lange dauert die Untersuchung?
Die Aufnahme dauert in der Regel 5 bis 10 Minuten. Sie beginnt etwa 5 bis 25 Minuten nach der Injektion.
Tut die Schilddrüsenszintigraphie weh?
Es erfolgt eine Injektion in die Armvene. Die Aufnahme selbst ist schmerzfrei. Sie verlangt nur, einige Minuten ruhig zu liegen oder zu sitzen.
Ist Nüchternsein nötig?
Die Leitlinie der Fachgesellschaft nennt kein Nüchterngebot. Die Praxis gibt vor dem Termin die nötigen Hinweise.
Wie hoch ist die Strahlenbelastung?
Laut Bundesamt für Strahlenschutz beträgt sie im Durchschnitt 0,7 Millisievert pro Untersuchung.
Was ist ein heißer Knoten?
Ein Bereich, der mehr Radionuklid aufnimmt als das umgebende Gewebe. Dahinter kann eine Autonomie stehen, also ein unabhängig arbeitendes Gewebe.
Was ist ein kalter Knoten?
Ein Bereich, der kaum oder kein Radionuklid aufnimmt. Die Einordnung erfolgt immer zusammen mit Ultraschall und weiteren Befunden.
Welche Medikamente stören die Untersuchung?
Schilddrüsenhormone, Thyreostatika und stark jodhaltige Mittel wie bestimmte Röntgenkontrastmittel. Die Praxis entscheidet, was abgesetzt oder verschoben wird.
Ist die Untersuchung in Schwangerschaft oder Stillzeit möglich?
Eine Schwangerschaft wird vorab ausgeschlossen. Bei dringlicher Indikation in der Stillzeit empfiehlt die Leitlinie 12 Stunden Stillpause nach Technetium-99m.
Wer stellt die Indikation?
Eine Ärztin oder ein Arzt mit Fachkunde für Diagnostik mit offenen radioaktiven Stoffen. Das schreibt die Strahlenschutzrichtlinie vor.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Quellen
- Wikipedia: Schilddrüsenszintigraphie
- AWMF-Leitlinie 031-011: Schilddrüsenszintigraphie (DGN)
- Bundesamt für Strahlenschutz: Nuklearmedizinische Diagnostik

Johanna interessiert sich für das, was der Körper einem sagen will. Sie schreibt über Symptome, Ursachen und wann man handeln sollte.
