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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Ein Calprotectin-Wert im Stuhl kann erhöht sein, ohne dass eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung vorliegt. Belegt sind als Störfaktoren Schmerzmittel aus der NSAR-Gruppe wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol, Darminfektionen, höheres Alter und ein Alter unter vier Jahren. Auch die Probe selbst verfälscht: Werte schwanken am selben Tag im Mittel um 52 Prozent, und nach sieben Tagen bei Raumtemperatur sinkt der Wert um rund 28 Prozent. Das Universitätsklinikum Ulm führt 80 bis 160 µg/g als Graubereich mit Wiederholung nach vier bis sechs Wochen.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch und ist keine Diagnose. Ein einzelner Stuhlwert sagt für sich genommen wenig; deine Ärztin ordnet ihn zusammen mit Beschwerden und weiteren Befunden ein. Bei Blut im Stuhl, anhaltendem Durchfall, chronischen Bauchschmerzen, Fieber oder ungewolltem Gewichtsverlust gehe zur Ärztin, unabhängig davon, was der Calprotectin-Wert zeigt.
Calprotectin ist ein Eiweiß aus der Familie der Calcium-bindenden S100-Proteine. Es steckt in neutrophilen Granulozyten, den häufigsten weißen Blutkörperchen. Wandern diese Zellen bei einer Entzündung in den Darm ein, geben sie Calprotectin ab, und es landet im Stuhl. Die Konzentration ist laut dem Leistungsverzeichnis des Universitätsklinikums Ulm ein Maß für die Zahl der Granulozyten im Darm.
Grundlage sind die S3-Leitlinien Colitis ulcerosa (Version 7.0, November 2025) und Morbus Crohn (Version 4.1, März 2024) der DGVS, das Ulmer Leistungsverzeichnis und vier Studien mit PubMed-Nachweis.
Was der Wert misst und was er nicht kann
Beide Leitlinien sagen dasselbe: Calprotectin zeigt eine Entzündung an, aber nicht ihre Ursache. Eine Unterscheidung zwischen chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und infektiösem Durchfall ist mit dem Wert nicht möglich. Seine Stärke liegt in der Abgrenzung zum Reizdarm. Eine Meta-Analyse von 2023 mit 17 Studien und 1.956 Patientinnen und Patienten fand dafür eine Sensitivität von 85,8 Prozent und eine Spezifität von 91,7 Prozent.
Nach unten täuscht der Wert bei Morbus Crohn, der nur den Dünndarm betrifft: Dann ist Calprotectin laut Leitlinie häufig nicht erhöht. Ein Wert unter 50 µg/g macht einen Dünndarmbefall sehr unwahrscheinlich, schließt ihn aber nicht aus.
Medikamente: NSAR, ASS und Säureblocker
Der am längsten bekannte Störfaktor sind nicht steroidale Antirheumatika. Eine britische Studie aus dem Jahr 1999 untersuchte 312 Menschen unter 18 verschiedenen NSAR: 44 Prozent hatten eine messbare Dünndarmentzündung, und bei einem Fünftel davon lagen die Calprotectin-Werte so hoch wie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Der Effekt war unabhängig von Wirkstoff und Dosis. Das Universitätsklinikum Ulm führt NSAR deshalb ausdrücklich als Einflussfaktor.
Eine schwedische Untersuchung an 590 Menschen mit unauffälliger Darmspiegelung zeigte 2019, wie breit das Problem ist: 36 Prozent hatten Calprotectin über 50 µg/g. Protonenpumpenhemmer erhöhten die Wahrscheinlichkeit dafür um das 3,8-Fache, NSAR um das 2,4-Fache, Acetylsalicylsäure um das 2,9-Fache. Eine Folgestudie derselben Arbeitsgruppe mit 431 Reizdarm-Patientinnen und -Patienten fand 2025 unter Protonenpumpenhemmern einen Medianwert von 66 statt 23 µg/g, unter NSAR 57 statt 25 µg/g. Je länger die letzte Verordnung zurücklag, desto niedriger war der Wert.
Infektionen, Alter und andere Ursachen
Eine Magen-Darm-Infektion treibt den Wert genauso nach oben wie eine chronische Entzündung. Beide Leitlinien verlangen deshalb bei der Erstdiagnostik und bei jedem Schub den Ausschluss einer Infektion, einschließlich Clostridioides difficile, bei Reiserückkehrern auch landestypische Erreger.
Das Alter zählt in beide Richtungen. Bei Kindern unter vier Jahren sind die Werte laut Ulmer Leistungsverzeichnis leicht erhöht, sodass die Ergebnisse dort möglicherweise nicht anwendbar sind. In der schwedischen Studie stieg die Wahrscheinlichkeit für einen erhöhten Wert mit jedem Lebensjahr um etwa fünf Prozent.
Die Probe: Zeitpunkt, Konsistenz, Lagerung
Eine schwedische Studie mit 18 Patientinnen und Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa und 287 Stuhlproben zeigte 2015, wie stark der Wert innerhalb eines Tages schwankt: Der mittlere individuelle Variationskoeffizient lag bei 52 Prozent. Je länger die Zeit seit dem letzten Stuhlgang, desto höher der Wert. Die Autoren empfehlen deshalb den ersten Stuhlgang am Morgen. Nach drei Tagen bei Raumtemperatur war der Wert unverändert, nach sieben Tagen im Mittel um 28 Prozent gesunken.
Das Ulmer Labor nimmt Proben nur im Extraktionsröhrchen CALEX Cap an, das den Stuhl 1:500 verdünnt. Proben in anderen Gefäßen werden dort ohne Messung entsorgt.
Graubereich: Warum ein Wert allein nicht reicht
Die Grenzwerte hängen vom Labor, vom Test und von der Fragestellung ab. Ulm gibt für die Abgrenzung zwischen entzündlicher und funktioneller Erkrankung unter 80 µg/g als normal an, 80 bis 160 µg/g als Graubereich mit Folgemessung nach vier bis sechs Wochen und über 160 µg/g als erhöht. Für die Verlaufskontrolle bei bekannter Darmerkrankung gelten dort unter 100 µg/g als niedriges Rezidivrisiko, 100 bis 300 µg/g als Anlass für engere Kontrolle, über 300 µg/g als Grund für eine Wiederholung.
Die Colitis-ulcerosa-Leitlinie empfiehlt 150 mg/g als Grenze für die endoskopische Remission und nennt 100 bis 250 mg/g als Grauzone mit begrenzter Verlässlichkeit. In der Morbus-Crohn-Leitlinie heißt es, über den optimalen Grenzwert bestehe weiterhin keine Klarheit; in der CALM-Studie galten 250 µg/g als positiv, in anderen Studien 100 µg/g.
Was Ärztinnen bei einem unklar erhöhten Wert tun
Aus den Quellen ergibt sich eine Reihenfolge: Medikamente abfragen, vor allem NSAR, ASS und Protonenpumpenhemmer. Infektionen ausschließen. Die Messung nach vier bis sechs Wochen wiederholen, mit der ersten Stuhlprobe des Tages im richtigen Röhrchen. Bleibt der Wert erhöht, folgt laut Leitlinie eine Darmspiegelung mit Biopsien. Umgekehrt erlaubt die hohe Spezifität, bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit eine Darmerkrankung weitgehend auszuschließen; nach der Rechnung der Morbus-Crohn-Leitlinie würde so nur bei zwei Prozent eine Erkrankung übersehen.
Häufige Fragen
Kann Ibuprofen den Calprotectin-Wert verfälschen?
Ja. NSAR sind der am besten belegte Störfaktor: 44 Prozent der Dauernutzer hatten in einer Studie eine messbare Darmentzündung, unabhängig von Wirkstoff und Dosis.
Erhöhen Pantoprazol oder Omeprazol den Wert?
Ja. Protonenpumpenhemmer erhöhten in einer Studie an Menschen mit normaler Darmspiegelung die Wahrscheinlichkeit für einen Wert über 50 µg/g um das 3,8-Fache.
Verfälscht ein Magen-Darm-Infekt das Ergebnis?
Ja. Calprotectin unterscheidet laut Leitlinien nicht zwischen infektiösem Durchfall und chronischer Darmentzündung.
Wie lange ist eine Stuhlprobe haltbar?
Bei Raumtemperatur drei Tage ohne Veränderung; nach sieben Tagen sank der Wert in einer Studie um 28 Prozent.
Wann sollte die Probe genommen werden?
Aus dem ersten Stuhlgang am Morgen, weil der Wert mit der Zeit seit dem letzten Stuhlgang steigt.
Quellen
- DGVS: S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 7.0, November 2025), AWMF-Register 021-009, Empfehlungen 1.8 und 1.11 — abgerufen am 11. September 2026
- DGVS: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn (Version 4.1, März 2024), AWMF-Register 021-004, Empfehlungen 1.5, 1.6 und 1.15 — abgerufen am 11. September 2026
- Universitätsklinikum Ulm, Klinische Chemie: Leistungsverzeichnis fäkales Calprotectin (Revision 001, 09.09.2024) — abgerufen am 11. September 2026
- Lundgren D. et al.: Proton pump inhibitor use is associated with elevated faecal calprotectin levels. Scand J Gastroenterol 2019; 54: 152-157 (PubMed-ID 30676120) — abgerufen am 11. September 2026
- Sandberg-Janzon A., Karling P.: Prescription of NSAIDs and proton pump inhibitors are associated with increased faecal calprotectin levels. Scand J Gastroenterol 2025; 60: 635-642 (PubMed-ID 40438967) — abgerufen am 11. September 2026
- Lasson A. et al.: The intra-individual variability of faecal calprotectin. J Crohns Colitis 2015; 9: 26-32 (PubMed-ID 25008478) — abgerufen am 11. September 2026
- Tibble J.A. et al.: High prevalence of NSAID enteropathy as shown by a simple faecal test. Gut 1999; 45: 362-366 (PubMed-ID 10446103) — abgerufen am 11. September 2026
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Geschrieben von Sebastian Reil fuer gesundheitscenter.net. Der Text ersetzt kein Gespraech mit einer Aerztin oder einem Arzt.

Sebastian schreibt über Vorsorge und Alltagsgesundheit, ohne Alarm zu schlagen. Seine Beiträge enden mit einem klaren nächsten Schritt.

