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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Famenita 100 mg enthält mikronisiertes Progesteron, das chemisch mit dem Gelbkörperhormon des Körpers identisch ist. Zugelassen ist es laut Fachinformation für zwei Situationen: Zyklusstörungen durch Progesteronmangel und als Gestagen-Zusatz zu einer Östrogentherapie in den Wechseljahren bei Frauen mit Gebärmutter. Dort schützt es die Gebärmutterschleimhaut vor dem Wachstumsreiz des Östrogens. Eine Behandlung von Hitzewallungen allein mit Famenita ist nicht Teil der Zulassung. Häufig (1 bis 10 von 100) sind Zyklusveränderungen, Zwischenblutungen und Kopfschmerzen, gelegentlich Schläfrigkeit und Schwindel, weshalb die Kapsel abends genommen wird.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Schwellung oder Schmerz in einem Bein, plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz, plötzlichen starken Kopfschmerzen, Sehverschlechterung oder Doppeltsehen sowie Gelbfärbung der Haut gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Famenita ist verschreibungspflichtig und wird von Exeltis Germany vertrieben; es gibt
Weichkapseln mit 100 mg und 200 mg. Dieser Text folgt der Fachinformation (Stand Januar
2019) und der S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause der Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologie und Geburtshilfe.
Was Progesteron im Körper macht
Progesteron wird im natürlichen Zyklus nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet. Es
wirkt vor allem auf Gewebe, das vorher durch Östrogen vorbereitet wurde, und wandelt
die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut in eine sekretorische, abbruchbereite Schleimhaut
um. Genau das nutzt die Hormontherapie: Östrogen allein lässt die Schleimhaut wachsen und
erhöht das Risiko für Wucherungen und Gebärmutterkrebs; die zusätzliche Progesterongabe
senkt dieses Risiko laut Fachinformation deutlich.
Nach dem Schlucken wird Progesteron rasch aufgenommen, die höchste Konzentration im
Blut ist nach 1 bis 3 Stunden erreicht. Die Leitlinie nennt eine orale Bioverfügbarkeit
von unter 10 % mit großen Schwankungen zwischen Frauen. Ein Teil wird in Darm und Leber
zum Neurosteroid Allopregnanolon umgebaut, das am GABA-A-Rezeptor dämpfend wirkt. Das
erklärt die Schläfrigkeit, die manche Frauen nach der Einnahme spüren.
Wofür Famenita zugelassen ist und wofür nicht
Die Fachinformation nennt zwei Anwendungsgebiete: Zyklusstörungen durch eine
Progesteroninsuffizienz, insbesondere unregelmäßige Menstruationszyklen, und die
Zusatztherapie im Rahmen einer Östrogensubstitution in der Menopause bei Frauen mit
intaktem Uterus. Die Leitlinie bestätigt das Prinzip: Bei Frauen mit Gebärmutter ist zu
Estradiol die dosisgerechte Gabe von Progesteron oder eines synthetischen Gestagens
angezeigt, entweder durchgehend oder sequenziell für 12 bis 14 Tage pro Monat.
Zur Progesteron-Monotherapie gegen Hitzewallungen schreibt die Leitlinie, dass einzelne
randomisierte Studien einen Nutzen andeuten, die Datenlage insgesamt aber ungenügend
ist. Eine Meta-Analyse aus neun Studien fand Verbesserungen einzelner Schlafparameter.
Bei den Gefäßrisiken hält die Leitlinie mikronisiertes Progesteron und Dydrogesteron für
geeignete Gestagene zur Kombination mit Östrogen. Als Verhütungsmittel ist Famenita laut
Fachinformation nicht geeignet.
Was die Fachinformation zur Dosis sagt
Bei Lutealinsuffizienz nennt die Fachinformation 200 bis 300 mg täglich über 10 Tage
pro Zyklus, üblicherweise vom 17. bis zum 26. Zyklustag, als eine Dosis abends oder
aufgeteilt in 200 mg abends und 100 mg morgens. In den Wechseljahren sind es 200 mg als
Einzeldosis vor dem Schlafengehen an mindestens 12 bis 14 Tagen im Monat, also in den
letzten zwei Wochen des Behandlungszyklus; in der Woche ohne Hormone können
Entzugsblutungen auftreten. Die Kapsel wird unabhängig von Mahlzeiten, am besten abends,
eingenommen. Welche Dosis und welches Schema für dich passt, legt deine Frauenärztin
fest.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Häufig (1 bis 10 von 100): Änderungen im Menstruationszyklus,
Ausbleiben der Blutung, Zwischenblutungen und Kopfschmerzen. Gelegentlich
(1 bis 10 von 1.000): Brustspannen, Schläfrigkeit, vorübergehendes Schwindelgefühl,
Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Gallenstauung mit Gelbsucht, Juckreiz und Akne.
Selten (1 bis 10 von 10.000): Übelkeit. Sehr selten
(weniger als 1 von 10.000): Depression, Nesselsucht und Chloasma, also bräunliche
Hautflecken. Allergische Reaktionen sind sehr selten.
Schläfrigkeit und Schwindel treten laut Fachinformation vor allem dann auf, wenn
gleichzeitig ein Östrogenmangel besteht; sie verschwinden, wenn die Dosis gesenkt oder
die Östrogengabe verstärkt wird. Wird zu früh im Zyklus begonnen, vor allem vor dem 15.
Tag, kann sich der Zyklus verkürzen. Für die kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie
verweist die Fachinformation auf die Risiken, die in den Fachinformationen der
Östrogenpräparate beschrieben sind: venöse Thrombosen und Lungenembolie, Herzinfarkt und
Schlaganfall, Gallenblasenerkrankungen, Brustkrebs und eine wahrscheinliche Demenz.
Gegenanzeigen, Warnzeichen und Wechselwirkungen
Famenita darf nicht eingenommen werden bei ungeklärten Scheidenblutungen, schwerer
Leberfunktionsstörung, Lebertumoren, bekanntem oder vermutetem Brust- oder
Genitalkrebs, früheren oder bestehenden Thromboembolien, Hirnblutungen und Porphyrie.
Wer früher eine Venenthrombose hatte, muss engmaschig kontrolliert werden. Die
Fachinformation verlangt, das Mittel abzusetzen bei Sehverschlechterung, Doppeltsehen
oder Netzhautgefäßschäden, bei jedem thrombotischen Ereignis und bei starken
Kopfschmerzen. Blutungen, die später in der Therapie neu auftreten, müssen abgeklärt
werden, notfalls mit einer Gewebeprobe der Gebärmutterschleimhaut.
Wirkstoffe, die das Leberenzym CYP3A4 anregen, beschleunigen den Abbau von
Progesteron: Barbiturate, Phenytoin, Carbamazepin, Rifampicin, Spironolacton,
Griseofulvin und Johanniskraut. Ketoconazol und andere CYP3A4-Hemmer erhöhen die
Verfügbarkeit. Gestagene können bei Diabetes die Glukosetoleranz verschlechtern.
Progesteron gilt in der Schwangerschaft laut Fachinformation nicht als fruchtschädigend,
in der Stillzeit soll Famenita nicht angewendet werden. Wer Auto fährt, sollte wissen,
dass die Kapsel benommen machen kann; die Einnahme vor dem Schlafengehen beugt dem
vor.
Häufige Fragen
Hilft Famenita 100 gegen Hitzewallungen?
Das ist nicht Teil der Zulassung. Die S3-Leitlinie bewertet die Datenlage zur Progesteron-Monotherapie bei Hitzewallungen als ungenügend. Zugelassen ist Famenita als Gestagen-Zusatz zu einer Östrogentherapie.
Warum soll ich Famenita abends nehmen?
Weil Progesteron gelegentlich schläfrig und schwindelig macht. Die Fachinformation empfiehlt die Einnahme vor dem Schlafengehen, unabhängig von Mahlzeiten.
Gibt es Famenita auch als Creme?
Nein. Famenita gibt es laut Fachinformation nur als Weichkapseln mit 100 mg und 200 mg zum Einnehmen.
Kann ich mit Famenita verhüten?
Nein. Die Fachinformation schließt die Anwendung als Verhütungsmittel ausdrücklich aus.
Was passiert, wenn ich zu früh im Zyklus beginne?
Beginnt die Einnahme vor dem 15. Zyklustag, kann sich der Zyklus verkürzen oder es kommt zu Blutungen. Die Fachinformation nennt für die Lutealphase üblicherweise den 17. bis 26. Tag.
Darf ich Famenita in der Schwangerschaft nehmen?
Laut Fachinformation zeigen umfangreiche Daten keine fruchtschädigende Wirkung von Progesteron. Ob eine Einnahme in deinem Fall sinnvoll ist, entscheidet deine Frauenärztin. In der Stillzeit soll Famenita nicht verwendet werden.
Quellen
- Fachinformation Famenita 100 mg/200 mg Weichkapseln (Exeltis Germany, Stand Januar 2019), Abschnitte 4.1 bis 5.2 — abgerufen am 10. September 2026
- Gelbe Liste: Famenita 100 mg Weichkapseln, Produktinformation — abgerufen am 10. September 2026
- AWMF-Leitlinienregister: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause — Diagnostik und Interventionen (015-062), Abschnitte 3.6.2, 4.1 und Empfehlung 6.6 — abgerufen am 10. September 2026
- Ortmann O. et al.: Peri- and postmenopause — diagnosis and interventions, interdisciplinary S3 guideline (AWMF 015/062), short version. Arch Gynecol Obstet 2020 (Volltext bei PubMed Central) — abgerufen am 10. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Nebenwirkungen melden — abgerufen am 10. September 2026
Von Dr. Katrin Vogt, Redaktion gesundheitscenter.net. Studienlage und Grenzen der Evidenz werden im Text benannt.

Katrin hat lange in einer Apotheke gearbeitet und erklärt hier Blutwerte, Wirkstoffe und Nebenwirkungen in ruhigen Worten. Wenn etwas in die Praxis gehört, sagt sie das.
