Kesimpta Nebenwirkungen: Häufigkeit und Warnzeichen

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 7 Min.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 7 Minuten

Die häufigsten Kesimpta Nebenwirkungen sind Infektionen der oberen Atemwege, Reaktionen an der Einstichstelle und systemische Reaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen oder Schüttelfrost nach einer Injektion. Die Fachinformation führt sie als sehr häufig auf. Die meisten Beschwerden sind leicht bis mittelschwer und treten vor allem nach der ersten Spritze auf.

Kurzantwort: Sehr häufig sind Infekte der oberen Atemwege (39,4 %), systemische Reaktionen (20,6 %), Harnwegsinfekte (11,9 %) und Reaktionen an der Einstichstelle (10,9 %). Schwere Verläufe sind selten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kesimpta enthält den Antikörper Ofatumumab und senkt die Zahl der B-Zellen.
  • Systemische Reaktionen treten meist nach der ersten Injektion auf und klingen oft innerhalb von 24 Stunden ab.
  • Vor Beginn gehören ein Hepatitis-B-Test und ein Blick auf den Impfstatus dazu.
  • Frauen im gebärfähigen Alter sollen bis 2 Monate nach der letzten Gabe zuverlässig verhüten.

Kesimpta Nebenwirkungen: Was der Wirkstoff im Körper bewirkt

Kesimpta ist ein Fertigpen oder eine Fertigspritze mit 20 mg Ofatumumab in 0,4 ml Lösung. Ofatumumab ist ein monoklonaler Antikörper. Er bindet an das Eiweiß CD20 auf B-Lymphozyten und löst deren Abbau aus. B-Zellen spielen bei der Multiplen Sklerose eine Rolle im Entzündungsgeschehen.

Zugelassen ist das Mittel für Erwachsene mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose und aktiver Erkrankung. Die Fachinformation sieht drei wöchentliche Startgaben vor. Ab Woche 4 folgt eine Injektion pro Monat. Wer sich das Mittel selbst spritzt, lässt die erste Injektion von geschultem Fachpersonal begleiten. Menge und Rhythmus legt die behandelnde Neurologin oder der Neurologe fest.

Weil der Antikörper B-Zellen verringert, ergeben sich die typischen Nebenwirkungen. Das Immunsystem reagiert auf die Spritze und ist danach für Infektionen etwas anfälliger.

Häufige Nebenwirkungen im Überblick

Nebenwirkung Häufigkeit laut Fachinformation Typische Anzeichen
Infektionen der oberen Atemwege sehr häufig Schnupfen, Halsschmerzen, Grippe
Systemische Reaktionen nach der Injektion sehr häufig Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Müdigkeit
Harnwegsinfektionen sehr häufig Brennen beim Wasserlassen
Reaktionen an der Einstichstelle sehr häufig Rötung, Schmerz, Juckreiz, Schwellung
Oraler Herpes häufig Bläschen an den Lippen
Übelkeit und Erbrechen häufig meist zusammen mit Injektionsreaktionen
Erhöhte Leberwerte häufig nur im Bluttest sichtbar
Erniedrigtes Immunglobulin M häufig nur im Bluttest sichtbar

Sehr häufig bedeutet bei einem von zehn Behandelten oder öfter. In den Zulassungsstudien erlitten 39,4 % der Patienten mit Kesimpta einen Infekt der oberen Atemwege. Unter dem Vergleichsmittel Teriflunomid waren es 37,8 %. Die Gesamtrate an Infektionen lag mit 51,6 % und 52,7 % ähnlich hoch. Schwere Infektionen betrafen 2,5 % unter Kesimpta und 1,8 % unter Teriflunomid.

Reaktionen nach der Spritze: Fieber, Kopfschmerz, Schüttelfrost

Systemische injektionsbedingte Reaktionen traten bei 20,6 % der Behandelten auf. Nach der ersten Injektion waren es 14,4 %. Nach der zweiten sank der Anteil auf 4,4 %, ab der dritten lag er unter 3 %. 99,8 % der Reaktionen waren leicht bis mittelschwer. Lebensbedrohliche Verläufe wurden in den Studien nicht berichtet.

Am häufigsten genannt werden Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schüttelfrost und Müdigkeit. Sie zeigen sich meist innerhalb von 24 Stunden. Lokale Reaktionen an der Einstichstelle betrafen 10,9 % der Behandelten. Sie waren alle leicht bis mittelschwer. Eine Vorbehandlung mit Steroiden ist laut Fachinformation nicht erforderlich, weil sie nur begrenzt nutzte. Treten Reaktionen auf, lassen sie sich symptomatisch behandeln.

Kurzantwort: Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost nach der ersten Kesimpta-Spritze gehören zu den bekannten Reaktionen. Bei Atemnot, Hautausschlag mit Quaddeln oder Schwellung von Zunge oder Rachen sofort den Notruf 112 wählen.

Seltene und schwere Nebenwirkungen

Nach der Markteinführung wurden Überempfindlichkeitsreaktionen gemeldet. Dazu zählen Hautausschlag, Nesselsucht, Atemnot und Schwellungen von Zunge, Rachen oder Kehlkopf. In seltenen Fällen kam es zu einer Anaphylaxie. Einige Fälle führten zum Abbruch der Therapie. Andere Betroffene konnten die Behandlung ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen.

Die Fachinformation nennt zwei weitere Risiken, die bei Antikörpern gegen CD20 bekannt sind. Die erste ist die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), eine seltene Infektion des Gehirns durch das JC-Virus. Fälle wurden bei Patienten beobachtet, die CD20-Antikörper, andere MS-Therapien oder Ofatumumab in deutlich höheren Krebsdosen erhielten. Bei Verdacht auf PML wird die Behandlung unterbrochen. Die zweite ist die Reaktivierung einer Hepatitis B. Sie führte bei anderen Anti-CD20-Antikörpern in einigen Fällen zu Leberversagen.

Wer Kesimpta nicht erhalten sollte

Die Fachinformation nennt vier Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil, stark geschwächte Abwehr, eine schwere aktive Infektion und eine bekannte aktive Krebserkrankung. Bei einer akuten Infektion wird die Injektion verschoben, bis sie abgeklungen ist.

Vor dem Start empfiehlt die Fachinformation, den Immunstatus zu bestimmen. Alle Patienten sollen auf Hepatitis B getestet werden. Fällt der Test positiv aus, steht vorab ein Besuch bei einer Hepatologin oder einem Hepatologen an. Andere Immunsuppressiva sollen nicht gleichzeitig eingesetzt werden. Ausgenommen sind Kortikosteroide zur Behandlung eines akuten Schubs. Ob weitere Mittel zusammenpassen, klären Neurologie und Apotheke anhand der gesamten Medikationsliste. Ein Beispiel für ein anderes Mittel mit Einfluss auf die Abwehr ist Rinvoq.

Impfungen, Schwangerschaft und Kinder

Lebendimpfstoffe sollen mindestens 4 Wochen vor Beginn der Therapie erfolgen. Inaktivierte Impfstoffe sollen möglichst 2 Wochen vor der ersten Gabe erfolgen. Während der Behandlung und nach dem Absetzen bis zur Erholung der B-Zellen werden Lebendimpfstoffe nicht empfohlen. Die B-Zellen erreichen im Median nach 24,6 Wochen wieder ihren unteren Normwert. Inaktivierte Impfstoffe wirken unter Umständen schwächer. Zur Hepatitis-B-Impfung informiert der Beitrag Hepatitis-B-Impfstoff Nebenwirkungen.

Frauen im gebärfähigen Alter sollen während der Behandlung und bis 2 Monate nach der letzten Gabe eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. In der Schwangerschaft soll Kesimpta vermieden werden, es sei denn, der Nutzen für die Mutter überwiegt das Risiko für das Kind. Säuglinge von behandelten Müttern erhalten Lebendimpfstoffe erst, wenn ihre B-Zellzahl im Normbereich liegt. Für Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen.

Anzeichen ernst nehmen und Kontrollen einhalten

Wer Anzeichen einer Infektion bemerkt, informiert die Neurologie, bevor die nächste Injektion ansteht. Dazu zählen Fieber, Husten, Brennen beim Wasserlassen oder Bläschen an den Lippen. Wie sich ein Lippenherpes verhält, erklärt ein eigener Beitrag.

Welche Kontrolltermine nötig sind, legt die Neurologie fest. Laborwerte wie Leberenzyme und Immunglobulin M können sich unter der Therapie verändern. Ein Immunglobulin-M-Wert unter 0,34 g/l ergab sich bei 14,3 % der Behandelten. Ein Zusammenhang mit einem höheren Infektionsrisiko ließ sich in den Studien nicht zeigen.

Fazit

In den Zulassungsstudien waren die Nebenwirkungen überwiegend leicht bis mittelschwer. Am häufigsten sind Atemwegsinfekte, Reaktionen nach der ersten Spritze und Beschwerden an der Einstichstelle. Seltene Risiken wie PML und eine Hepatitis-B-Reaktivierung sind der Grund für die Voruntersuchungen. Wer sich unsicher fühlt, spricht Beschwerden bei der Neurologin oder dem Neurologen an. Das gilt besonders vor Impfungen und bei Kinderwunsch. Weitere Antikörper-Medikamente beschreiben die Beiträge zu Adalimumab und zu Aimovig.

FAQ – Häufige Fragen

Welche Nebenwirkungen hat Kesimpta am häufigsten?

Infektionen der oberen Atemwege, systemische Reaktionen nach der Spritze, Harnwegsinfektionen und Reaktionen an der Einstichstelle. Die Fachinformation führt alle vier als sehr häufig auf.

Wie oft wird Kesimpta gespritzt?

Laut Fachinformation sind drei wöchentliche Startgaben vorgesehen. Ab Woche 4 folgt eine Injektion pro Monat. Der Rhythmus liegt bei der behandelnden Neurologie.

Wann treten Fieber und Schüttelfrost auf?

Meist innerhalb von 24 Stunden nach der Injektion und überwiegend nach der ersten. Bei der zweiten Spritze waren es nur noch 4,4 %.

Erhöht Kesimpta das Infektionsrisiko?

Die Gesamtrate an Infektionen lag in den Studien bei 51,6 % und damit ähnlich wie unter Teriflunomid mit 52,7 %. Atemwegs- und Harnwegsinfekte kommen sehr häufig vor.

Kann Kesimpta eine PML auslösen?

Die Fachinformation warnt vor PML als Risiko bei CD20-Antikörpern. Fälle wurden bei anderen CD20-Antikörpern und höheren Krebsdosen von Ofatumumab beobachtet. Bei Verdacht wird die Therapie unterbrochen.

Warum wird vor Kesimpta auf Hepatitis B getestet?

CD20-Antikörper können eine Hepatitis B reaktivieren. Das kann zu Leberversagen führen. Deshalb untersucht die Ärztin vor dem Start alle Patienten.

Sind Impfungen unter Kesimpta möglich?

Inaktivierte Impfstoffe sind möglich, wirken aber unter Umständen schwächer. Lebendimpfstoffe werden während der Therapie und bis zur Erholung der B-Zellen nicht empfohlen.

Darf Kesimpta in der Schwangerschaft angewendet werden?

Die Anwendung soll vermieden werden, außer der Nutzen überwiegt das Risiko. Verhütung ist bis 2 Monate nach der letzten Gabe vorgesehen. Die Entscheidung trifft die Neurologie gemeinsam mit der Patientin.

Ist Kesimpta für Kinder zugelassen?

Nein. Die Zulassung gilt für Erwachsene. Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen von 0 bis 18 Jahren sind nicht erwiesen.

Wann ist ein Notruf nötig und wann genügt ein Anruf in der Praxis?

Bei Atemnot, Schwellung von Zunge oder Rachen, Nesselsucht oder Kreislaufbeschwerden nach der Spritze gilt der Notruf 112. Bei Fieber, Husten oder Brennen beim Wasserlassen genügt ein Anruf in der Neurologie.

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Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden klärt eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache.

Quellen

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