L-Thyroxin 75: Levothyroxin-Tabletten bei Schilddrüsenerkrankungen

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 7 Min.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 7 Minuten

L-Thyroxin 75 enthält 75 Mikrogramm Levothyroxin-Natrium, das künstliche Schilddrüsenhormon. Es dient dem Hormonersatz bei Unterfunktion und ist zudem bei Kropf, zur Kropfvorbeugung und bei Schilddrüsenkrebs zugelassen. Die Tabletten werden morgens nüchtern eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen.

Kurzantwort: L-Thyroxin 75 ist ein verschreibungspflichtiges Schilddrüsenhormon. Die Tabletten gehören morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor das Frühstück. Die TSH-Werte steuern die Einstellung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wirkstoff ist Levothyroxin-Natrium, 75 Mikrogramm je Tablette.
  • Anwendungsgebiete sind Unterfunktion, Kropf, Kropfvorbeugung und Schilddrüsenkrebs.
  • Eisen, Calcium, Antazida und Kaffee senken die Aufnahme, daher Abstand halten.
  • Zur Gewichtsabnahme sind Schilddrüsenhormone nicht geeignet.

Wirkstoff und Wirkprinzip

Der Wirkstoff heißt Levothyroxin-Natrium. Eine Tablette L-Thyroxin 75 enthält 75 Mikrogramm. Das synthetische Hormon ist in seiner Wirkung mit dem natürlichen Hormon identisch, das die Schilddrüse hauptsächlich bildet. Der Körper unterscheidet zwischen eigenem und eingenommenem Levothyroxin nicht. Er wandelt es teilweise in Liothyronin (T3) um, besonders in Leber und Niere. Über die T3-Rezeptoren in den Zellen wirkt das Hormon auf Entwicklung, Wachstum und Stoffwechsel. Der ATC-Code lautet H03AA01.

Die hier beschriebenen Angaben stammen aus der Fachinformation von L-Thyroxin Henning 25 bis 200 (Stand Juni 2023). Levothyroxin vertreiben viele Hersteller mit eigenen Handelsnamen. Die Tabletten sind verschreibungspflichtig. Die Tabletten sind weiß, rund, teilbar und tragen die Prägung 3L für die 75er-Stärke. Sie halten bei dieser Stärke 2 Jahre und lagern nicht über 25 °C.

Wofür L-Thyroxin 75 eingesetzt wird

Die Fachinformation nennt für alle Stärken fünf Anwendungsgebiete. Die erste ist die Hormonersatzbehandlung bei Hypothyreose jeder Ursache. Die zweite ist die Vorbeugung eines erneuten Kropfes nach einer Operation bei normaler Schilddrüsenfunktion. Die dritte ist die Behandlung eines gutartigen Kropfes bei normaler Schilddrüsenfunktion. Hinzu kommt die Begleittherapie zur thyreostatischen Behandlung einer Überfunktion, sobald sie normalisiert ist. Fünftens dient Levothyroxin der Suppressions- und Substitutionstherapie bei Schilddrüsenkrebs, vor allem nach Entfernung der Schilddrüse. Die höheren Stärken dienen zusätzlich dem Schilddrüsensuppressionstest. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist also ein Anwendungsgebiet unter mehreren.

Gesundheitsinformation.de beschreibt die Hypothyreose als Zustand, in dem die Schilddrüse zu wenige Hormone bildet. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Hautveränderungen und Verstopfung zählen zu den Beschwerden. Meist liegt eine chronische Entzündung wie die Hashimoto-Thyreoiditis zugrunde. Das Medikament bringt die Hormonwerte in den Normbereich. Die Beschwerden verschwinden dann in der Regel vollständig. Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, dauert es etwa 2 bis 3 Monate. Zum Begriff normaler Funktion informiert der Beitrag zur euthyreoten Stoffwechsellage, zur Knotenbildung der Beitrag zur Struma multinodosa.

Kurzantwort: L-Thyroxin 75 ersetzt oder ergänzt Schilddrüsenhormon. Zugelassen ist es bei Unterfunktion, Kropf, Kropfvorbeugung und Schilddrüsenkrebs. Für die Gewichtsabnahme ist es nicht gedacht.

Einnahme und Dauer

Die gesamte Tagesmenge wird morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück unzerkaut mit Flüssigkeit genommen. Das hat einen Grund. Wird die Tablette zu einer Mahlzeit gegeben, sinkt die Aufnahme deutlich. Nüchtern wird Levothyroxin zu maximal 80 % aus dem oberen Dünndarm aufgenommen. Die höchste Konzentration im Blut ist nach 2 bis 3 Stunden erreicht. Die Wirkung setzt zu Beginn einer oralen Therapie nach 3 bis 5 Tagen ein. Die Halbwertszeit beträgt etwa 7 Tage, bei Hypothyreose 9 bis 10 Tage.

Wie viel eingenommen wird, bestimmen Laborwerte und klinische Untersuchung. Die Fachinformation verweist auf die Serum-TSH-Konzentration als besser geeignet zur Überwachung. Bei älteren Patienten, bei koronarer Herzkrankheit und bei schwerer oder lang bestehender Unterfunktion beginnt die Behandlung besonders vorsichtig, mit einer niedrigen Anfangsmenge, die langsam gesteigert wird. Bei Hypothyreose und nach Schilddrüsenkrebs dauert die Behandlung meist lebenslang. Bei Kropf und Kropfvorbeugung sind es einige Monate oder Jahre bis lebenslang. Für die Behandlung eines euthyreoten Kropfes sind 6 Monate bis 2 Jahre nötig. Bringt sie in dieser Zeit keinen Erfolg, werden andere Möglichkeiten erwogen. Die Tabletten können auch in etwas Wasser aufgelöst gegeben werden, die Suspension wird jedes Mal frisch bereitet.

Ein einmal festgelegtes Behandlungsschema ändert die Ärztin nur unter engmaschiger Kontrolle. Das gilt auch bei einem Wechsel auf ein anderes Schilddrüsenhormonpräparat. Gesundheitsinformation.de nennt die Kontrolle der Werte in den ersten Wochen regelmäßig, später meist einmal im Jahr.

Wechselwirkungen und Abstände

Mehrere Stoffe hemmen die Aufnahme von Levothyroxin. Aluminiumhaltige Antazida, Sucralfat, Eisenpräparate und Calciumcarbonat werden mindestens 2 Stunden nach L-Thyroxin genommen. Ionenaustauscherharze wie Colestyramin kommen erst 4 bis 5 Stunden danach. Colesevelam wird mindestens 4 Stunden später genommen. Zwischen Levothyroxin und Kaffee liegen eine halbe bis eine Stunde. Wer seine Kaffeegewohnheiten ändern will, spricht vorher mit der Ärztin. Sojaprodukte können die Aufnahme ebenfalls verringern. Orlistat kann eine Hypothyreose auslösen oder die Kontrolle verschlechtern.

Protonenpumpenhemmer wie in Pantoprazol können die Aufnahme der Schilddrüsenhormone senken. Dann ist eine regelmäßige Kontrolle empfohlen, eine Dosiserhöhung kann nötig sein. Auch Sertralin und Chloroquin mindern die Wirksamkeit. Enzyminduzierende Mittel wie Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Barbiturate und Johanniskraut erhöhen die Ausscheidung.

Levothyroxin kann die Wirkung von Antidiabetika wie Metformin, Glimepirid, Glibenclamid und Insulin vermindern. Bei Diabetes ist der Blutzucker besonders zu Beginn und am Ende der Hormontherapie zu kontrollieren. Die Wirkung von Cumarinen kann verstärkt sein, die Gerinnung wird kontrolliert. Amiodaron und iodhaltige Kontrastmittel können eine Überfunktion oder Unterfunktion auslösen. Semaglutid kann die Levothyroxin-Aufnahme beeinflussen. Hoch dosiertes Biotin kann Schilddrüsentests verfälschen. Laborpersonal soll deshalb informiert werden.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die Nebenwirkungen entsprechen Symptomen einer Überfunktion. Sehr häufig nennt die Fachinformation Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen. Häufig sind Hyperthyreoidismus, Tachykardie und Nervosität. Nicht bekannt in der Häufigkeit sind Herzrhythmusstörungen, Tremor, innere Unruhe, Muskelschwäche, Durchfall, Erbrechen, Hitzeunverträglichkeit, Menstruationsstörungen und Gewichtsabnahme. Wird eine Stärke nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, wird die Tagesmenge reduziert oder die Einnahme für mehrere Tage unterbrochen. Dann kann die Behandlung vorsichtig wieder beginnen. Bei allergischen Reaktionen, auch Angioödem, wird die Behandlung abgebrochen.

Nicht angewendet werden darf L-Thyroxin bei Überempfindlichkeit, bei unbehandelter Hyperthyreose, bei unbehandelter Nebennierenrinden- oder Hypophysenschwäche und bei akutem Herzinfarkt, akuter Myokarditis oder akuter Pankarditis. Vor Beginn sind koronare Herzkrankheit, Angina pectoris, Bluthochdruck, Nebennieren- und Hypophyseninsuffizienz und Schilddrüsenautonomie auszuschließen oder zu behandeln. Bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Osteoporoserisiko wird die niedrigste wirksame Menge angestrebt. Schilddrüsenhormone dürfen nicht zur Gewichtsreduktion gegeben werden. Höhere Mengen können lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen, vor allem zusammen mit Sympathomimetika.

Schwangerschaft und Stillzeit

In Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen konsequent durchzuführen. Schilddrüsenhormonspiegel im Normbereich sind wichtig für Mutter und Kind. Unerwünschte Wirkungen von Levothyroxin auf Schwangerschaft oder Kind sind trotz umfangreicher Anwendung nicht bekannt geworden. Der Bedarf kann östrogenbedingt steigen. Bei Schwangeren mit Levothyroxin soll der TSH-Wert in jedem Trimester gemessen werden. Schon in der vierten Schwangerschaftswoche können erhöhte TSH-Werte auftreten. Nach der Geburt wird die Menge wieder auf den Stand vor der Schwangerschaft gebracht. 6 bis 8 Wochen später folgt eine TSH-Kontrolle. Levothyroxin geht in die Muttermilch über. Die Konzentrationen reichen bei therapeutischer Dosis nicht aus, um beim Säugling eine Überfunktion zu verursachen. Mit einer Variante mit Jodid befasst sich der Beitrag Thyronajod, mit einer Kombination aus T4 und T3 der Beitrag Novothyral sowie mit einer anderen Marke der Beitrag L-Thyroxin Henning.

Fazit

L-Thyroxin 75 gleicht einen Hormonmangel aus. Bei richtiger Menge treten laut Gesundheitsinformation.de praktisch keine Nebenwirkungen auf. Entscheidend sind die Einnahme nüchtern, der Abstand zu anderen Mitteln und regelmäßige Laborkontrollen. Die Behandlung dauert bei Unterfunktion meist ein Leben lang. Zur Gewichtsabnahme sind Schilddrüsenhormone nicht geeignet.

FAQ – Häufige Fragen

Wofür wird L-Thyroxin 75 eingesetzt?

Bei Schilddrüsenunterfunktion jeder Ursache, bei Kropf mit normaler Funktion, zur Vorbeugung eines erneuten Kropfes, als Begleittherapie bei Überfunktion und bei Schilddrüsenkrebs.

Was bedeutet die 75 im Namen?

Eine Tablette enthält 75 Mikrogramm Levothyroxin-Natrium. Andere Stärken reichen laut Fachinformation von 25 bis 200 Mikrogramm.

Wann sollte die Tablette eingenommen werden?

Morgens nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, unzerkaut mit Flüssigkeit.

Warum nüchtern?

Zu einer Mahlzeit sinkt die Aufnahme deutlich. Nüchtern werden bis zu 80 % aus dem oberen Dünndarm aufgenommen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Bei Unterfunktion und nach Schilddrüsenkrebs meist lebenslang. Bei Kropf und Kropfvorbeugung sind es einige Monate oder Jahre bis lebenslang.

Wann wirkt L-Thyroxin?

Die Wirkung beginnt nach 3 bis 5 Tagen. Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, vergehen laut Gesundheitsinformation.de etwa 2 bis 3 Monate.

Welche Mittel stören die Aufnahme?

Aluminiumhaltige Antazida, Eisen, Calciumcarbonat, Colestyramin, Colesevelam und Protonenpumpenhemmer. Auch Kaffee und Sojaprodukte senken die Aufnahme.

Welche Nebenwirkungen kommen vor?

Bei zu hoher Menge Zeichen einer Überfunktion wie Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Tachykardie und Kopfschmerzen.

Darf L-Thyroxin in der Schwangerschaft eingenommen werden?

Ja, die Behandlung ist konsequent fortzuführen. Der TSH-Wert wird in jedem Trimester kontrolliert, der Bedarf kann steigen.

Hilft L-Thyroxin beim Abnehmen?

Nein. Bei Menschen mit normaler Schilddrüse bewirken übliche Mengen keine Gewichtsabnahme. Höhere Mengen können lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen.

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    Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Medikamenten klären Ärztin, Arzt oder Apotheke die Ursache und das weitere Vorgehen.

    Quellen

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