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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Sirdalud enthält den Wirkstoff Tizanidin, ein Muskelrelaxans, das im Rückenmark ansetzt. Die Gebrauchsinformation nennt zwei Anwendungsgebiete: schmerzhafte Muskelverspannungen, etwa bei Wirbelsäulenbeschwerden, und Spastik durch Multiple Sklerose oder Rückenmarksschäden. Sehr häufig, also bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Störungen, Muskelschwäche und Müdigkeit auf. Abrupt absetzen darf man Sirdalud nicht: Der Blutdruck kann dann überschießen.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Ohnmacht oder Kreislaufkollaps, Gelbfärbung von Haut oder Augen, unerklärlicher Übelkeit mit Appetitlosigkeit, Schwellungen im Gesicht oder Atemnot gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Sirdalud gibt es in Deutschland als Tabletten mit 2 mg, 4 mg und 6 mg Tizanidin. Das
Präparat ist verschreibungspflichtig. Was unten steht, stammt aus der Gebrauchsinformation
von Sirdalud (Hexal, Juli 2024) und aus der Fachinformation eines wirkstoffgleichen
Generikums (Tizanidin-TEVA, April 2022), die die Häufigkeiten der Nebenwirkungen in der
amtlichen Tabelle führt.
Was Tizanidin im Körper macht
Tizanidin wirkt zentral, also im Rückenmark und nicht am Muskel selbst. Es stimuliert
dort präsynaptische Alpha-2-Rezeptoren und bremst so die Freisetzung erregender
Aminosäuren. Die Signalübertragung, die den überschießenden Muskeltonus aufrechterhält,
wird unterbrochen; der Muskel entspannt. Daneben beschreibt die Fachinformation eine
moderate, zentral vermittelte schmerzlindernde Wirkung.
Die Wirkung ist zwei bis drei Stunden nach der Einnahme am stärksten und hält
vergleichsweise kurz an. Die Halbwertszeit im Plasma liegt bei zwei bis vier Stunden.
Deshalb wird Tizanidin über den Tag verteilt in mehreren Einzeldosen gegeben, meist drei-
bis viermal täglich.
Wofür Sirdalud zugelassen ist
Die Gebrauchsinformation von Sirdalud nennt zwei Gruppen von Beschwerden. Erstens
peripher bedingte schmerzhafte Muskelverspannungen, etwa bei Zervikal-, Thorakal- und
Lumbalsyndrom oder nach Operationen wegen eines Bandscheibenvorfalls. Zweitens neurogene
Muskelspasmen und Spastizität als Folge von Multipler Sklerose, Rückenmarksschäden oder
Hirnschädigungen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall.
Wichtig für alle, die ein Generikum bekommen: Tizanidin-TEVA ist laut seiner
Fachinformation ausschließlich für Spastizität bei Multipler Sklerose und
Rückenmarksschäden zugelassen. Der Einsatz bei einfachen Rückenverspannungen ist dort
nicht abgedeckt. Sirdalud ist nur für Erwachsene bestimmt; für Kinder und Jugendliche wird
die Anwendung nicht empfohlen.
Was die Fachinformation zur Dosis sagt
Die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt fest, und sie wird einschleichend gesteigert.
Für Spastik nennt die Fachinformation eine Anfangsdosis von 2 mg, die in höchstens
halbwöchentlichen Schritten um jeweils 2 mg erhöht werden kann. Der optimale Effekt liegt
laut Fachinformation bei 12 bis 24 mg täglich, verteilt auf drei oder vier Gaben. Eine
Einzeldosis soll 12 mg, die Tagesdosis 36 mg nicht überschreiten. Für schmerzhafte
Muskelverspannungen nennt die Gebrauchsinformation dreimal täglich 2 bis 4 mg.
Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion beginnt die Behandlung laut Fachinformation
mit 2 mg einmal täglich. Tizanidin kann mit oder ohne Essen eingenommen werden. Welche
Dosis für dich passt, hängt von der Verträglichkeit ab; die Fachinformation betont, dass
das Ansprechen von Patient zu Patient erheblich schwankt.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Fachinformation ordnet die Nebenwirkungen in die EU-Kategorien ein. Sehr
häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten): Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit,
Magen-Darm-Störungen, Muskelschwäche und Fatigue. Häufig (1 bis 10 von
100): Schlaflosigkeit, verlangsamter oder beschleunigter Herzschlag, Blutdruckabfall,
Übelkeit, ein vorübergehender Anstieg der Leberwerte (Transaminasen) sowie das
Absetz-Syndrom mit Rebound-Hypertonie.
Selten (1 bis 10 von 10.000): Halluzinationen, Juckreiz, Ausschlag.
Die Halluzinationen traten laut Fachinformation ausnahmslos bei Menschen auf, die
gleichzeitig andere Substanzen wie Antidepressiva einnahmen. Sehr selten
(weniger als 1 von 10.000): Hepatitis und Leberversagen. Ohne abschätzbare Häufigkeit
werden unter anderem Überempfindlichkeitsreaktionen bis zur Anaphylaxie, Verwirrtheit,
Angstzustände, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen, Ohnmacht und eine Verlängerung der
QT-Zeit im EKG genannt.
Die Fachinformation ergänzt: Bei langsamer Dosissteigerung sind Müdigkeit, Schwindel,
Mundtrockenheit und Blutdruckabfall meist nicht so stark, dass die Behandlung abgebrochen
werden muss.
Wechselwirkungen: Ciprofloxacin, Fluvoxamin und Blutdrucksenker
Tizanidin wird in der Leber über das Enzym CYP1A2 abgebaut. Zwei Wirkstoffe blockieren
dieses Enzym so stark, dass die Kombination verboten ist: das Antibiotikum Ciprofloxacin
und das Antidepressivum Fluvoxamin. Die Fachinformation nennt einen 10-fachen
beziehungsweise 33-fachen Anstieg der Tizanidin-Konzentration. Folge kann ein
anhaltender, klinisch relevanter Blutdruckabfall sein.
Nicht empfohlen ist die Kombination mit weiteren CYP1A2-Hemmern, darunter Amiodaron,
Mexiletin, Propafenon, Cimetidin, Norfloxacin, Ticlopidin und orale Kontrazeptiva; bei der
Pille kann die Clearance um rund 50 % sinken. Blutdrucksenker, Betablocker und Digoxin
verstärken Blutdruckabfall und Bradykardie. Alkohol, Schlafmittel und andere dämpfende
Mittel verstärken die Müdigkeit. Rifampicin halbiert die Tizanidin-Konzentration, und bei
starken Rauchern (über 10 Zigaretten täglich) sinkt die Wirkstoffmenge im Körper um etwa
30 %.
Absetzen, Leber, Schwangerschaft
Nach plötzlichem Absetzen, vor allem nach langer Einnahme, hoher Dosis oder in
Kombination mit Blutdrucksenkern, wurden Rebound-Hypertonie und Tachykardie beobachtet.
In Extremfällen kann der Blutdruckanstieg laut Fachinformation zu einem Schlaganfall
führen. Tizanidin wird deshalb ausschleichend abgesetzt.
Die Leber verdient Aufmerksamkeit: Die Fachinformation empfiehlt einen
Leberfunktionstest vor Beginn und in den ersten vier Monaten monatliche Kontrollen. Liegen
die Transaminasen dauerhaft über dem Dreifachen des oberen Normwerts, soll Tizanidin
abgesetzt werden. Bei stark eingeschränkter Leberfunktion ist es kontraindiziert. In der
Schwangerschaft darf Tizanidin nur angewendet werden, wenn der Zustand der Frau es
erfordert; in der Stillzeit soll es nicht eingenommen werden. Wer Fahrzeuge führt, sollte
wissen: Bei Benommenheit oder Schwindel rät die Fachinformation von Tätigkeiten ab, die
hohe Aufmerksamkeit erfordern.
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt Sirdalud?
Der maximale Plasmaspiegel ist etwa eine Stunde nach der Einnahme erreicht, die Wirkung auf die Spastik ist nach zwei bis drei Stunden am größten. Sie hält wegen der kurzen Halbwertszeit von zwei bis vier Stunden nur begrenzt an.
Macht Sirdalud müde?
Ja. Müdigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel sind in der Fachinformation als sehr häufig eingestuft, sie betreffen also mehr als einen von zehn Behandelten. Bei langsamer Dosissteigerung fällt das meist schwächer aus.
Darf ich Sirdalud einfach absetzen?
Nein. Nach abruptem Absetzen kann der Blutdruck überschießen und der Puls steigen. Die Dosis wird nach ärztlicher Anweisung schrittweise reduziert.
Warum darf ich kein Ciprofloxacin nehmen?
Ciprofloxacin hemmt das Enzym CYP1A2, über das Tizanidin abgebaut wird. Die Tizanidin-Menge im Blut steigt laut Fachinformation um das 10-Fache; ein starker Blutdruckabfall droht. Die Kombination ist kontraindiziert, ebenso mit Fluvoxamin.
Ist Sirdalud dasselbe wie Tizanidin?
Sirdalud ist der Handelsname, Tizanidin der Wirkstoff. Generika enthalten denselben Wirkstoff, sind aber laut Fachinformation teils nur für Spastik zugelassen, nicht für einfache Muskelverspannungen.
Was passiert bei einer Überdosierung?
Die Fachinformation nennt Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall, verlangsamten Puls, enge Pupillen, Atemnot bis hin zum Koma. Eine Überdosierung ist ein Notfall.
Quellen
- Gebrauchsinformation Sirdalud 2 mg Tabletten (Hexal AG, Stand Juli 2024) — abgerufen am 10. September 2026
- Fachinformation Tizanidin-TEVA 2 mg/4 mg Tabletten (Stand April 2022), Abschnitte 4.2 bis 4.8 — abgerufen am 10. September 2026
- Fachinformation Sirdalud 4 mg Tabletten, Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (Österreich) — abgerufen am 10. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Nebenwirkungen melden — abgerufen am 10. September 2026
Geschrieben von Dr. Katrin Vogt fuer gesundheitscenter.net. Der Text ersetzt kein Gespraech mit einer Aerztin oder einem Arzt.

Katrin hat lange in einer Apotheke gearbeitet und erklärt hier Blutwerte, Wirkstoffe und Nebenwirkungen in ruhigen Worten. Wenn etwas in die Praxis gehört, sagt sie das.
