Ubretid: Wirkung bei Blasenentleerungsstörung und Myasthenia gravis

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Ubretid enthält den Wirkstoff Distigminbromid. Eine Tablette hat 5,0 mg. Das Mittel hemmt das Enzym Acetylcholinesterase und stärkt so die Kontraktion von Muskeln. Zugelassen ist es für neurogene Blasenentleerungsstörungen mit schlaffem Blasenmuskel und für Myasthenia gravis. Eine Darmträgheit gehört nicht zu den Anwendungsgebieten.

Kurzantwort: Ubretid (Distigminbromid) verstärkt die Wirkung von Acetylcholin an Muskeln. Es wird bei neurogener Blasenentleerungsstörung mit schlaffem Blasenmuskel und bei Myasthenia gravis eingesetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wirkstoff ist Distigminbromid, ein Hemmstoff der Acetylcholinesterase.
  • Anwendungsgebiete sind neurogene Blasenentleerungsstörungen mit hypotonem Detrusor und Myasthenia gravis.
  • Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwitzen und ein langsamer Puls.
  • Bei Darmverschluss, Asthma, Parkinson und frischem Herzinfarkt darf es nicht angewendet werden.

Wirkstoff und Wirkprinzip

Distigminbromid ist ein indirektes Parasympathomimetikum mit langer Wirkdauer. Es bindet an das Enzym Acetylcholinesterase und legt es lahm. Dadurch bleibt der Botenstoff Acetylcholin länger aktiv. An der motorischen Endplatte verstärkt das die Kontraktion von Muskeln. Wikipedia nennt unter anderem Blasenmuskel, Harnleiter, Gallenblase und Bronchialmuskulatur.

Die Wirkung setzt langsam ein und hält lange an. Die Plasmahalbwertszeit beträgt laut Wikipedia etwa 65 Stunden. Die Acetylcholinesterase bleibt etwa 38 bis 40 Stunden gehemmt. Die Aufnahme aus dem Darm ist gering. Die Bioverfügbarkeit liegt bei etwa 4,65 Prozent. Das erklärt, warum die Fachinformation auf den langsamen Wirkungseintritt und die lange Wirkdauer hinweist.

Anwendungsgebiete: Blase und Muskulatur

Die Fachinformation nennt zwei Anwendungsgebiete. Das erste sind neurogene Blasenentleerungsstörungen mit hypotonem Detrusor im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts. Hier ist der Blasenmuskel durch eine Nervenerkrankung schlaff und die Blase leert sich nicht vollständig. Das zweite Gebiet ist Myasthenia gravis, eine Erkrankung mit belastungsabhängiger Muskelschwäche.

Wikipedia nennt weitere Einsatzfelder wie hypotone chronische Verstopfung, die Hirschsprung-Krankheit und periphere Lähmungen. Diese stehen nicht in der aktuellen Fachinformation. Ubretid ist laut Fachinformation zur Langzeitbehandlung geeignet. Die Dauer legt die Ärztin oder der Arzt fest.

Kurzantwort: Ubretid bremst den Abbau von Acetylcholin und stärkt so die Muskelkontraktion. Es dient der Behandlung schlaffer Blasenmuskeln bei Nervenerkrankungen und der Myasthenia gravis.

Einnahme und Darreichungsformen

Die Fachinformation beschreibt die Dosierung als individuell. Sie berücksichtigt Körpergewicht, klinischen Status und Ansprechen. Auch die lange Wirkdauer fließt ein. Die Tabletten werden grundsätzlich morgens nüchtern eine halbe Stunde vor dem Frühstück genommen. Zu Beginn einer Behandlung bei Blasenentleerungsstörung kann stattdessen eine Injektionslösung zum Einsatz kommen. Menge und Dauer legt die Ärztin oder der Arzt fest. Eine Dosierung gehört nicht in einen allgemeinen Ratgeber.

Nebenwirkungen: Zeichen einer cholinergen Überstimulation

Die Nebenwirkungen beruhen hauptsächlich auf einer zu starken cholinergen Stimulation. Am häufigsten sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwitzen und ein verlangsamter Puls. Sie ähneln den Wirkungen anderer Acetylcholinesterase-Hemmer. Wikipedia nennt außerdem vermehrten Speichelfluss, Darm- und Muskelkrämpfe, Muskelzuckungen und Schluckbeschwerden. Durch Pupillenverengung und Akkommodationsstörungen kann die Sehleistung leiden. Die Fachinformation warnt daher vor Einschränkungen beim Autofahren.

Muskarinartige Beschwerden lassen sich unter Umständen mit Atropin oder atropinartigen Stoffen dämpfen. Wer starkes Schwitzen, Speichelfluss, Bauchkrämpfe, sehr langsamen Puls oder zunehmende Muskelschwäche bemerkt, wendet sich umgehend an die Praxis. Das können Zeichen einer Überdosierung sein.

Cholinerge Krise: Wenn die Wirkung zu stark wird

Eine erhebliche Überdosierung kann zu einer cholinergen Krise führen. Typisch sind übermäßiges Schwitzen, Tränenfluss, enge Pupillen, erhöhte Darmbewegung, unfreiwilliger Stuhl- und Harnabgang, Bradykardie, niedriger Blutdruck, Muskelkrämpfe und Atemnot mit vermehrtem Bronchialsekret. Bei Myasthenie ist das Hauptsymptom oft eine zunehmende Muskelschwäche. Sie lässt sich von der Grunderkrankung schwer unterscheiden.

Hier zählt schnelles ärztliches Handeln. Bei Atemnot oder Ohnmacht gilt der Notruf 112.

Gegenanzeigen und besondere Vorsicht

Nicht angewendet werden darf Ubretid bei Überempfindlichkeit gegen Brom, Distigminbromid oder einen Hilfsstoff. Weitere Gegenanzeigen sind Obstruktionsileus, Stenosen oder Spasmen von Darm, Gallen- und Harnwegen, Bronchialasthma, Iritis, Myotonie, Parkinson, Thyreotoxikose, postoperativer Schock, Kreislaufkrisen und ein frischer Herzinfarkt.

Vorsicht gilt bei Herzrhythmusstörungen, Bradykardie, Myokardischämie, Hypotonie, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Epilepsie sowie kürzlich erfolgten Darm- oder Blasenoperationen. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Sicherheit nicht nachgewiesen. Bei älteren Menschen über 65 Jahren soll die Dosis reduziert werden. Das Mittel enthält Lactose.

Kurzantwort: Ubretid darf nicht bei mechanischem Darmverschluss, Asthma, Parkinson, Schilddrüsenüberfunktion oder frischem Herzinfarkt angewendet werden. In Schwangerschaft und Stillzeit soll es nicht verwendet werden.

Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit

Anticholinergika wie Atropin sowie trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika und Antihistaminika schwächen die muskarinartigen Wirkungen ab. Andere cholinerg wirkende Stoffe verstärken sie. Dazu zählen Esterasehemmer in vielen Insektiziden. Glukokortikoide, Chinin, Chloroquin, Lithium und Dipyridamol können die Wirkung mindern. Mit Betablockern drohen langanhaltende Bradykardien. Vor Operationen soll Ubretid abgesetzt werden, weil es curareartige Muskelrelaxanzien antagonisiert.

Die Sicherheit in der Schwangerschaft ist nicht nachgewiesen. Deshalb soll Ubretid in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. In der Stillzeit gilt dasselbe, weil ein Übergang in die Muttermilch nicht gesichert ist.

Ubretid und Verstopfung

Ubretid ist kein Abführmittel. Wer Verstopfung behandeln möchte, findet Hintergründe in den Beiträgen zu Macrogol und Prucaloprid. Zu Problemen mit dem Harnfluss informieren Harnstau, Harnleiter und Tamsulosin und Alkohol.

Fazit

Ubretid enthält Distigminbromid und wirkt über die Hemmung der Acetylcholinesterase. Die Fachinformation nennt neurogene Blasenentleerungsstörungen und Myasthenia gravis als Anwendungsgebiete. Wirkung und Nebenwirkungen kommen langsam und halten lange an. Eine Überdosierung kann in eine cholinerge Krise münden. Die Behandlung gehört in ärztliche Hand.

FAQ – Häufige Fragen

Was ist Ubretid?

Ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Distigminbromid. Eine Tablette enthält 5,0 mg.

Wofür wird Ubretid angewendet?

Bei neurogenen Blasenentleerungsstörungen mit hypotonem Detrusor und bei Myasthenia gravis.

Ist Ubretid ein Abführmittel?

Nein. Es enthält kein Bisacodyl und ist nicht für die Darmträgheit zugelassen.

Wie wirkt Distigminbromid?

Es hemmt die Acetylcholinesterase. Acetylcholin bleibt länger aktiv und die Muskelkontraktion wird verstärkt.

Wie schnell wirkt Ubretid?

Der Wirkungseintritt ist langsam, die Wirkdauer lang. Die Halbwertszeit beträgt etwa 65 Stunden.

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwitzen und Bradykardie.

Was ist eine cholinerge Krise?

Eine Überstimulation durch zu viel Wirkstoff. Sie zeigt sich durch Schwitzen, Krämpfe, langsamen Puls, Atemnot und zunehmende Muskelschwäche.

Wer darf Ubretid nicht anwenden?

Menschen mit Darmverschluss, Bronchialasthma, Parkinson, Thyreotoxikose oder frischem Herzinfarkt sowie bei Überempfindlichkeit gegen Brom.

Ist Ubretid für Kinder geeignet?

Nein. Die Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen ist nicht nachgewiesen.

Darf man in der Schwangerschaft Ubretid nehmen?

Nein, die Sicherheit ist nicht nachgewiesen. Auch in der Stillzeit soll es nicht angewendet werden.

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Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden klärt eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache.

Quellen

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