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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Lorazepam 1 mg, bekannt als Tavor 1,0 mg, ist ein Benzodiazepin zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und dadurch bedingten Schlafstörungen sowie zur Sedierung vor Eingriffen. Die Fachinformation nennt eine übliche Tagesdosis von 0,5 bis 2,5 mg, die Eliminationshalbwertszeit liegt bei 12 bis 16 Stunden. Sehr häufig (mehr als 1 von 10) sind Sedierung, Müdigkeit und Benommenheit, häufig Gangunsicherheit, Verwirrtheit, Schwindel und Muskelschwäche. Schon nach wenigen Wochen täglicher Einnahme droht Abhängigkeit, auch in normaler Dosis. Abrupt abgesetzt kann Lorazepam lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auslösen.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei flacher oder aussetzender Atmung, Bewusstlosigkeit, Schwellungen von Zunge oder Rachen, Krampfanfällen oder Suizidgedanken gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Lorazepam steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes; Tabletten mit bis zu
2,5 mg je Stück sind davon ausgenommen und werden auf normalem Rezept verordnet. Die
1-mg-Tablette gibt es als Tavor von Pfizer und als Generikum, etwa Lorazepam dura. Grundlage dieses Textes sind
die Fachinformation von Tavor (November 2023) und die Fachinformation von Lorazepam dura
(Juni 2026).
Was Lorazepam im Körper macht
Lorazepam gehört zu den 1,4-Benzodiazepinen. Es bindet mit sehr hoher Affinität an
Benzodiazepin-Rezeptoren im Zentralnervensystem, die eng mit den Rezeptoren des
hemmenden Botenstoffs GABA verbunden sind, und verstärkt so dessen dämpfende Wirkung.
Die Folge ist laut Fachinformation eine Dämpfung von Spannung, Erregung und Angst, dazu
sedierende, schlafanstoßende, muskelentspannende und krampfhemmende Effekte.
Wofür Tavor 1 mg zugelassen ist
Die Fachinformation nennt zwei Anwendungsgebiete: die symptomatische
Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen sowie dadurch bedingten
Schlafstörungen und die Sedierung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen
Eingriffen. Sie ergänzt ausdrücklich, dass nicht jeder Angstzustand Medikamente braucht:
Angst und Anspannung durch gewöhnlichen Alltagsstress sollen normalerweise nicht mit
einem Tranquilizer behandelt werden. Als Schlafmittel ist Lorazepam nur gerechtfertigt,
wenn die dämpfende Wirkung auch tagsüber erwünscht ist.
Was die Fachinformation zu Dosis und Dauer sagt
Die Tagesdosis beträgt in der Regel 0,5 bis 2,5 mg, verteilt auf zwei bis drei Gaben
oder als abendliche Einmaldosis. Im Einzelfall, vor allem stationär, kann sie auf
höchstens 7,5 mg erhöht werden. Bei älteren oder geschwächten Menschen soll die
Anfangsdosis um etwa die Hälfte niedriger liegen. Welche Dosis für dich passt, legt
deine Ärztin fest. Der Grundsatz der Fachinformation lautet: so niedrig und so kurz wie
möglich. Bei akuten Beschwerden soll die Anwendung auf Einzelgaben oder wenige Tage
beschränkt bleiben; nach zwei Wochen täglicher Einnahme ist zu prüfen, ob die Behandlung
noch nötig ist. Benzodiazepine sollen grundsätzlich nur für kurze Zeiträume von zwei bis
vier Wochen verordnet werden.
Die Tabletten werden unabhängig von den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit
eingenommen. Als Schlafmittel sollen sie nicht auf vollen Magen genommen werden, weil
die Wirkung dann verzögert einsetzt und am Morgen nachwirkt. Die Fachinformation
verlangt eine Schlafzeit von etwa sieben bis acht Stunden.
Wirkeintritt und Wirkdauer
Nach dem Schlucken wird Lorazepam rasch und fast vollständig aufgenommen; die
Fachinformation nennt Resorptionshalbwertszeiten von 11 bis 40 Minuten und die höchste
Konzentration im Blut nach ein bis zweieinhalb Stunden. Die Bioverfügbarkeit liegt bei 94
Prozent. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 12 bis 16 Stunden; Lorazepam zählt damit
zu den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit. Deshalb sind bei höherer Dosis und
zu kurzer Schlafdauer Hang-over-Effekte am nächsten Tag möglich. Eine Wirkdauer von „6
bis 8 Stunden“, wie sie oft genannt wird, steht nicht in der Fachinformation.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Sehr häufig (mehr als 1 von 10): Sedierung, Müdigkeit und
Benommenheit. Häufig (1 bis 10 von 100): Gangunsicherheit (Ataxie),
Verwirrtheit, Depression oder Demaskierung einer Depression, Schwindelgefühl,
Muskelschwäche und Mattigkeit. Gelegentlich (1 bis 10 von 1.000):
Änderungen der Libido, Impotenz, verminderter Orgasmus und Übelkeit.
Ohne abschätzbare Häufigkeit nennt die Fachinformation Atemdepression bis zum
Atemstillstand, Blutdruckabfall, verlängerte Reaktionszeit, Zittern, Sehstörungen,
undeutliches Sprechen, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Gedächtnislücken, Enthemmung,
Euphorie, Koma, Suizidgedanken, paradoxe Reaktionen wie Angst, Erregung und
Aggressivität, Halluzinationen, Blutbildveränderungen, Leberwertanstieg, allergische
Hautreaktionen, Angioödem, Hyponatriämie und das Entzugssyndrom. Bei paradoxen
Reaktionen, die vor allem Kinder und ältere Menschen treffen, soll die Behandlung beendet
werden. Bei älteren Menschen erhöhen Sedierung und Muskelschwäche das Sturzrisiko.
Abhängigkeit, Absetzen, Wechselwirkungen
Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial: Bereits bei
täglicher Einnahme über wenige Wochen kann sich eine psychische und körperliche
Abhängigkeit entwickeln, auch im therapeutischen Dosisbereich. Die Fachinformation von
Lorazepam dura spricht von der „Niedrigdosis-Abhängigkeit“ und verlangt, die
Therapiedauer vor Beginn zu vereinbaren und die kleinste Packung zu verordnen.
Plötzliches Absetzen nach Daueranwendung kann Entzugssymptome auslösen, die von
Schlaflosigkeit und Unruhe bis zu Krampfanfällen, Delir, Halluzinationen und Suizidalität
reichen. Die Dosis wird deshalb schrittweise verringert, nie eigenmächtig.
Zusammen mit Opioiden drohen Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod; diese
Kombination ist nur erlaubt, wenn es keine Alternative gibt. Alkohol, Schlafmittel,
Neuroleptika, Antidepressiva, Antiepileptika, Betablocker und sedierende Antihistaminika
verstärken die Dämpfung. Valproinsäure und Probenecid erhöhen den Lorazepam-Spiegel, die
Dosis soll dann um etwa 50 % gesenkt werden. In der Schwangerschaft soll Lorazepam nicht
angewendet werden; gegen Ende der Schwangerschaft eingenommen, kann es beim Neugeborenen
Atemdepression, Trinkschwäche und Entzugserscheinungen auslösen. In der Stillzeit geht
es in die Milch über. Autofahren und Maschinen bedienen sollen unterbleiben, bis klar ist,
dass die Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist.
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt Lorazepam 1 mg?
Die Fachinformation nennt eine rasche Aufnahme mit Resorptionshalbwertszeiten von 11 bis 40 Minuten und die höchste Blutkonzentration nach ein bis zweieinhalb Stunden.
Wie lange hält die Wirkung an?
Die Eliminationshalbwertszeit beträgt laut Fachinformation 12 bis 16 Stunden. Eine feste Wirkdauer nennt sie nicht; Nachwirkungen am nächsten Morgen sind möglich.
Wie viel Lorazepam darf ich am Tag nehmen?
Die Fachinformation nennt 0,5 bis 2,5 mg als übliche Tagesdosis und 7,5 mg als Höchstdosis im Einzelfall unter stationären Bedingungen. Deine Dosis legt deine Ärztin fest.
Macht Lorazepam abhängig?
Ja. Laut Fachinformation kann schon nach wenigen Wochen täglicher Einnahme eine Abhängigkeit entstehen, auch ohne Dosissteigerung. Deshalb gilt die Regel: nur kurz, meist zwei bis vier Wochen.
Kann ich Lorazepam einfach absetzen, wenn es mir besser geht?
Nein. Plötzliches Absetzen nach Daueranwendung kann laut Fachinformation lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auslösen, darunter Krampfanfälle. Die Dosis wird schrittweise reduziert.
Darf ich mit Lorazepam Auto fahren?
Die Fachinformation sagt, dass Lorazepam auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen kann, mit Alkohol noch stärker. Fahren soll unterbleiben, bis die Reaktionsfähigkeit nachweislich nicht beeinträchtigt ist.
Quellen
- Fachinformation Tavor 0,5 mg / 1,0 mg / Tabs 2,0 mg / 2,5 mg Tabletten (Pfizer, Stand November 2023), Abschnitte 4.1 bis 5.2 — abgerufen am 10. September 2026
- Gebrauchsinformation Tavor 1,0 mg Tabletten (Pfizer) — abgerufen am 10. September 2026
- Fachinformation Lorazepam dura 1 mg/2,5 mg Tabletten (Stand Juni 2026), Abschnitte 4.1 bis 4.8 — abgerufen am 10. September 2026
- Betäubungsmittelgesetz, Anlage III (Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de): Eintrag Lorazepam — abgerufen am 10. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Nebenwirkungen melden — abgerufen am 10. September 2026
Geschrieben von Paul Tenner fuer gesundheitscenter.net. Der Text ersetzt kein Gespraech mit einer Aerztin oder einem Arzt.

Paul liest Studien, bevor er schreibt, und übersetzt sie in Sätze für den Küchentisch. Seine Themen: Wirkstoffe, Dosierungen, Wechselwirkungen.
