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Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 7 Minuten
Glaukom-Augentropfen senken den Augeninnendruck. Die Leitlinie nennt Betablocker, Karboanhydrasehemmer, Parasympathomimetika, Prostaglandine und Sympathomimetika. Aktuelle Übersichten ergänzen Rho-Kinase-Hemmer. Die Tropfen verringern die Bildung des Kammerwassers oder verbessern seinen Abfluss.
Kurzantwort: Glaukom-Augentropfen gehören zu sechs Wirkstoffgruppen. Betablocker und Prostaglandine werden häufig zuerst eingesetzt. Die Wahl trifft die Augenärztin nach Zieldruck und Verträglichkeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Tropfen senken den Augeninnendruck, bereits entstandene Schäden bleiben bestehen.
- Betablocker und Prostaglandine gelten als häufig eingesetzte Mittel der ersten Wahl.
- Das Therapieziel ist ein individueller Zieldruck.
- Regelmäßige Kontrollen in der Augenarztpraxis gehören zur Behandlung.
Glaukom und Augeninnendruck
Ein Glaukom schädigt den Sehnerv. Das Gesichtsfeld bekommt dadurch zunächst unbemerkt immer größere Lücken. Gesundheitsinformation.de nennt das Offenwinkelglaukom mit mehr als 80 Prozent als häufigste Form. Es schreitet langsam voran, Sehstörungen zeigen sich erst nach vielen Jahren. Die Ursache ist häufig ein zu hoher Augeninnendruck. Als normal gelten Werte zwischen 10 und 21 mmHg. Fast die Hälfte der Erkrankten hat aber keinen erhöhten Druck. Für sie ist möglicherweise bereits der normale Druck zu hoch. Mehr zu diesem Wert steht im Beitrag Augeninnendruck.
Bereits entstandene Schäden am Sehnerv sind nicht mehr rückgängig zu machen. Ziel der Behandlung ist deshalb, den Druck zu senken und den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten. Meist geschieht das mit Augentropfen. Die Wirkstoffe unterscheiden sich in ihrem Angriffspunkt. Sie verringern die Bildung des Kammerwassers oder erleichtern seinen Abfluss.
Therapieziel nach Leitlinie
Die Leitlinie Nr. 15 a von Berufsverband der Augenärzte und Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft nennt als Ziel, den Augendruck auf einen individuellen Zieldruck zu senken. Das Ziel wird so gewählt, dass der Glaukomschaden nicht fortschreitet. Bei Bedarf wird es im Verlauf angepasst. Als Orientierung gilt die Definition der European Glaucoma Society. Bei okulärer Hypertension beträgt sie eine Drucksenkung um 20 Prozent des Ausgangsdrucks, auf höchstens 20 mmHg. Ein einzelnes Medikament soll den Druck nach Möglichkeit um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Ausgangswert senken.
Das MSD Manual nennt als Zieldruck 20 bis 40 Prozent unter dem Wert vor der Therapie. Je größer der Schaden, desto niedriger muss der Druck sein. Als Mittel der ersten Wahl führt es Prostaglandin-Analoga und Betablocker an. Gesundheitsinformation.de beschreibt Betablocker und Prostaglandine ebenfalls als häufig zuerst verschriebene Mittel.
Kurzantwort: Betablocker und Prostaglandine gelten als häufig eingesetzte Mittel der ersten Wahl. Alpha-Agonisten, Karboanhydrasehemmer, Cholinergika und Rho-Kinase-Hemmer ergänzen oder ersetzen sie bei Bedarf.
Liste der Wirkstoffgruppen
Die Leitlinie führt als Gruppen für Monotherapie oder Kombinationstherapie Betablocker, Karboanhydrasehemmer, Parasympathomimetika, Prostaglandine und Sympathomimetika auf. Aktuelle Übersichten ergänzen die Rho-Kinase-Hemmer. Die folgende Liste ordnet die Gruppen nach Wirkprinzip. Sie ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Präparat.
- Prostaglandinanaloga mit Wirkstoffen wie Latanoprost, Tafluprost, Travoprost und Bimatoprost. Sie erhöhen vor allem den uveoskleralen Abfluss des Kammerwassers. Nebenwirkungen sind eine stärkere Pigmentierung von Iris und Haut, längere und dickere Wimpern und Bindehautrötung.
- Betablocker mit Wirkstoffen wie Timolol, Betaxolol, Carteolol, Levobunolol und Metipranolol. Sie verringern die Kammerwasserproduktion. Systemische Nebenwirkungen sind Bronchospasmus, Bradykardie, Müdigkeit, Depression und Verwirrung. Sie können sich schleichend entwickeln.
- Karboanhydrasehemmer als Tropfen mit Dorzolamid oder Brinzolamid. Sie verringern die Kammerwasserproduktion. Das Risiko systemischer Effekte ist gering. Möglich sind ein schlechter Geschmack im Mund und Hautausschlag. Tabletten mit Acetazolamid kommen als Begleittherapie infrage, ihre Nebenwirkungen begrenzen den Einsatz.
- Alpha-2-Agonisten mit Brimonidin oder Apraclonidin. Sie verringern die Kammerwasserproduktion und können den uveoskleralen Abfluss erhöhen. Brimonidin kann Mundtrockenheit auslösen. Apraclonidin hat eine hohe Rate an allergischen Reaktionen.
- Rho-Kinase-Hemmer mit Netarsudil. Sie erhöhen den konventionellen Abfluss. Mögliche Nebenwirkungen sind Rötung der Bindehaut, Ablagerungen in der Hornhaut und kleine Einblutungen unter die Bindehaut.
- Cholinergika (Parasympathomimetika) mit Pilocarpin oder Carbachol. Sie verengen die Pupille und erhöhen den Abfluss. Sie wirken als Einzelmittel schwächer als Betablocker und hemmen die Dunkeladaption. Sie werden selten verwendet.
Wie die Auswahl getroffen wird
Welches Mittel passt, hängt laut Gesundheitsinformation.de von Alter, Ausmaß der Sehnervschädigung, Höhe des Augeninnendrucks und möglichen Nebenwirkungen ab. Reicht ein Mittel nicht oder gibt es unerwünschte Wirkungen, lässt es sich wechseln. Die Wirkstoffe können auch kombiniert werden. Die Leitlinie macht die Auswahl abhängig von Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Sie berücksichtigt die individuelle Situation der Patientin oder des Patienten. Betablocker belasten Herz, Kreislauf und Atmung. Bei Asthma oder Herzrhythmusstörungen sind sie deshalb ein Thema für die Augenärztin.
Zur Beurteilung der Wirkung kann die Ärztin zunächst nur ein Auge behandeln. Das MSD Manual nennt dieses Vorgehen Ein-Augen-Versuch. Kortikosteroide am Auge gehören nicht zu den Glaukommitteln. Laut MSD Manual kann ihre Anwendung den Augeninnendruck erhöhen. Wer Kortison-Augentropfen anwendet, lässt den Druck daher kontrollieren.
Anwendung im Alltag
Je nach Präparat werden die Tropfen einmal oder mehrmals täglich angewendet. Gesundheitsinformation.de empfiehlt, die Augen nach dem Eintropfen etwa drei Minuten zu schließen. Auch ein leichter Druck auf den inneren Augenwinkel hilft. Beides sorgt dafür, dass die Tropfen im Auge wirken und nicht über den Nasen-Rachen-Raum in den Körper gelangen. Das senkt die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen. Wie ein Tropfen in den Bindehautsack gelangt, beschreibt der Beitrag zum Aufbau des Auges.
Der Nutzen zeigt sich erst über lange Zeit. Wer eine Gabe vergisst, merkt keine sofortige Verschlechterung. Deshalb helfen feste Tageszeiten und Erinnerungshilfen. Bei anhaltenden Nebenwirkungen sprechen Betroffene mit der Augenärztin. Die Mittel werden möglichst bis zum nächsten Termin weiter angewendet und nicht eigenständig abgesetzt. Kontrolltermine finden etwa ein- bis dreimal im Jahr statt, je nach Stand der Erkrankung. Die Leitlinie nennt außerdem Patientenschulung zur Tropfenanwendung und die laufende Überprüfung der Therapietreue.
Wenn Tropfen nicht ausreichen
Gelingt es nicht, den Druck mit Medikamenten zu kontrollieren, kommen Laser oder Operation infrage. Das gilt auch, wenn die Tropfen schlecht vertragen werden. Zu den Verfahren zählen Lasertrabekuloplastik, Trabekulektomie und minimalinvasive Eingriffe mit kleinen Implantaten. Laut MSD Manual benötigen innerhalb von 2 bis 5 Jahren etwa 50 Prozent der Patienten nach einer Laserbehandlung zusätzlich Medikamente oder eine Operation. Das MSD Manual beschreibt die selektive Lasertrabekuloplastik als zunehmenden Standard der Erstbehandlung.
Beim Engwinkelglaukom droht ein Glaukomanfall mit raschem Druckanstieg. Typisch sind akute Sehstörungen, Augenrötung, heftige Kopf- und Augenschmerzen und Übelkeit. Dann gilt es, sofort eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Einen Überblick über weitere Erkrankungen gibt der Beitrag Augenkrankheiten im Überblick. Zur Selbstkontrolle des Gesichtsfelds dient das Amsler-Gitter, wobei es eine ärztliche Untersuchung nicht ersetzt. Pilocarpin und andere Cholinergika wirken auf die Pupille.
Vorbeugende Anwendung bei erhöhtem Druck
Bei hohem Augeninnendruck ohne Sehnervschaden kann eine vorbeugende Anwendung sinnvoll sein. In Studien verschlechterte sich nach etwa fünf Jahren das Sehen bei 12 von 100 Menschen mit Augentropfen. Ohne Tropfen oder mit Scheinmedikament waren es 17 von 100. Das Risiko hängt von weiteren Faktoren ab. Das gilt zum Beispiel für sehr hohen Druck und nahe Verwandte mit Glaukom. Gesundheitsinformation.de verweist darauf, dass die Chance auf Nutzen dann deutlich größer ist.
Fazit
Die Wirkstoffgruppen unterscheiden sich in Angriffspunkt und Nebenwirkungen. Prostaglandine erleichtern den Abfluss, Betablocker bremsen die Bildung von Kammerwasser. Alpha-Agonisten, Karboanhydrasehemmer, Rho-Kinase-Hemmer und Cholinergika ergänzen sie. Entscheidend sind regelmäßige Anwendung und Kontrolle. Die Wahl des Präparats gehört in die Hand der Augenärztin.
FAQ – Häufige Fragen
Welche Wirkstoffgruppen gibt es bei Glaukom-Augentropfen?
Prostaglandin-Analoga, Betablocker, Karboanhydrasehemmer, Alpha-2-Agonisten, Rho-Kinase-Hemmer und Cholinergika. Die Leitlinie nennt Betablocker, Karboanhydrasehemmer, Parasympathomimetika, Prostaglandine und Sympathomimetika.
Welche Gruppen werden häufig zuerst verordnet?
Betablocker und Prostaglandine. Das MSD Manual nennt Prostaglandin-Analoga am häufigsten, danach Betablocker, insbesondere Timolol.
Wie senken Prostaglandin-Analoga den Druck?
Sie erhöhen vor allem den uveoskleralen Abfluss des Kammerwassers. Typische Nebenwirkungen sind stärker pigmentierte Iris und längere Wimpern.
Wie wirken Betablocker am Auge?
Sie verringern die Produktion des Kammerwassers. Sie können Herz, Kreislauf und Atmung belasten, etwa mit Bronchospasmus oder Bradykardie.
Was sind Rho-Kinase-Hemmer?
Eine neuere Gruppe mit Netarsudil. Sie erhöht den konventionellen Abfluss. Rötung der Bindehaut und Hornhautablagerungen sind möglich.
Wie lassen sich Nebenwirkungen verringern?
Nach dem Eintropfen die Augen etwa drei Minuten schließen und den inneren Augenwinkel leicht zudrücken. So gelangt weniger Wirkstoff in den Körper.
Gibt es konservierungsmittelfreie Tropfen?
Die Leitlinie nennt konservierungsmittelfreie Zubereitungen für Betablocker. Ob es sie für das jeweilige Mittel gibt, klären Augenärztin oder Apotheke.
Darf man die Tropfen von sich aus absetzen?
Nein. Gesundheitsinformation.de rät, die Mittel möglichst bis zum nächsten Untersuchungstermin weiter anzuwenden und Nebenwirkungen mit der Ärztin zu besprechen.
Wann reichen Augentropfen nicht aus?
Wenn der Druck mit Medikamenten nicht kontrollierbar ist oder die Tropfen schlecht vertragen werden. Dann kommen Laser oder Operation infrage.
Können Kortison-Augentropfen den Augendruck beeinflussen?
Ja. Laut MSD Manual kann die Anwendung von Kortikosteroiden den Augeninnendruck erhöhen. Sie gehören nicht zu den Glaukommitteln. Wer sie anwendet, lässt den Druck kontrollieren.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Medikamenten klären Ärztin, Arzt oder Apotheke die Ursache und das weitere Vorgehen.
Quellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie wird ein Glaukom behandelt?
- DOG/BVA: Leitlinie Nr. 15 a, Primäres chronisches Offenwinkelglaukom (2006)
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Primäres Offenwinkelglaukom

Katrin hat lange in einer Apotheke gearbeitet und erklärt hier Blutwerte, Wirkstoffe und Nebenwirkungen in ruhigen Worten. Wenn etwas in die Praxis gehört, sagt sie das.
