pAVK-Stadien nach Fontaine: Was die vier Stufen bedeuten

Aktualisiert am 29.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Die periphere arterielle Verschlusskrankheit wird in Deutschland nach Fontaine in vier Stadien eingeteilt: I ohne Beschwerden, IIa Schmerzen beim Gehen nach mehr als 200 Metern, IIb nach weniger als 200 Metern, III Schmerzen in Ruhe, IV Geschwür oder abgestorbenes Gewebe. International gilt die Rutherford-Klassifikation mit den Kategorien 0 bis 6. Die Stadien III und IV heißen kritische Extremitätenischämie; hier verlangt die Leitlinie unverzüglich Diagnostik und Therapie.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ändere Medikamente wie Blutverdünner oder Statine nie eigenmächtig und warte mit einer neuen Wunde am Fuß nicht ab. Bei einem plötzlich kalten, blassen oder blau verfärbten Bein mit starken Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmung, bei nächtlichem Ruheschmerz im Fuß, nicht heilenden Wunden oder schwarz verfärbten Zehen gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Die Angaben unten stammen aus der S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge
der pAVK der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (2024) und aus den
Patienteninformationen des IQWiG auf gesundheitsinformation.de.

Was hinter der Erkrankung steckt

In etwa 95 Prozent der Fälle ist eine Atherosklerose die Ursache: Ablagerungen verengen
die Beinarterien oder verschließen sie. Die Leitlinie stellt klar, dass Herzinfarkt,
Schlaganfall und pAVK Erscheinungsformen ein und derselben Erkrankung sind. Deshalb
sterben laut IQWiG jedes Jahr etwa 3 von 100 Menschen mit pAVK, meist am Herzen oder im
Gehirn, und je weiter das Stadium, desto höher das Risiko.

Die Gesamthäufigkeit liegt bei 3 bis 10 Prozent, ab 70 Jahren bei 15 bis 20 Prozent. In
der deutschen getABI-Studie mit 6.880 Menschen über 65 hatten 21 Prozent einen auffälligen
Knöchel-Arm-Index. Auf jeden Erkrankten mit Beschwerden kommen etwa vier ohne — die
Krankheit bleibt lange stumm.

Die Stadien nach Fontaine und Rutherford

Fontaine Klinisches Bild Rutherford
I keine Beschwerden Grad 0, Kategorie 0
IIa Claudicatio, schmerzfreie Gehstrecke über 200 m Grad I, Kategorie 1 (leicht)
IIb Claudicatio, Gehstrecke unter 200 m Grad I, Kategorie 2–3 (mäßig bis schwer)
III ischämischer Ruheschmerz Grad II, Kategorie 4
IV Ulkus oder Gangrän Grad III, Kategorie 5 (kleinflächig) und 6 (großflächig)

Fontaine ist die in Deutschland übliche Einteilung, Rutherford die international
gebräuchliche. Beide beschreiben Beschwerden, keine Gefäßbefunde. Für die Stadien III
und IV hat sich international der Begriff chronische extremitätenbedrohende Ischämie
durchgesetzt, kurz CLTI.

Stadium I und II: wie sich Claudicatio anfühlt

Im Stadium I findet sich die Verengung nur in der Messung. Im Stadium II treten
krampfartige Schmerzen in Fuß, Wade oder Oberschenkel beim Gehen auf und lassen in Ruhe
innerhalb weniger Minuten nach; Betroffene bleiben immer wieder stehen, daher der Name
Schaufensterkrankheit. Schneller Gehen, Bergauf und Treppen verschlimmern die Schmerzen.
Wo es wehtut, verrät die Engstelle: Gesäß und Oberschenkel weisen ins Becken, die Wade
in den Oberschenkel, der Fuß in den Unterschenkel.

Weitere Zeichen laut IQWiG: blasse, marmorierte, dünne Haut, kalte Füße, Kribbeln,
langsameres Haarwachstum. Bei Diabetes fehlt der typische Schmerz oft, weil die
Schmerzwahrnehmung gestört ist; schlecht heilende Wunden sind dann das erste Warnzeichen.
Bei etwa einem Viertel der Menschen im Stadium II schreitet die Krankheit fort.

Stadium III und IV: die kritische Ischämie

Im Stadium III schmerzt das Bein auch in Ruhe, besonders im Liegen und nachts. Im
Stadium IV entstehen Geschwüre, meist am Fuß, und Gewebe stirbt ab — blau bis schwarz
verfärbte Zehen. Die Leitlinie fordert bei klinischem Verdacht auf eine kritische
Durchblutungsstörung unverzüglich weitere Diagnostik und Therapie und eine schnellstmögliche
interdisziplinäre Entscheidung über die Wiedereröffnung des Gefäßes.

Die Prognose erklärt die Eile: Nach Registerdaten erleiden 50 bis 90 Prozent der
Menschen mit CLTI innerhalb von fünf Jahren nach der ersten stationären Behandlung eine
Amputation oder sterben; bei Claudicatio sind es 13 bis 50 Prozent.

Wie das Stadium bestimmt wird

Basis sind laut Leitlinie Inspektion, Tasten der Pulse im Seitenvergleich, Abhören der
Arterien und der Knöchel-Arm-Index, kurz ABI: der Knöcheldruck geteilt durch den
Armdruck. Werte über 0,9 gelten als normal, 0,75 bis 0,9 als leichte, 0,5 bis unter 0,75
als mittelschwere und unter 0,5 als schwere pAVK mit kritischer Ischämie. Werte über 1,3
sind falsch hoch und deuten auf verkalkte, starre Gefäßwände; bei Diabetes ist der ABI
deshalb in 10 bis 30 Prozent nicht verwertbar. Weil ein Wert von 0,9 durch den Messfehler
zwischen 0,8 und 1,0 liegen kann, soll im Grenzbereich wiederholt gemessen werden.

Was in welchem Stadium behandelt wird

Die Leitlinie ordnet die Maßnahmen dem Fontaine-Stadium zu. In allen Stadien:
Rauchstopp, Diabetes- und Blutdruckbehandlung, Statine. Ab Stadium II: ein
Thrombozytenfunktionshemmer wie ASS oder Clopidogrel. In den Stadien I und II:
strukturiertes Gehtraining, laut IQWiG die wichtigste Maßnahme in frühen Stadien — es
verlängert die schmerzfreie Gehstrecke in Studien um mehr als die Hälfte. Katheter oder
Operation kommen im Stadium II erst nach drei bis sechs Monaten konservativer Therapie in
Frage, bei hohem Leidensdruck und geeigneter Gefäßanatomie; in den Stadien III und IV sind
sie Standard, dazu strukturierte Wundbehandlung. Eine vorbeugende Wiedereröffnung im
Stadium I ist nicht angezeigt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Fontaine IIb genau?

Schmerzen beim Gehen, die schon vor 200 Metern auftreten und in Ruhe nachlassen. IIa beginnt erst nach mehr als 200 Metern.

Ist Stadium I harmlos?

Für das Bein ja, für den Körper nicht: Die Atherosklerose betrifft auch Herz und Gehirn. Die Leitlinie sieht deshalb schon im Stadium I Rauchstopp, Statine und Gehtraining vor.

Kann sich das Stadium verbessern?

Die Gehstrecke lässt sich durch Training deutlich verlängern, und nach einem Eingriff kann Ruheschmerz verschwinden. Die Gefäßerkrankung selbst bleibt und braucht Dauerbehandlung.

Was ist der Unterschied zwischen kritischer Ischämie und CLTI?

Keiner in der Sache. CLTI ist der neuere internationale Begriff für die Stadien III und IV nach Fontaine.

Darf ich mit Schmerzen weitergehen?

Das IQWiG beschreibt, dass der Schmerz beim Training kein Warnsignal ist; Bewegung lässt Umgehungsgefäße wachsen. Bei Wunden am Fuß gehört das Training ärztlich abgestimmt.

Wie schnell muss ich bei Ruheschmerz handeln?

Sofort. Die Leitlinie verlangt bei Verdacht auf kritische Ischämie unverzügliche Diagnostik, weil Gliedmaße und Leben bedroht sind.

Quellen

Paul Tenner uebersetzt fuer gesundheitscenter.net Fachliteratur in verstaendliche Sprache.


Nach oben scrollen