Tinzaparin: Niedermolekulares Heparin gegen Thrombosen

Aktualisiert am 01.10.2026 · Lesezeit 6 Min.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Tinzaparin ist ein niedermolekulares Heparin. Es hemmt die Blutgerinnung und wird unter die Haut gespritzt. Eingesetzt wird es zur Vorbeugung venöser Thromboembolien nach Operationen und bei Immobilisierung. In höherer Menge dient es zur Behandlung von Venenthrombosen und Lungenembolien. Umgangssprachlich heißt das Blutverdünnung. Tatsächlich hemmt Tinzaparin die Gerinnung. Bestehende Gerinnsel löst es nicht auf.

Kurzantwort: Tinzaparin-Natrium (Handelsname innohep) ist ein niedermolekulares Heparin zur Vorbeugung und Behandlung venöser Thromboembolien. Es wird einmal täglich subkutan gespritzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tinzaparin verstärkt die Hemmung der Gerinnungsfaktoren durch Antithrombin III, vor allem von Faktor Xa.
  • Es gibt Fertigspritzen zur Vorbeugung mit 3.500 und 4.500 Anti-Xa I.E. und zur Behandlung mit 8.000 bis 18.000 Anti-Xa I.E.
  • Blutungen, Hämatome an der Einstichstelle und Anämie gehören zu den häufigen Nebenwirkungen.
  • Eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II schließt die Anwendung aus. Die Thrombozyten werden kontrolliert.

Tinzaparin: Wirkstoff und Wirkprinzip

Tinzaparin-Natrium ist ein niedermolekulares Heparin vom Schwein. Es entsteht durch enzymatische Spaltung aus unfraktioniertem Heparin. Das Verhältnis von Anti-Xa- zu Anti-IIa-Aktivität liegt zwischen 1,5 und 2,5. Wie normales Heparin verstärkt Tinzaparin die Hemmung aktivierter Gerinnungsfaktoren durch Antithrombin III. Hauptziel ist Faktor Xa.

Die Aktivität wird in Anti-Xa Internationalen Einheiten angegeben. Nach der Injektion unter die Haut erreicht Tinzaparin eine Bioverfügbarkeit von etwa 90 %. Die höchste Aktivität liegt nach 4 bis 6 Stunden vor. Die Halbwertszeit beträgt etwa 3,7 Stunden. Ausgeschieden wird der Wirkstoff vor allem über die Nieren. Tinzaparin hat ein hohes mittleres Molekulargewicht. Deshalb ist ein bedeutender Teil der Elimination nicht renal.

Niedermolekulare Heparine haben nach Angaben von Wikipedia eine bessere Bioverfügbarkeit und eine längere Eliminationshalbwertszeit als unfraktioniertes Heparin. Sie sind laut Fachinformation untereinander nicht austauschbar. Zum Vergleich mit anderen Präparaten informieren die Beiträge zu Clexane 40 und Lixiana.

Anwendungsgebiete: Vorbeugung und Behandlung

Die Fertigspritzen für die Vorbeugung (innohep 3.500 und 4.500) dienen der Prophylaxe venöser Thromboembolien bei Erwachsenen. Dazu gehören Patienten nach einer Operation, besonders orthopädisch, allgemeinchirurgisch oder onkologisch. Außerdem gehören nicht-chirurgische Patienten dazu, die wegen einer akuten internistischen Erkrankung immobilisiert sind, etwa bei akutem Herzversagen, schweren Infektionen oder aktiver Tumorerkrankung. Die Spritze mit 4.500 Anti-Xa I.E. dient bei hohem Risiko. Die Stärke 3.500 ist für ein mittleres Risiko gedacht. Zusätzlich dient Tinzaparin der Gerinnungshemmung im extrakorporalen Kreislauf bei Hämodialyse und Hämofiltration.

Die höher dosierten Fertigspritzen von 8.000 bis 18.000 Anti-Xa I.E. dienen der Behandlung von Venenthrombosen und thromboembolischen Erkrankungen bei Erwachsenen, einschließlich tiefer Beinvenenthrombose und Lungenembolie. Auch die Langzeitbehandlung venöser Thromboembolien und die Vorbeugung von Rückfällen bei aktiver Tumorerkrankung gehören dazu. Dort wird der Nutzen einer Fortsetzung nach 6 Monaten überprüft. Einen Überblick über Spritzen zur Vorbeugung gibt der Beitrag zu Thrombose-Spritzen.

Anwendung unter die Haut

Tinzaparin wird subkutan gespritzt, in der Regel einmal täglich. In der Prophylaxe erfolgt die erste Gabe vor der Operation. Danach läuft die Anwendung, solange ein Thromboserisiko besteht. Die Behandlung einer Thrombose richtet sich nach dem Körpergewicht. Sie wird so lange gegeben, bis eine gleichwertige orale Gerinnungshemmung erreicht ist.

Menge und Dauer legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt fest. Das gilt auch für den Wechsel zu anderen Präparaten. Bei der Umstellung auf ein anderes niedermolekulares Heparin ist besondere Vorsicht nötig. Jedes Produkt hat eigene Dosierungsanleitungen.

Nebenwirkungen von Tinzaparin

Am häufigsten sind laut Fachinformation Blutungsereignisse und eine Anämie aufgrund von Blutungen. Als häufig gelten außerdem Hämatome und Reaktionen an der Einstichstelle wie Schmerz, Juckreiz, Knötchen, Rötung und Blutung. Gelegentlich kommen eine Thrombozytopenie Typ I, Überempfindlichkeit, Blutergüsse, erhöhte Leberwerte, Hautausschlag und Juckreiz vor.

Selten treten die immunvermittelte Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II, anaphylaktische Reaktionen, Hyperkaliämie, Hautnekrosen, Angioödem, Urtikaria und Priapismus auf. Bei Langzeitanwendung ist selten eine Osteoporose beschrieben. Die Thrombozytopenie Typ II zeigt sich meist innerhalb von 5 bis 14 Tagen. Deshalb wird die Thrombozytenzahl zu Beginn und danach regelmäßig kontrolliert. Bei einem Abfall der Zahl wird Tinzaparin abgesetzt.

Bei Tumorpatienten unter Langzeitbehandlung ist das Blutungsrisiko erhöht. Es hängt auch von Alter, Begleiterkrankungen und Begleitbehandlungen ab.

Kurzantwort: Bei Blutungen oder neurologischen Beschwerden nach einer Spinalanästhesie ist sofort ärztliche Hilfe nötig. Gegenmittel bei schweren Blutungen ist Protaminsulfat.

Gegenanzeigen und Vorsicht

Tinzaparin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Hilfsstoff.
  • aktueller oder früherer immunvermittelter Heparin-induzierter Thrombozytopenie Typ II.
  • akuten schweren Blutungen oder Zuständen, die schwere Blutungen begünstigen.
  • septischer Endokarditis.
  • therapeutischen Dosen bei neuroaxialer Anästhesie.

Wegen des Risikos von Spinalhämatomen muss bei geplanter Spinal- oder Epiduralanästhesie ein Abstand zur letzten Gabe bleiben. Therapeutische Dosen sollen spätestens 24 Stunden vor dem Eingriff abgesetzt werden. Die Weiterführung ist frühestens 4 bis 6 Stunden nach der Anästhesie oder dem Entfernen des Katheters vorgesehen.

Bei Nierenfunktionsstörungen wird die Anwendung unter einer Kreatinin-Clearance von 30 ml/min nicht empfohlen. Bis 20 ml/min fand sich keine Anreicherung. Bei älteren Patienten ist Vorsicht geboten. Bei Herzklappenprothesen wird die Anwendung wegen berichteter Therapieversagen nicht empfohlen. Die Stärke mit 20.000 Anti-Xa I.E./ml enthält Natriummetabisulfit und verlangt bei Asthma Vorsicht.

Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit

Die gerinnungshemmende Wirkung kann durch andere Mittel verstärkt werden. Dazu zählen Acetylsalicylsäure und andere nichtsteroidale Entzündungshemmer, thrombolytisch wirksame Mittel, Vitamin-K-Antagonisten und direkte Faktor-Xa- oder IIa-Hemmer. Solche Kombinationen sollen vermieden oder nur unter engmaschiger Überwachung gegeben werden. Bei Blutungen durch Überdosierung dient Protaminsulfat als Antidot. Wegen der kurzen Halbwertszeit lassen sich kleinere Blutungen nach dem Absetzen oft konservativ behandeln.

In der Schwangerschaft soll die Behandlung mit Gerinnungshemmern durch einen Spezialisten erfolgen. Tinzaparin ist nicht plazentagängig. Aus mehr als 2.200 Schwangerschaftsverläufen ergaben sich keine Hinweise auf Fehlbildungen. Innohep kann in allen Trimestern angewendet werden, wenn es klinisch notwendig ist. In der Stillzeit wird Nutzen und Risiko abgewogen. Auf die Verkehrstüchtigkeit hat es keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss.

Fazit

Tinzaparin ist ein niedermolekulares Heparin, das die Gerinnung hemmt. Es dient der Vorbeugung und Behandlung venöser Thromboembolien und wird einmal täglich unter die Haut gespritzt. Blutungen und Hämatome zählen zu den häufigen Nebenwirkungen. Thrombozytenkontrolle, Nierenfunktion und ein Abstand zur Spinalanästhesie sind wichtige Sicherheitspunkte. Welche Stärke und Dauer passt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt.

FAQ – Häufige Fragen

Was ist Tinzaparin?

Ein niedermolekulares Heparin vom Schwein. Es hemmt die Blutgerinnung und wird unter dem Handelsnamen innohep angeboten.

Löst Tinzaparin bestehende Blutgerinnsel auf?

Nein. Es wirkt als Antikoagulans und hemmt die Gerinnung. Bei Lungenembolien kann in schweren Fällen eine Operation oder Thrombolyse angezeigt sein.

Wofür wird Tinzaparin angewendet?

Zur Vorbeugung venöser Thromboembolien nach Operationen und bei Immobilisierung, zur Behandlung von Thrombosen und Lungenembolien und zur Gerinnungshemmung bei Dialyse.

Wie wird Tinzaparin verabreicht?

Als subkutane Injektion, in der Regel einmal täglich. Die Stärke richtet sich nach Anwendungsgebiet und Körpergewicht.

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Blutungen, Hämatome, Anämie und Reaktionen an der Einstichstelle.

Was ist eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie?

Ein Abfall der Blutplättchen durch eine Immunreaktion. Sie tritt meist innerhalb von 5 bis 14 Tagen auf. Dann wird Tinzaparin abgesetzt.

Was gilt bei einer Spinalanästhesie?

Therapeutische Dosen werden spätestens 24 Stunden vorher abgesetzt. Die Weiterführung ist frühestens 4 bis 6 Stunden danach vorgesehen.

Darf Tinzaparin bei Niereninsuffizienz angewendet werden?

Unter einer Kreatinin-Clearance von 30 ml/min wird es nicht empfohlen. Bei Bedarf kann es unter Anti-Xa-Überwachung angewendet werden.

Gibt es ein Gegenmittel?

Bei schweren Blutungen durch Überdosierung ist Protaminsulfat das Antidot.

Darf Tinzaparin in der Schwangerschaft angewendet werden?

Ja, wenn es klinisch notwendig ist. Tinzaparin ist nicht plazentagängig. Die Behandlung soll durch einen Spezialisten erfolgen.

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    Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Über Einnahme und Anwendung entscheiden Ärztin, Arzt oder Apotheke anhand der Packungsbeilage.

    Quellen

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