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Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Kalium bichromicum ist die homöopathische Bezeichnung für verdünntes Kaliumdichromat. Nach der homöopathischen Lehre kommt das Mittel bei Schleimhautbeschwerden mit zähem, fadenziehendem Sekret infrage. Eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus ist wissenschaftlich nicht belegt. Registrierte Präparate tragen keine Anwendungsgebiete.
Kurzantwort: In der Homöopathie wird Kalium bichromicum bei Schnupfen, Nebenhöhlenbeschwerden und Husten mit zähem Schleim genannt. Belastbare Übersichtsarbeiten finden keine Wirkung über Placebo hinaus. Starke oder anhaltende Beschwerden gehören in ärztliche Hand.
Das Wichtigste in Kürze
- Ausgangsstoff ist Kaliumdichromat, eine Chrom(VI)-Verbindung.
- Der unverdünnte Stoff gilt als sehr giftig und krebserzeugend. Homöopathische Zubereitungen sind verdünnt.
- Registrierte homöopathische Arzneimittel tragen keine Anwendungsgebiete und brauchen keinen Wirksamkeitsnachweis.
- Systematische Übersichtsarbeiten finden keine Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus.
Was Kalium bichromicum ist
Kalium bichromicum ist der Name, unter dem die Homöopathie Kaliumdichromat (K2Cr2O7) führt. Es ist das Kaliumsalz der Dichromsäure. Das Chrom liegt in der Oxidationsstufe +VI vor. Außerhalb der Homöopathie dient der Stoff im Labor als Oxidationsmittel und Reagenz.
Als Reinstoff gilt Kaliumdichromat laut Wikipedia als sehr giftig, brandfördernd und umweltgefährlich. Es ist als krebserzeugend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Der Stoff zählt zudem zu den wichtigsten Kontaktallergenen. Homöopathische Präparate enthalten ihn stark verdünnt. Die Verdünnung, Fachleute sprechen von Potenzierung, ist ein Grundprinzip dieser Therapierichtung.
Anwendung nach der homöopathischen Lehre
Die Homöopathie folgt dem Ähnlichkeitsprinzip. Danach soll ein Stoff, der bei Gesunden in hoher Konzentration ähnliche Symptome auslöst, eine Krankheit mit diesen Symptomen heilen. Das Arzneimittelbild entsteht in sogenannten Arzneimittelprüfungen an Gesunden. Auf diese Weise sind auch die Leitsymptome von Kalium bichromicum beschrieben.
Laut dem Gesundheitsportal Lifeline gelten als typisch ein zähes, klebriges, gelbgrünes und fadenziehendes Sekret, eine verstopfte Nase, Druck in Nasennebenhöhlen und Stirnhöhlen sowie ein Husten mit zähem Auswurf. Auch Kopfschmerzen und Magenbeschwerden zählen zu den genannten Einsatzgebieten. Für die Selbstbehandlung werden dort niedrige Potenzen wie D6 oder D12 genannt. Zu den Beschwerden selbst bieten die Beiträge zur Nasennebenhöhlenentzündung und zu Rotlicht bei Nasennebenhöhlenentzündung Hintergrund.
Diese Angaben stammen aus der homöopathischen Überlieferung und aus Ratgebern. Ein Wirknachweis liegt dafür nicht vor.
Studienlage zur Homöopathie
Der australische National Health and Medical Research Council wertete 2015 mehr als 50 systematische Übersichtsarbeiten aus. Das Ergebnis: Es gibt keinen glaubwürdigen Beweis, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirkt. Ein Bericht des European Academies Science Advisory Council von 2017 kam zu einem ähnlichen Schluss. Er fand keine Erkrankung, für die belastbare und reproduzierbare Belege einer Wirkung über Placebo hinaus vorliegen.
Eine frühe Metaanalyse von 1997 hielt die Ergebnisse noch nicht für vollständig durch den Placebo-Effekt erklärbar. Spätere Auswertungen kamen zu einem anderen Bild. Ein Vergleich von 110 Homöopathie-Studien mit ebenso vielen Studien der konventionellen Medizin zeigte 2005, dass kleine Studien niedriger Qualität Wirkungen eher vortäuschen als große, gut geplante Studien. Als Erklärungen für beobachtete Besserungen nennt Wikipedia den Placebo-Effekt und die Spontanheilung einer Erkrankung.
Kurzantwort: Registrierte homöopathische Arzneimittel werden ohne Anwendungsgebiet vertrieben. Der Gesetzgeber sieht laut BfArM für sie keinen Wirksamkeitsnachweis vor. Das BfArM kontrolliert Qualität und Unbedenklichkeit.
Registrierung statt Zulassung
Das BfArM unterscheidet zwei Wege zum Markt. Zugelassene homöopathische Arzneimittel dürfen Anwendungsgebiete angeben, etwa „bei fieberhaften Atemwegsinfekten“. Dafür müssen die Hersteller Unterlagen zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit einreichen. Der zweite Weg ist die Registrierung. Sie setzt voraus, dass das Mittel ohne Angabe eines Anwendungsgebietes verkauft wird.
Registrierte Mittel müssen oral oder äußerlich angewendet werden. Der Ausgangsstoff muss mindestens im Verhältnis 1:10.000 verdünnt sein. Das entspricht der Potenz D4. Zusätzlich muss die Bekanntheit des Stoffes als homöopathisches Arzneimittel belegt sein. Wirksamkeitsstudien verlangt das Verfahren nicht. Anwendungsgebiete auf Ratgeberseiten gehen deshalb nicht auf eine behördliche Prüfung der Wirkung zurück.
Sicherheit und ärztliche Abklärung
Anhaltende, starke oder sich verschlimmernde Beschwerden von Nase, Nebenhöhlen und Atemwegen gehören in ärztliche Hand. Dazu zählt auch ein länger bestehender Husten mit Schleim. Eine notwendige Behandlung sollte nicht aufgeschoben werden. Zu Schleim und Auswurf informiert der Beitrag Schleim husten und ausspucken.
Menschen mit bekannter Chromatallergie sprechen vor der Anwendung mit Arzt oder Apotheke. Das gilt auch für Schwangere, Stillende und Kinder. Zur Trockenheit der Schleimhäute gibt es den Beitrag Trockene Nasenschleimhaut.
Fazit
Kalium bichromicum steht in der Homöopathie für verdünntes Kaliumdichromat bei Schleimhautbeschwerden mit zähem Sekret. Belastbare Belege für eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus fehlen. Registrierte Präparate dürfen keine Anwendungsgebiete nennen. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden führt der Weg zur ärztlichen Abklärung.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist Kalium bichromicum?
Der homöopathische Name für Kaliumdichromat. Es ist das Kaliumsalz der Dichromsäure. In homöopathischen Präparaten liegt es verdünnt vor.
Aus welchem Stoff wird Kalium bichromicum hergestellt?
Ausgangsstoff ist Kaliumdichromat, eine Chrom(VI)-Verbindung. Als Reinstoff ist sie sehr giftig und als krebserzeugend eingestuft. Die Verdünnung ist Teil des homöopathischen Herstellungsverfahrens.
Wofür wird Kalium bichromicum in der Homöopathie genannt?
Typisch genannt werden Schleimhautbeschwerden mit zähem, fadenziehendem Sekret, etwa bei Schnupfen, Nasennebenhöhlenbeschwerden und Husten. Diese Angaben stammen aus der homöopathischen Lehre und nicht aus Wirksamkeitsstudien.
Gibt es Studien, die eine Wirkung belegen?
Systematische Übersichtsarbeiten, darunter ein Meta-Review des australischen NHMRC von 2015, finden keinen glaubwürdigen Beweis für eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus. Für Kalium bichromicum liegt kein eigener Wirknachweis vor.
Warum steht auf der Packung kein Anwendungsgebiet?
Registrierte homöopathische Arzneimittel werden nach § 38 AMG ohne Anwendungsgebiet in Verkehr gebracht. Der Gesetzgeber hat dafür keinen Wirksamkeitsnachweis vorgesehen.
Was bedeuten Potenzangaben wie D6 oder D12?
Das D steht für Dezimalpotenzen mit einer Verdünnung von 1:10 je Stufe. D4 bedeutet nach BfArM 1:10.000. Rechnerisch ist D6 eine Verdünnung von 1:1.000.000 und D12 eine von 1:1.000.000.000.000. Welche Stufe passt, klärt eine Therapeutin oder Apotheke.
Ist Kaliumdichromat gefährlich?
Der unverdünnte Stoff wirkt stark toxisch, reizt Haut, Atemwege und Augen und gilt als krebserzeugend. Er zählt zu den wichtigsten Kontaktallergenen. Homöopathische Zubereitungen enthalten ihn verdünnt.
Kann Kalium bichromicum eine ärztliche Behandlung ersetzen?
Nein. Eine Wirkung über Placebo hinaus ist nicht belegt. Anhaltende oder starke Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Eine notwendige Behandlung sollte nicht aufgeschoben werden.
Wie erklären sich Besserungen nach der Einnahme?
Wikipedia nennt unter anderem den Placebo-Effekt und die Spontanheilung einer Erkrankung. Viele Beschwerden bessern sich ohne gezielte Therapie. Eine Besserung beweist daher keine Wirkung des Mittels.
Was ist eine Arzneimittelprüfung am Gesunden?
In der Homöopathie nehmen gesunde Personen einen Stoff ein, der Symptome auslösen soll. Aus den berichteten Beschwerden entsteht das Arzneimittelbild. Wikipedia verweist darauf, dass Probanden unter Placebo ebenfalls diverse Symptome berichteten.
- Nasennebenhöhlenentzündung
- Rotlicht bei Nasennebenhöhlenentzündung
- Schleim husten und ausspucken
- Trockene Nasenschleimhaut
- Entzündung in der Nase
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Medikamenten klären Ärztin, Arzt oder Apotheke die Ursache und das weitere Vorgehen.
Quellen
- BfArM: Homöopathische Arzneimittel
- Wikipedia: Homöopathie
- Wikipedia: Kaliumdichromat
- Lifeline: Kalium bichromicum in der Homöopathie

Katrin hat lange in einer Apotheke gearbeitet und erklärt hier Blutwerte, Wirkstoffe und Nebenwirkungen in ruhigen Worten. Wenn etwas in die Praxis gehört, sagt sie das.
