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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Citalopram ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und bei Erwachsenen zur Behandlung von Episoden einer Major Depression zugelassen, einige Präparate zusätzlich bei Panikstörung. Die Fachinformation nennt 20 mg einmal täglich als Dosis und 40 mg als Höchstdosis; für Menschen über 65 gilt eine Höchstdosis von 20 mg. Mit einer antidepressiven Wirkung ist frühestens nach zwei Wochen zu rechnen. Sehr häufig (mehr als 1 von 10) sind Schlafstörungen, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit und vermehrtes Schwitzen. Abrupt abgesetzt löst Citalopram häufig Absetzreaktionen aus.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Suizidgedanken, bei Herzrasen, Herzstolpern oder Ohnmacht, bei hohem Fieber mit Muskelzuckungen und Verwirrtheit, bei ungewöhnlichen Blutungen oder Blut im Stuhl sowie bei plötzlichen Sehstörungen mit Augenschmerzen gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Citalopram ist verschreibungspflichtig. Das Original Cipramil stammt von Lundbeck, daneben gibt
es viele Generika, etwa von ratiopharm oder AbZ. Filmtabletten gibt es mit 10, 20 und 40 mg. Grundlage dieses Textes sind die Fachinformation von Citalopram-ratiopharm
(Stand Dezember 2024), die Fachinformation von Citalopram AbZ 10 mg (Stand Mai 2024) und die
Sicherheitsinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von
2011.
Was Citalopram im Körper macht
Citalopram hemmt gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzellen des Gehirns;
damit bleibt der Botenstoff länger im synaptischen Spalt. Auf Noradrenalin, Dopamin und GABA hat
es laut Fachinformation praktisch keinen Einfluss, und es bindet kaum an cholinerge, histaminerge
oder adrenerge Rezeptoren.
Nach dem Schlucken ist die höchste Konzentration im Blut nach durchschnittlich vier Stunden
erreicht, die Bioverfügbarkeit liegt bei rund 80 Prozent. Die Halbwertszeit beträgt etwa 1,5
Tage, ein Gleichgewicht im Blut stellt sich nach ein bis zwei Wochen ein. Abgebaut wird
Citalopram vor allem über das Leberenzym CYP2C19; 85 Prozent verlassen den Körper über die
Leber, 15 Prozent über die Niere.
Wofür Citalopram zugelassen ist
Die Fachinformation von Citalopram-ratiopharm nennt ein Anwendungsgebiet: die Behandlung von
Episoden einer Major Depression. Citalopram AbZ 10 mg ist zusätzlich zur Behandlung der
Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie zugelassen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
sollen nicht mit Citalopram behandelt werden; in Studien traten bei ihnen unter Antidepressiva
häufiger Suizidgedanken, Suizidversuche und Feindseligkeit auf als unter Placebo.
Was die Fachinformation zur Dosis sagt
Citalopram wird einmal täglich eingenommen, morgens oder abends, unabhängig von den
Mahlzeiten. Die Fachinformation nennt 20 mg als Tagesdosis, die je nach Ansprechen auf höchstens
40 mg erhöht werden kann. Für Menschen über 65 Jahre gilt die halbe Dosis, also 10 bis 20 mg, mit
einer Höchstdosis von 20 mg. Bei eingeschränkter Leberfunktion und bei bekannt langsamem
CYP2C19-Stoffwechsel wird mit 10 mg begonnen, Höchstdosis 20 mg. Bei Panikstörung beginnt die
Behandlung laut Fachinformation von Citalopram AbZ mit 10 mg, um paradoxe Angstreaktionen zu
vermeiden. Welche Dosis für dich richtig ist, entscheidet deine Ärztin.
Die Höchstdosen gehen auf eine Entscheidung des BfArM vom Oktober 2011 zurück: Citalopram
verlängert dosisabhängig das QT-Intervall im EKG, deshalb wurden die 60-mg-Stärke vom Markt
genommen und 40 mg beziehungsweise 20 mg bei Älteren als Obergrenzen festgelegt. Eine
antidepressive Wirkung ist frühestens nach zwei Wochen zu erwarten. Die Behandlung soll so lange
weiterlaufen, bis über vier bis sechs Monate keine Symptome mehr bestehen.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die meisten Nebenwirkungen sind laut Fachinformation leicht und klingen nach den ersten ein
bis zwei Wochen ab. Sehr häufig (mehr als 1 von 10):
Schlafstörungen, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, gestörte Naheinstellung der
Augen, Mundtrockenheit, Übelkeit, vermehrtes Schwitzen und Kraftlosigkeit. Häufig
(1 bis 10 von 100): verminderter Appetit, Gewichtsabnahme, Agitiertheit, verringerte Libido,
Ängstlichkeit, Nervosität, Verwirrtheit, Orgasmusstörungen bei Frauen, Zittern, Kribbeln,
Schwindel, Aufmerksamkeitsstörungen, Tinnitus, Herzklopfen, Blutdruckschwankungen, Gähnen,
Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Juckreiz, Muskel- und Gelenkschmerzen, Impotenz,
Ejakulationsstörungen und Ermüdung.
Gelegentlich (1 bis 10 von 1.000): Gewichtszunahme, Aggression,
Halluzinationen, Manie, Ohnmacht, langsamer oder schneller Puls, Nesselsucht, Haarausfall,
Harnverhalt. Selten (1 bis 10 von 10.000): Hyponatriämie, Grand-mal-Anfall,
Serotonin-Syndrom, Hepatitis, Blutungen. Ohne abschätzbare Häufigkeit: QT-Verlängerung,
Torsade de pointes, Suizidgedanken und suizidales Verhalten, Magen-Darm-Blutungen, Panikattacken,
Zähneknirschen, Akathisie. Für Schwitzen, Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Schläfrigkeit,
Durchfall, Übelkeit und Müdigkeit ist eine Dosisabhängigkeit belegt. Bei Menschen über 50 wurde
unter SSRI ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beobachtet.
Worauf die Fachinformation besonders hinweist
Das Suizidrisiko kann zu Beginn der Behandlung ansteigen, bevor die Wirkung einsetzt; eine
Meta-Analyse zeigte für Menschen unter 25 Jahren ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten
gegenüber Placebo. Citalopram ist kontraindiziert bei bekannter QT-Verlängerung, bei angeborenem
Long-QT-Syndrom und zusammen mit anderen QT-verlängernden Arzneimitteln; Kalium- und
Magnesiummangel müssen vor Beginn ausgeglichen werden, bei Herzkranken wird ein EKG empfohlen.
Bei älteren Frauen ist das Risiko einer Hyponatriämie erhöht. Zusammen mit NSAR,
Acetylsalicylsäure oder Gerinnungshemmern steigt das Blutungsrisiko. Sexuelle
Funktionsstörungen können laut Fachinformation auch nach dem Absetzen fortbestehen.
Absetzen und Wechselwirkungen
Absetzreaktionen treten häufig auf, besonders nach plötzlichem Abbruch: In einer Studie hatten
40 Prozent der Absetzenden Beschwerden, gegenüber 20 Prozent unter fortgesetzter Einnahme.
Typisch sind Schwindel, Kribbeln, Schlafstörungen, Unruhe, Übelkeit, Zittern, Schwitzen und
Kopfschmerzen. Meist klingen sie binnen zwei Wochen ab, bei einigen dauern sie Monate. Die Dosis wird deshalb über mindestens ein bis zwei Wochen, bei Bedarf länger, schrittweise
gesenkt.
MAO-Hemmer sind kontraindiziert; nach einem irreversiblen MAO-Hemmer müssen 14 Tage vergehen,
umgekehrt sieben Tage. Auch Linezolid und Pimozid sind ausgeschlossen. Triptane, Tramadol,
Buprenorphin und Johanniskraut sollen nicht kombiniert werden. Omeprazol, Esomeprazol,
Fluconazol und Cimetidin hemmen CYP2C19 und können den Citalopram-Spiegel erhöhen; Citalopram
selbst verdoppelt den Spiegel von Metoprolol. Von Alkohol wird abgeraten. In der Schwangerschaft
zeigten Daten zu mehr als 2.500 Frauen keine Fehlbildungen; bei Einnahme im letzten Drittel
müssen Neugeborene wegen Anpassungsstörungen und eines erhöhten Risikos für eine pulmonale
Hypertonie überwacht werden.
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt Citalopram?
Mit einer antidepressiven Wirkung ist laut Fachinformation frühestens nach zwei Wochen zu rechnen. Bei Panikstörung nennt die Fachinformation von Citalopram AbZ zwei bis vier Wochen bis zu ersten Effekten und bis zu drei Monate bis zur vollen Wirkung.
Was ist die Höchstdosis von Citalopram?
40 mg pro Tag, bei Menschen über 65 Jahren 20 mg pro Tag. Die Grenzen gehen auf die QT-Warnung des BfArM von 2011 zurück.
Macht Citalopram abhängig?
Die Fachinformation nennt kein Abhängigkeitspotenzial. Absetzreaktionen sind trotzdem häufig, deshalb wird die Dosis schrittweise gesenkt.
Nimmt man mit Citalopram zu?
Häufig sind laut Fachinformation verminderter Appetit und Gewichtsabnahme, gelegentlich gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme.
Darf ich Ibuprofen mit Citalopram nehmen?
Die Fachinformation mahnt zur Vorsicht: NSAR wie Ibuprofen erhöhen zusammen mit SSRI das Blutungsrisiko. Sprich das mit deiner Ärztin ab.
Wie lange dauern die Absetzsymptome?
Meist klingen sie innerhalb von zwei Wochen ab. Bei einigen Menschen halten sie laut Fachinformation zwei bis drei Monate oder länger an.
Quellen
- Fachinformation Citalopram-ratiopharm 10 mg / 20 mg / 40 mg Filmtabletten (ratiopharm, Stand Dezember 2024), Abschnitte 4.1 bis 5.2 — abgerufen am 11. September 2026
- Fachinformation Citalopram AbZ 10 mg Filmtabletten (AbZ-Pharma, Stand Mai 2024), Abschnitte 4.1 und 4.2 — abgerufen am 11. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu Cipramil (Citalopram), dosisabhängige QT-Intervall-Verlängerung, 31. Oktober 2011 — abgerufen am 11. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Citalopram, Stufenplanverfahren zur QT-Verlängerung und zur 60-mg-Stärke — abgerufen am 11. September 2026
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Dr. Katrin Vogt uebersetzt fuer gesundheitscenter.net Fachliteratur in verstaendliche Sprache.

Katrin hat lange in einer Apotheke gearbeitet und erklärt hier Blutwerte, Wirkstoffe und Nebenwirkungen in ruhigen Worten. Wenn etwas in die Praxis gehört, sagt sie das.
