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Pipamperon: Wirkung, Dosis laut Fachinformation, Nebenwirkungen

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Pipamperon ist ein schwach potentes Neuroleptikum aus der Gruppe der Butyrophenone. Zugelassen ist es laut Fachinformation bei Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, und bei psychomotorischen Erregungszuständen. Es dämpft Erregung und stößt den Schlaf an; für Wahn oder Halluzinationen reicht seine antipsychotische Stärke in der Regel nicht aus. Sehr häufig (mehr als 1 von 10) sind Schläfrigkeit und das Zahnradphänomen, eine ruckartige Muskelsteifigkeit. Die Halbwertszeit beträgt 17 bis 22 Stunden.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei hohem Fieber mit Muskelsteifigkeit und Bewusstseinsstörung, bei Herzrasen, unregelmäßigem Puls oder Ohnmacht, bei plötzlicher Lähmung, Taubheit im Gesicht oder in den Gliedern, Sprach- oder Sehstörungen sowie bei einem Krampfanfall gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Pipamperon ist verschreibungspflichtig. Im Handel ist es unter dem Namen Dipiperon und als
Generikum, etwa Pipamperon-neuraxpharm, Pipamperon HEXAL und Pipamperon 1A Pharma. Es gibt Tabletten mit 40 mg und 120 mg sowie einen Saft mit 20 mg je 5 ml. Grundlage
dieses Textes sind die Fachinformationen von Pipamperon-neuraxpharm Tabletten und Saft, beide mit
Stand Oktober 2025.

Der Wirkstoff heißt chemisch Pipamperondihydrochlorid; 48 mg davon entsprechen 40 mg
Pipamperon. Die Fachinformation sagt selbst, dass die Datenlage zur Pharmakokinetik lückenhaft
ist. Was belegt ist, steht hier.

Was Pipamperon im Körper macht

Pipamperon blockiert Dopaminrezeptoren im zentralen Nervensystem. Sein Bindungsprofil ist
ungewöhnlich: Die Affinität zu D4-Rezeptoren ist 15-fach höher als zu D2-Rezeptoren, dazu kommt
eine hohe Affinität zu Serotonin-5-HT2-Rezeptoren. Klinisch ergibt das laut Fachinformation ein
sedativ-hypnotisches, erregungsdämpfendes Profil. Die antipsychotische Potenz reicht zur
Behandlung produktiver Symptome wie Wahn im Allgemeinen nicht aus. Weil Pipamperon kaum
anticholinerg wirkt und extrapyramidale Nebenwirkungen gering ausgeprägt sind, gilt es als
relativ gut verträglich.

Nach einer 40-mg-Tablette wird die höchste Konzentration im Blut nach 1,8 Stunden erreicht.
Die Halbwertszeit liegt bei 17 bis 22 Stunden, bei Gesunden wie bei Älteren. Die Bindung an
Plasmaeiweiß ist mit rund 36 Prozent gering. Pipamperon verlässt den Körper vorwiegend in Form
seiner Abbauprodukte über die Niere.

Wofür Pipamperon zugelassen ist

Die Fachinformation nennt zwei Anwendungsgebiete, jeweils „als schwach potentes
Neuroleptikum“: Schlafstörungen, insbesondere bei geriatrischen Patienten, und psychomotorische
Erregungszustände. Zwei Abgrenzungen stehen ausdrücklich im Text: Pipamperon ist nicht zur
Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen, und bei einer Depression soll es nicht
allein gegeben werden. Es kann mit Antidepressiva kombiniert werden, wenn Depression und Psychose
zusammen auftreten.

Was die Fachinformation zur Dosis sagt

Die individuelle Dosis bestimmt die behandelnde Ärztin; bei längerer Behandlung soll durch
regelmäßige Anpassung die jeweils niedrigste nötige Dosis gefunden werden. Bei Schlafstörungen
reicht laut Fachinformation in vielen Fällen eine geringe Dosis, zum Beispiel 40 mg. Ansonsten
nennt sie als Anfangsdosis dreimal täglich 40 mg; sie kann bei Bedarf auf höchstens dreimal
täglich 120 mg gesteigert werden. Ältere Menschen sollen einschleichend mit etwa der halben
Anfangsdosis beginnen, unter regelmäßiger Blutdruckkontrolle; die mittlere Dosis liegt bei
dreimal täglich 20 bis 40 mg.

Für Kinder unter 14 Jahren gibt die Fachinformation 1 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag
als Anfangsdosis an, meist reichen 2 bis 4 mg/kg, verteilt auf drei Gaben; im unteren Bereich
soll der Saft verwendet werden. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gibt es nur wenige
Studien, eine Dauerbehandlung soll in der Regel sechs Wochen nicht überschreiten. Die Einnahme
ist mit oder zwischen den Mahlzeiten möglich.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

In zwei offenen Studien mit 40 bis 800 mg pro Tag waren Schläfrigkeit (22,5 Prozent) und das
Zahnradphänomen (11,3 Prozent) die häufigsten Nebenwirkungen. Sehr häufig
(mehr als 1 von 10) sind deshalb Somnolenz und Zahnradphänomen. Häufig (1 bis
10 von 100): Depression, erhöhte Muskelspannung, Akathisie (Sitzunruhe), okulogyre Krise
(Blickkrampf), Opisthotonus, Dyskinesie, Herzrasen, Blutdruckabfall beim Aufstehen, Erbrechen,
Nesselsucht, Muskelspastik, Ausbleiben der Regelblutung, Gangstörungen und Kraftlosigkeit.

Ohne abschätzbare Häufigkeit nennt die Fachinformation unter anderem Krampfanfälle, das
maligne neuroleptische Syndrom, Parkinsonismus, Spätdyskinesien, Zittern, Kopfschmerz,
verschwommenes Sehen, Kammerflimmern, niedrigen Blutdruck, Nasenbluten, Übelkeit,
Appetitverlust, erhöhte Leberwerte, Leberfunktionsstörungen, Hautausschlag, toxische epidermale
Nekrolyse, Harnverhalt, Milchfluss, Brustvergrößerung beim Mann, Dauererektion, Ödeme,
Unterkühlung und Fieber. Für Antipsychotika als Gruppe sind selten QT-Verlängerung, Torsade de
pointes und plötzliche Todesfälle beschrieben, sehr selten eine Hyponatriämie.

Warnhinweise: Herz, Demenz, Bewegungsstörungen

Wie andere Neuroleptika kann Pipamperon das QT-Intervall im EKG verlängern. Vorsicht gilt
laut Fachinformation bei niedrigem oder hohem Blutdruck, langsamem Puls, Kalium- oder
Magnesiummangel, angeborenem langem QT-Syndrom, koronarer Herzkrankheit und Rhythmusstörungen.
Ältere Menschen mit Demenz hatten in zwei großen Anwendungsstudien unter konventionellen
Antipsychotika ein leicht erhöhtes Sterberisiko; bei atypischen Antipsychotika war das Risiko
für Schlaganfälle und ähnliche Ereignisse etwa dreifach erhöht, und die Fachinformation schließt
das für Pipamperon nicht aus.

Bei Langzeitbehandlung können Spätdyskinesien auftreten, rhythmische unwillkürliche
Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer, die bei manchen Betroffenen bestehen bleiben.
Das maligne neuroleptische Syndrom mit Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinsstörung ist
selten, aber ein Notfall. Pipamperon senkt die Krampfschwelle und kann die Reaktionsfähigkeit im
Straßenverkehr auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigen.

Wechselwirkungen, Gegenanzeigen, Schwangerschaft

Schlafmittel, Schmerzmittel, andere Psychopharmaka, Antihistaminika und Alkohol verstärken
Sedierung und Blutdrucksenkung; die atemdämpfende Wirkung von Barbituraten und Opiaten wird
verstärkt. Levodopa, Bromocriptin und andere Dopamin-Agonisten wirken schwächer. Arzneimittel,
die ebenfalls das QT-Intervall verlängern, etwa Antiarrhythmika der Klassen IA und III,
Makrolid-Antibiotika, Malariamittel oder bestimmte Antidepressiva, sollen vermieden werden,
ebenso Diuretika, die Kalium senken.

Gegenanzeigen sind eine Überempfindlichkeit gegen Butyrophenone, Zustände mit gedämpftem
Zentralnervensystem wie Koma oder akute Vergiftungen mit Alkohol oder Schlafmitteln, Erkrankungen
der Basalganglien wie Parkinson sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Neugeborene, die im letzten
Schwangerschaftsdrittel Antipsychotika ausgesetzt waren, können Zittern, Atemnot und
Trinkschwäche zeigen. Frauen im gebärfähigen Alter sollen laut Fachinformation sicher verhüten.

Häufige Fragen

Macht Pipamperon abhängig?

Die Fachinformation nennt kein Abhängigkeitspotenzial und keine Entzugssymptome. Pipamperon gehört zu den Neuroleptika, nicht zu den Benzodiazepinen. Die Dosis soll trotzdem regelmäßig überprüft und so niedrig wie möglich gehalten werden.

Wie schnell wirkt Pipamperon?

Die höchste Konzentration im Blut ist laut Fachinformation 1,8 Stunden nach einer 40-mg-Tablette erreicht. Einen Zeitpunkt für den Wirkeintritt nennt sie nicht.

Wie lange hält die Wirkung an?

Die Halbwertszeit beträgt 17 bis 22 Stunden. Deshalb kann eine abendliche Dosis auch am nächsten Vormittag noch müde machen.

Darf ich mit Pipamperon Auto fahren?

Laut Fachinformation kann das Reaktionsvermögen auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch so verändert sein, dass Autofahren und Maschinenbedienung beeinträchtigt sind, mit Alkohol noch stärker.

Ist Pipamperon bei Demenz zugelassen?

Nein. Die Fachinformation sagt ausdrücklich, dass Pipamperon nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen ist, und verweist auf ein erhöhtes Sterberisiko unter Antipsychotika in dieser Gruppe.

Was ist das Zahnradphänomen?

Eine ruckartige Muskelsteifigkeit, die beim passiven Bewegen eines Gelenks wie ein Zahnrad einrastet. In den Studien zur Fachinformation trat es bei 11,3 Prozent der Behandelten auf.

Quellen

Das passt dazu

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Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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