Medizinische Abkürzungen: Liste der wichtigsten Kürzel

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Arztbriefe, Laborbefunde und Rezepte stecken voller Kürzel. Sie sparen Platz und Zeit im medizinischen Alltag. Für Patientinnen und Patienten sind sie oft undurchsichtig. Diese Liste ordnet die häufigsten Abkürzungen nach Bereichen und erklärt, warum ein Kürzel allein selten die ganze Antwort liefert.

Kurzantwort: Die häufigsten Kürzel im Arztbrief sind Z.n. für Zustand nach, V.a. für Verdacht auf, DD für Differenzialdiagnose und o.B. für ohne Befund. Medizinische Abkürzungen sind nicht einheitlich genormt. Dieselbe Buchstabenfolge kann je nach Fachgebiet Verschiedenes bedeuten.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Deute einen Befund nie allein anhand einer Abkürzung und ändere daraufhin keine Medikation. Lass dir unklare Stellen in deinem Arztbrief in der Sprechstunde erklären. Bei akuten Beschwerden wie starken Schmerzen, Luftnot oder Bewusstseinsstörung gehe sofort in die Notaufnahme.

Das Wichtigste in Kürze

  • Abkürzungen im Arztbrief sind nicht bundesweit einheitlich festgelegt.
  • Mehrdeutige Kürzel gelten in der Fachliteratur als anerkannte Fehlerquelle.
  • Amtlich geregelt sind dagegen die Klassifikationen ICD-10-GM und OPS des BfArM.
  • Patienten haben nach Paragraf 630g BGB ein Recht auf Einsicht in ihre Akte.

Kürzel zu Diagnose und Befund

Diese Gruppe begegnet einem im Arztbrief am häufigsten. Z.n. steht für Zustand nach und beschreibt ein zurückliegendes Ereignis, etwa eine Operation. V.a. bedeutet Verdacht auf und kennzeichnet eine noch nicht gesicherte Annahme. DD steht für Differenzialdiagnose, also für Erkrankungen, die ebenfalls infrage kommen. o.B. heißt ohne Befund und beschreibt ein unauffälliges Ergebnis. Weitere gängige Kürzel sind ED für Erstdiagnose, a.e. für am ehesten, i.O. für in Ordnung sowie bds. für beidseits. Das Wort cave dient als Warnhinweis auf etwas, das unbedingt beachtet werden muss. Dazu gibt es eine eigene Seite zum Begriff Cave.

Kürzel im Laborbefund

Im Labor stehen Abkürzungen meist für einen Messwert. Hb bezeichnet den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, Hkt den Hämatokrit. Leuko steht für die weißen Blutkörperchen, Thrombo für die Blutplättchen. CRP ist ein Entzündungswert, BSG die Blutsenkungsgeschwindigkeit. Für die Nierenfunktion stehen Krea für Kreatinin und GFR für die glomeruläre Filtrationsrate. Die Leberwerte erscheinen als GOT und GPT, auch AST und ALT genannt, dazu GGT und Bilirubin. HbA1c beschreibt den Langzeitblutzucker, TSH den Steuerwert der Schilddrüse. Bei der Gerinnung stehen INR und Quick sowie PTT. Ausführliche Einordnungen finden sich zum GFR-Wert, zum GPT-Wert und zum Quick-Wert.

Kürzel auf dem Rezept

Auf Rezepten und Medikationsplänen geht es um die Art und den Zeitpunkt der Einnahme. p.o. bedeutet per os, also über den Mund. i.v. steht für intravenös, i.m. für in den Muskel, s.c. für unter die Haut und s.l. für unter die Zunge. Supp. bezeichnet ein Zäpfchen. Das verbreitete Schema aus vier Ziffern, etwa 1-0-1-0, gibt die Anzahl der Einheiten für morgens, mittags, abends und zur Nacht an. b.B. heißt bei Bedarf. Aus dem Lateinischen stammen a.c. für vor dem Essen und p.c. für nach dem Essen. Gerade in dieser Gruppe lohnt Nachfragen, weil eine falsch gelesene Ziffer unmittelbare Folgen hat.

Kürzel für Untersuchungen und Fachbereiche

Bei der Bildgebung stehen Rö für Röntgen, Sono für Ultraschall, CT für Computertomografie und MRT für Magnetresonanztomografie. EKG bezeichnet die Aufzeichnung der Herzströme, EEG die der Hirnströme und EMG die der Muskelaktivität. Bei den Stationen bedeutet ITS Intensivstation, IMC eine Überwachungseinheit und ZNA die zentrale Notaufnahme. Häufige Diagnosekürzel sind KHK für die koronare Herzkrankheit, VHF für Vorhofflimmern, COPD für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung und pAVK für die periphere arterielle Verschlusskrankheit. TVT steht für die tiefe Beinvenenthrombose, LAE für die Lungenembolie. HWS, BWS und LWS bezeichnen die Abschnitte der Wirbelsäule. TEP steht für eine Endoprothese, also ein künstliches Gelenk. Zum Herzen passt die Seite zu den EKG-Ableitungen.

Warum dasselbe Kürzel Verschiedenes heißen kann

Hier liegt der wichtigste Punkt dieser Liste. Medizinische Abkürzungen sind nicht bundesweit einheitlich festgelegt. MS kann Multiple Sklerose bedeuten oder eine Verengung der Mitralklappe. AS steht je nach Fachgebiet für eine Aortenklappenstenose oder für eine entzündliche Wirbelsäulenerkrankung. In der Fachliteratur gilt diese Mehrdeutigkeit als ernstzunehmende Fehlerquelle. Ein Beitrag in der Zeitschrift Krankenhauspharmazie beschreibt gefährliche Beispiele aus der Arzneimittelverordnung. Das Kürzel U für Unit lässt sich als Null oder Vier lesen und führt so zu Überdosierungen. Die Buchstabenfolgen MS, MSO4 und MgSO4 können Morphinsulfat und Magnesiumsulfat verwechseln lassen. Eine fehlende führende Null vor dem Komma kann aus 0,5 Milligramm 5 Milligramm machen. Die Empfehlung lautet deshalb, im Zweifel auszuschreiben statt abzukürzen.

Was amtlich geregelt ist und welche Rechte du hast

Einheitlich geregelt sind die Verschlüsselungssysteme, nicht die Abkürzungen selbst. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt die ICD-10-GM heraus, die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Fassung 2026. Für Operationen und Prozeduren gilt der OPS, ebenfalls amtlich und beim BfArM geführt. Beide zusammen bilden die Grundlage der Vergütungssysteme. Die Dateien stellt das BfArM kostenfrei bereit. Wer den eigenen Befund im Wortlaut nachlesen möchte, kann sich auf Paragraf 630g des Bürgerlichen Gesetzbuchs stützen. Danach ist auf Verlangen unverzüglich Einsicht in die vollständige Behandlungsakte zu gewähren. Auch Abschriften können verlangt werden. Verweigert werden darf die Einsicht nur, soweit erhebliche therapeutische Gründe oder erhebliche Rechte Dritter entgegenstehen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Z.n. im Arztbrief?

Z.n. steht für Zustand nach. Es bezeichnet ein zurückliegendes Ereignis, etwa eine Operation oder eine durchgemachte Erkrankung.

Was heißt o.B.?

o.B. bedeutet ohne Befund. Die Untersuchung hat also nichts Auffälliges ergeben.

Was bedeutet V.a. vor einer Diagnose?

V.a. steht für Verdacht auf. Die Diagnose ist damit noch nicht gesichert.

Sind medizinische Abkürzungen einheitlich geregelt?

Nein. Dieselbe Buchstabenfolge kann je nach Fachgebiet Verschiedenes bedeuten. Amtlich geregelt sind dagegen ICD-10-GM und OPS.

Darf ich meinen Arztbrief anfordern?

Nach Paragraf 630g BGB besteht ein Recht auf unverzügliche Einsicht in die vollständige Behandlungsakte und auf Abschriften.

Was tue ich bei einem unklaren Kürzel?

In der Sprechstunde nachfragen. Eine Deutung im Alleingang kann in die Irre führen.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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