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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Nifurantin 100 mg Tabletten (Apogepha) enthalten 100 mg Nitrofurantoin, ein Antibiotikum, das nur in der Blase wirksame Konzentrationen erreicht. Zugelassen sind sie für die akute, unkomplizierte Blasenentzündung der Frau; für die Dauerunterdrückung chronischer Harnwegsinfekte und die Vorbeugung wiederkehrender Infekte nur, wenn risikoärmere Antibiotika nicht einsetzbar sind. Die Fachinformation nennt für die Akuttherapie fünf bis sieben Tage mit täglich drei bis vier Tabletten in drei bis vier Einzelgaben zum Essen. Nicht erlaubt ist das Präparat bei einer eGFR unter 45 ml/min. Sehr häufig (mehr als 1 von 10) sind Schwindel, Gangunsicherheit, Augenzittern und allergische Reaktionen wie Arzneimittelfieber, Juckreiz und Nesselsucht.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Antibiotikum nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Atemnot, Husten mit Fieber oder Schmerzen im Brustkorb, bei Gelbfärbung der Haut, dunklem Urin oder Appetitlosigkeit, bei Kribbeln, Brennen oder Schwäche in Armen und Beinen, bei Hautausschlag mit Blasen sowie bei Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufkollaps gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Nifurantin gibt es als Tabletten mit 50 mg und 100 mg; beide sind verschreibungspflichtig. Grundlage dieses Textes sind die Fachinformation von Nifurantin 100 mg Tabletten (Apogepha Arzneimittel, Stand Mai 2022) und die S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (AWMF-Register 043-044, Version 3.0, Stand April 2024).
Wie Nitrofurantoin wirkt
Nitrofurantoin selbst ist laut Fachinformation nicht antibakteriell aktiv. Erst Enzyme der Bakterien, die Nitroreduktasen, bauen es zur wirksamen Form um. Die Abbauprodukte lagern sich an die Bakterien-DNA an, verursachen Strangbrüche und blockieren Stoffwechselwege. Nach dem Schlucken wird der Wirkstoff rasch und fast vollständig aufgenommen, erreicht aber im Blut und in den meisten Geweben keine wirksamen Spiegel. Im Urin liegen die Konzentrationen bei normaler Nierenfunktion zwischen 50 und 250 µg/ml, wirksam über sechs bis acht Stunden. Etwa 40 Prozent verlassen den Körper unverändert über die Niere.
Daraus folgt die wichtigste Grenze: Nitrofurantoin ist nicht geeignet für Nierenbeckenentzündung, Prostatitis oder irgendeine Infektion außerhalb der Blase. Üblicherweise empfindlich sind Escherichia coli, Enterococcus faecalis und Staphylococcus saprophyticus. Von Natur aus resistent sind Proteus, Pseudomonas aeruginosa, Serratia und Morganella. Kreuzresistenzen zu anderen Antibiotikaklassen gibt es nicht.
Wofür Nifurantin 100 mg zugelassen ist
Die Fachinformation nennt ein uneingeschränktes Anwendungsgebiet: die akute, unkomplizierte Zystitis der Frau. Zwei weitere gelten nur, wenn risikoärmere Mittel nicht einsetzbar sind: die Suppressivtherapie chronisch-obstruktiver Harnwegsinfekte bei Abflussbehinderung und die Reinfektionsprophylaxe chronisch wiederkehrender, aufsteigender Infekte. Die Harnwegsinfekt-Leitlinie stützt das: Bei Frauen vor den Wechseljahren ohne Begleiterkrankungen soll bei Resistenzraten unter 20 Prozent vorzugsweise Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam oder Trimethoprim eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Bei jüngeren Männern mit unkomplizierter Zystitis sollten Pivmecillinam und Nitrofurantoin verwendet werden.
Was die Fachinformation zur Dosierung sagt
Die Fachinformation unterscheidet drei Schemata. Akuttherapie der unkomplizierten Zystitis: fünf bis sieben Tage, höchstens sieben, mit täglich drei bis vier Tabletten in drei bis vier Einzelgaben alle sechs bis acht Stunden. Intermittierende Suppressivtherapie: zwei- bis dreimal 14 Tage mit 14-tägigen Pausen, höchstens drei Monate, täglich ein bis zwei Tabletten. Reinfektionsprophylaxe: höchstens sechs Monate, abends eine Tablette nach dem letzten Wasserlassen. Welches Schema und welche Dosis für dich gelten, legt deine Ärztin fest.
Eingenommen wird während oder nach einer Mahlzeit mit etwas Flüssigkeit. Das verzögert laut Fachinformation die Aufnahme und mindert Übelkeit und Schwindel, die durch hohe Anfangsspiegel entstehen. Für Kinder ist die 100-mg-Tablette wegen des hohen Wirkstoffgehalts nicht geeignet; dafür gibt es Präparate mit 20 mg. Bei älteren Menschen darf Nitrofurantoin nur verordnet werden, wenn vorher ein Nierenfunktionstest eine Niereninsuffizienz ausgeschlossen hat.
Wer Nifurantin nicht nehmen darf
Die Fachinformation schließt die Anwendung aus bei Überempfindlichkeit gegen Nitrofurane, bei einer eGFR unter 45 ml/min, bei stark verminderter oder fehlender Urinausscheidung, bei krankhaften Leberenzymwerten, bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, bei bestehender Polyneuropathie, im letzten Schwangerschaftsdrittel sowie bei Frühgeborenen und Säuglingen bis zum dritten Lebensmonat. In den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten soll es nur genommen werden, wenn es klinisch eindeutig erforderlich ist; Daten zu mehr als 1.000 Schwangerschaften im ersten Drittel deuten nicht auf ein Fehlbildungsrisiko hin. Vor der Verordnung sollen Nieren- und Leberfunktion geprüft werden, unter der Therapie Blutbild, Leber- und Nierenwerte.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Sehr häufig (mehr als 1 von 10): Schwindel, Ataxie, Nystagmus sowie allergische Reaktionen mit Arzneimittelfieber, Juckreiz, Nesselsucht und Angioödem. Häufig (1 bis 10 von 100): Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, besonders zu Beginn, und Lungenreaktionen wie allergisches Lungenödem, interstitielle Pneumonie, Rippenfellentzündung, Atemnot, Husten und Brustschmerz. Gelegentlich (1 bis 10 von 1.000): Leberreaktionen von der Cholestase bis zur chronisch aktiven Hepatitis mit Anstieg der Transaminasen. Selten (1 bis 10 von 10.000): Durchfall, Verwirrtheit, Depression, Euphorie und psychotische Reaktionen.
Sehr selten (weniger als 1 von 10.000): Blutbildveränderungen bis zur hämolytischen Anämie, Lupus-ähnliche Syndrome, anaphylaktischer Schock, periphere Polyneuropathien einschließlich Sehnervenentzündung, Lungenfibrose, Asthmaanfälle, Pankreatitis, Stevens-Johnson- und Lyell-Syndrom, vorübergehender Haarausfall, Kristalle im Urin und eine umkehrbare Hemmung der Spermienbildung. Ohne abschätzbare Häufigkeit: DRESS-Syndrom, Lebernekrosen mit tödlichem Leberversagen, autoimmune Hepatitis, interstitielle Nephritis und erhöhter Hirndruck.
Zwei Punkte hebt die Fachinformation hervor. Chronische Lungenreaktionen bis zur Lungenfibrose entwickeln sich schleichend, meist nach mehr als sechs Monaten Einnahme; deshalb darf die Prophylaxe nicht länger als sechs Monate dauern. Und wegen eines nicht ausschließbaren erbgutverändernden Potenzials soll Nitrofurantoin möglichst nicht dauerhaft angewendet werden. Eine gelb-grüne oder braune Urinfärbung ist häufig ohne Bedeutung, soll aber ärztlich abgeklärt werden. Laborwerte wie Glukose, Harnstoff, Bilirubin oder Kreatinin können unter Nitrofurantoin falsch erhöht sein.
Wechselwirkungen
Antazida auf Magnesium- oder Aluminiumbasis und Metoclopramid können die Aufnahme vermindern. Mittel, die den Urin alkalisch machen, schwächen die Wirkung, harnansäuernde Mittel verstärken sie. Probenecid und Sulfinpyrazon hemmen die Ausscheidung und lassen den Wirkstoff kumulieren. Chinolon-Antibiotika werden im Labor durch Nitrofurantoin in ihrer Wirkung aufgehoben, die Kombination soll vermieden werden. Bei Phenytoin ist eine Spiegelkontrolle nötig. Löst Nitrofurantoin Erbrechen oder Durchfall aus, kann die Pille versagen; dann sollen während und einen Monat nach der Behandlung zusätzlich nicht hormonelle Verhütungsmittel benutzt werden.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nifurantin 50 mg und 100 mg?
Der Wirkstoffgehalt je Tablette. Die Fachinformation der 100-mg-Stärke nennt für die Akuttherapie drei bis vier Tabletten am Tag, für die Prophylaxe eine Tablette abends.
Warum muss Nifurantin zum Essen genommen werden?
Nahrung verzögert die Aufnahme, dadurch fallen laut Fachinformation Übelkeit und Schwindel geringer aus. Die Aufnahme wird zugleich erhöht.
Wie lange darf man Nifurantin nehmen?
Akut höchstens sieben Tage, als Prophylaxe höchstens sechs Monate, weil danach das Risiko chronischer Lungenreaktionen steigt.
Warum wird vorher der Nierenwert geprüft?
Bei eingeschränkter Nierenfunktion sinken die Urinspiegel, und im Blut können giftige Konzentrationen entstehen. Unter einer eGFR von 45 ml/min ist das Präparat kontraindiziert.
Ist Nifurantin in der Schwangerschaft erlaubt?
Im letzten Drittel nein, wegen der Gefahr einer hämolytischen Anämie beim Neugeborenen. Davor nur, wenn es klinisch eindeutig erforderlich ist.
Quellen
- Fachinformation Nifurantin 100 mg Tabletten (Apogepha Arzneimittel, Stand Mai 2022), Abschnitte 4.1 bis 5.3 — abgerufen am 11. September 2026
- Gebrauchsinformation Nifurantin 100 mg Tabletten (Apogepha Arzneimittel) — abgerufen am 11. September 2026
- Deutsche Gesellschaft für Urologie: S3-Leitlinie unkomplizierte Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen, AWMF-Register 043-044, Version 3.0 (Stand April 2024), Kurzversion, Empfehlungen 11.6 und 11.25 — abgerufen am 11. September 2026
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Nebenwirkungen melden — abgerufen am 11. September 2026
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Paul Tenner schreibt fuer gesundheitscenter.net und stuetzt sich auf Leitlinien und Fachgesellschaften.

Paul liest Studien, bevor er schreibt, und übersetzt sie in Sätze für den Küchentisch. Seine Themen: Wirkstoffe, Dosierungen, Wechselwirkungen.
