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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Die Fachinformation von Pregabalin (Lyrica) kennt keine Altersgrenze, knüpft die Dosis bei älteren Patienten aber an die Nierenfunktion: Pregabalin verlässt den Körper zu 98 Prozent unverändert über die Niere, und seine Ausscheidung sinkt mit dem Alter parallel zur Kreatinin-Clearance. Bei altersbedingt eingeschränkter Nierenfunktion kann deshalb eine niedrigere Dosis nötig sein. Benommenheit und Schläfrigkeit, die sehr häufig (mehr als 1 von 10) auftreten, können laut Fachinformation bei älteren Menschen zu mehr sturzbedingten Verletzungen führen. Berichte über Herzinsuffizienz betreffen vor allem ältere, herzkranke Patienten, und für schwere Atemdepression gelten ältere Menschen als Risikogruppe. Auf der PRISCUS-2.0-Liste potenziell ungeeigneter Arzneimittel für Menschen ab 65 steht Pregabalin nicht.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei flacher oder aussetzender Atmung, Bewusstlosigkeit, Schwellungen im Gesicht, im Mund oder an den Atemwegen, bei neuer Atemnot mit geschwollenen Beinen, nach einem Sturz mit Verletzung sowie bei Suizidgedanken gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Pregabalin ist zugelassen bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen, als Zusatztherapie bei partiellen epileptischen Anfällen und bei generalisierter Angststörung, jeweils bei Erwachsenen. Das Original Lyrica wurde 2004 europaweit zugelassen, daneben gibt es viele Generika. Grundlage dieses Textes sind die europäische Fachinformation von Lyrica, die PRISCUS-2.0-Liste der Universität Witten/Herdecke und eine gepoolte Auswertung von elf Studien mit 2.516 Patientinnen und Patienten.
Warum die Nierenfunktion über die Dosis entscheidet
Pregabalin wird laut Fachinformation beim Menschen nicht nennenswert verstoffwechselt, bindet nicht an Plasmaeiweiße und findet sich zu etwa 98 Prozent unverändert im Urin wieder. Die Plasma-Clearance ist direkt proportional zur Kreatinin-Clearance. Deshalb steht im Abschnitt zu älteren Patienten nur ein Satz: Wegen einer verringerten Nierenfunktion kann die Reduzierung der Dosis notwendig werden. Im Abschnitt zur Pharmakokinetik heißt es, die Clearance habe die Tendenz, mit zunehmendem Alter abzunehmen, entsprechend der Abnahme der Kreatinin-Clearance.
Die Fachinformation staffelt die Dosis in Tabelle 1 nach der Kreatinin-Clearance, die sie mit der Cockcroft-Gault-Formel aus Alter, Gewicht und Serumkreatinin berechnet. Bei mindestens 60 ml/min nennt sie 150 mg als Anfangsdosis und 600 mg als Höchstdosis am Tag. Bei 30 bis unter 60 ml/min 75 und 300 mg, bei 15 bis unter 30 ml/min 25 bis 50 und 150 mg, unter 15 ml/min 25 und 75 mg. Welche Dosis für dich richtig ist, entscheidet deine Ärztin anhand deiner Nierenwerte.
Stürze, Benommenheit und Verwirrtheit
Die häufigsten Nebenwirkungen in den Studien waren Benommenheit und Schläfrigkeit; 12 Prozent der Behandelten brachen deshalb ab, unter Placebo 5 Prozent. Die Fachinformation zieht daraus für Ältere eine klare Folge: Die Behandlung wurde mit Benommenheit und Schläfrigkeit in Verbindung gebracht, was bei älteren Patienten zu häufigeren sturzbedingten Verletzungen führen könnte. Nach Markteinführung kamen Berichte über Bewusstseinsverlust, Verwirrtheit und geistige Beeinträchtigung hinzu.
In der Nebenwirkungstabelle sind sehr häufig (mehr als 1 von 10) Benommenheit, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen. Häufig (1 bis 10 von 100): Ataxie, Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsstörung, Gangstörungen, Stürze, Tremor, Verwirrung, Desorientierung, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, verschwommenes Sehen und Doppeltsehen. Gelegentlich (1 bis 10 von 1.000): Synkopen, Verlust des Bewusstseins, kognitive Störungen, Halluzinationen, Harninkontinenz. Selten (1 bis 10 von 10.000): Parkinsonismus, Nierenversagen, Harnverhalt.
Herz, Atmung und Ödeme
Nach Markteinführung gab es laut Fachinformation Berichte über Herzinsuffizienz, hauptsächlich bei älteren, kardiovaskulär beeinträchtigten Patienten unter Behandlung wegen neuropathischer Schmerzen. Bei ihnen ist Pregabalin mit Vorsicht anzuwenden; nach dem Absetzen ist die Reaktion möglicherweise reversibel. Periphere Ödeme und Gewichtszunahme sind häufig, Herzinsuffizienz ist als Nebenwirkung gelegentlich gelistet.
Schwere Atemdepression wurde berichtet. Als Risikogruppen nennt die Fachinformation Menschen mit eingeschränkter Atemfunktion, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen, Niereninsuffizienz, Nutzer von zentral dämpfenden Arzneimitteln und ältere Patienten; für sie muss die Dosis gegebenenfalls angepasst werden. Zusammen mit Opioiden wurden Darmverschluss und Verstopfung berichtet, Gegenmaßnahmen sollen insbesondere bei weiblichen und älteren Patienten erwogen werden.
Wechselwirkungen im Alter
Pharmakokinetisch ist Pregabalin unauffällig: Es beeinflusst den Abbau anderer Arzneimittel nicht, und Antidiabetika, Diuretika, Insulin, Phenytoin, Carbamazepin oder Gabapentin ändern seine Clearance nicht. Die Fachinformation merkt aber an, dass Interaktionsstudien nur bei Erwachsenen und keine spezifischen Studien bei älteren Probanden durchgeführt wurden. Kritisch ist die Kombination mit dämpfenden Mitteln: Pregabalin verstärkt die Wirkung von Alkohol und Lorazepam, und zusammen mit Opioiden wurden Atemversagen, Koma und Todesfälle berichtet. In einer Fall-Kontroll-Studie lag das Risiko opioidbedingter Todesfälle unter zusätzlichem Pregabalin um das 1,68-Fache höher, schon bei Dosen bis 300 mg.
Was PRISCUS 2.0 und Studien sagen
Die PRISCUS-2.0-Liste (2022) führt Wirkstoffe, die bei Menschen ab 65 vermieden oder nur mit Vorsicht angewendet werden sollten. Pregabalin gehört nicht dazu. Die Liste nennt es im Gegenteil als mögliche Alternative, jeweils niedrig dosiert: zu NSAR wie Indometacin oder Phenylbutazon, zu den Antiepileptika Phenobarbital, Primidon, Phenytoin und Carbamazepin, wenn eine niedrige Dosis therapeutisch ausreicht, zu Hydroxyzin als Angstlöser und zu trizyklischen Antidepressiva bei neuropathischen Schmerzen.
Eine vom Hersteller Pfizer verfasste Auswertung von elf placebokontrollierten Studien bei diabetischer Neuropathie und Post-Zoster-Neuralgie umfasste 2.516 Patientinnen und Patienten, davon 766 zwischen 65 und 74 und 514 ab 75 Jahren. Die Schmerzlinderung war in allen Altersgruppen vergleichbar. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schwindel, Schläfrigkeit, periphere Ödeme, Schwäche, Mundtrockenheit und Gewichtszunahme; ihr Risiko stieg mit der Dosis und zeigte keinen Zusammenhang mit dem Alter. Die Autoren raten zur Titration auf die niedrigste wirksame Dosis.
Absetzen und Abhängigkeit
Pregabalin kann laut Fachinformation eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch in therapeutischen Dosen. Nach Absetzen einer Kurz- oder Langzeittherapie wurden Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst, Durchfall, Grippesymptome, Nervosität, Depressionen, Schmerzen, Krampfanfälle, Schwitzen und Benommenheit beobachtet; Auftreten und Schwere können dosisabhängig sein. Die Fachinformation empfiehlt, die Dosis unabhängig von der Indikation ausschleichend über mindestens eine Woche zu verringern. Wie lange das bei dir dauert, legt deine Ärztin fest.
Häufige Fragen
Gibt es eine Höchstdosis für Pregabalin im Alter?
Die Fachinformation staffelt nach Nierenfunktion statt nach Alter: 600 mg am Tag bei einer Kreatinin-Clearance ab 60 ml/min, 300 mg bei 30 bis unter 60, 150 mg bei 15 bis unter 30, 75 mg darunter.
Erhöht Pregabalin das Sturzrisiko?
Die Fachinformation sagt, Benommenheit und Schläfrigkeit könnten bei älteren Patienten zu häufigeren sturzbedingten Verletzungen führen. Stürze und Gangstörungen sind als häufige Nebenwirkung gelistet.
Steht Pregabalin auf der PRISCUS-Liste?
Nein. PRISCUS 2.0 nennt es niedrig dosiert als mögliche Alternative zu NSAR, älteren Antiepileptika, Hydroxyzin und Trizyklika.
Darf Pregabalin mit Opioiden kombiniert werden?
Nur mit Vorsicht. Die Fachinformation berichtet Atemversagen, Koma und Todesfälle bei der Kombination und ein 1,68-fach erhöhtes Risiko opioidbedingter Todesfälle.
Wie wird Pregabalin bei älteren Patienten abgesetzt?
Ausschleichend über mindestens eine Woche, unabhängig von der Indikation. Entzugssymptome können dosisabhängig sein.
Quellen
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Lyrica, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Anhang I), Abschnitte 4.2, 4.4, 4.5, 4.8 und 5.2 — abgerufen am 11. September 2026
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Lyrica, EPAR-Übersicht und Zulassungsstatus — abgerufen am 11. September 2026
- Universität Witten/Herdecke: PRISCUS-2.0-Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen (2022), Tabelle 1-PIM — abgerufen am 11. September 2026
- Semel D. et al.: Evaluation of the safety and efficacy of pregabalin in older patients with neuropathic pain: results from a pooled analysis of 11 clinical studies. BMC Family Practice 2010; 11: 85 (PubMed-ID 21054853) — abgerufen am 11. September 2026
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Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
