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Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: Eine Synovialitis ist die Entzündung der Gelenkschleimhaut, also der dünnen Haut, die Gelenke und Sehnenscheiden auskleidet und die Gelenkflüssigkeit herstellt. Die S2k-Leitlinie „Synovialektomie“ beschreibt als Kennzeichen Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Die Ursachen reichen von Verschleiß über Verletzungen bis zu rheumatischen Erkrankungen und Infektionen — und genau diese Unterscheidung entscheidet über die Behandlung.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ein akut entzündetes Gelenk gehört noch am selben Tag untersucht. Bei einem plötzlich stark geschwollenen, überwärmten und kaum bewegbaren Gelenk mit Fieber oder Schüttelfrost gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
Die Gelenkschleimhaut heißt fachlich Membrana synovialis, kurz Synovialis. Sie besteht
aus mehreren Lagen sogenannter Synovialzellen und kleidet Gelenke und Sehnenscheiden aus.
Im Gelenk stellt sie die Gelenkflüssigkeit her — die Synovia. Diese ernährt den Knorpel
und schmiert das Gelenk. An den Sehnenscheiden dient die Synovialis als Gleitgewebe.
Entzündet sich diese Schleimhaut, heißt das Synovialitis. Die Angaben unten stammen aus
der S2k-Leitlinie „Synovialektomie“, AWMF-Register-Nr. 187-007, und ihrer
Patientenversion.
Woran man sie bemerkt
Die Leitlinie nennt als Kennzeichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Sie können
sich im Gelenk selbst zeigen — dann spricht man von einer Arthro-Synovialitis — oder
außerhalb des Gelenks an Sehnen und Sehnenscheiden, dann von einer Teno-Synovialitis.
Die entzündete Schleimhaut verdickt sich und produziert mehr Flüssigkeit. Das Gelenk
schwillt an, fühlt sich warm an und lässt sich schlechter bewegen.
Wie sie festgestellt wird
In der Regel untersucht die Ärztin das betroffene Gelenk zuerst klinisch. Ergänzend
kommt Bildgebung dazu. Ziel ist, die entzündete Schleimhaut sichtbar zu machen und zu
prüfen, ob die Entzündung den umliegenden Strukturen schon geschadet hat. Die Leitlinie
betont, dass diese Untersuchungen vor einem eingreifenden Verfahren stattfinden
sollen.
Am besten geeignet ist laut Leitlinie die Kernspintomografie mit Kontrastmittel.
Daneben sind Ultraschall, Röntgen, Computertomografie und nuklearmedizinische Verfahren
verbreitet und bei bestimmten Fragestellungen zielführend.
Der Synovialitis-Score und was er verrät
Wird bei einer Operation Gewebe entnommen, lässt es sich unter dem Mikroskop bewerten.
Der Synovialitis-Score fasst die Entzündungsaktivität in einer Zahl von 1 bis 9 zusammen.
Werte von 1 bis 4 gelten als low-grade, Werte ab 5 als high-grade.
Diese Unterscheidung ist keine Formalie, sondern zeigt in Richtung Ursache. Eine
low-grade Synovialitis passt laut Leitlinie zu einer nicht oder gering entzündlichen
Gelenkerkrankung: Arthrose, Meniskusschaden, Hämochromatose oder Veränderungen nach einer
Verletzung.
Eine high-grade Synovialitis kann dagegen für eine rheumatoide Arthritis stehen, für
eine Psoriasisarthritis, eine Spondylitis ankylosans, andere entzündliche
Rheumaerkrankungen mit chronischer Arthritis, eine Borreliose oder eine reaktive
Arthritis. Ein europäisches Wissenschaftskonsortium hat den Score als wesentlichen
Standard der Synovialitis-Diagnostik bewertet. Empfehlung 4 der Leitlinie sieht bei einer
Synovialektomie eine feingewebliche Begutachtung vor, die einen Synovialitis-Score
enthalten sollte; die Zustimmung lag bei 100 Prozent.
Wenn Sehnenscheiden betroffen sind
Die Tenosynovialitis hat laut Leitlinie meist mechanische Ursachen: anatomische
Varianten wie ein vergrößerter Knochenhöcker, ein akutes Trauma wie eine Verstauchung,
eine Verlagerung der Sehne, mechanische Überlastung oder wiederholte Mikroverletzungen.
Auch eine rheumatoide Arthritis, andere systemische Gelenkerkrankungen und Infektionen
kommen infrage.
Die Leitlinie wird an dieser Stelle deutlich: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung
ist unerlässlich, weil eine falsche oder verspätete Behandlung zum Fortschreiten der
Schäden bis hin zum Riss der Sehne führt.
Wenn Bakterien im Spiel sind
Die septische Arthritis ist eine erregerbedingte Entzündung des Gelenkinnenraums. Die
Leitlinie beziffert das Risiko nach einer Gelenkpunktion mit 0,03 Prozent, nach einer
Gelenkspiegelung mit bis zu 0,23 Prozent und nach einer Gelenkeröffnung mit etwa einem
Prozent. Menschen mit entzündlichen Erkrankungen der Gelenkschleimhaut tragen ein vier-
bis fünfzehnfach höheres Risiko.
Der Erreger gelangt über die Blutbahn ins Gelenk, über eine offene Verletzung oder
durch einen Eingriff. Als begünstigend nennt die Leitlinie zunehmendes Alter, Implantate,
Weichteilinfekte, Hautverletzungen, vorbestehende Gelenkschäden, Immundefekte, Drogen-
und Alkoholmissbrauch, Gicht, Chondrokalzinose sowie eine immunsuppressive Therapie.
Diagnostiziert wird über Risikofaktoren, klinisches Bild, Entzündungswerte im Blut und
eine Gelenkpunktion mit mikrobiologischer Untersuchung. Die akute bakterielle
Gelenkinfektion ist laut Leitlinie eine Notfallsituation, die einer sofortigen
chirurgischen Behandlung bedarf.
Wie behandelt wird
Die Leitlinie beschreibt neben der Behandlung des ganzen Körpers örtliche Verfahren:
entzündungshemmende Mittel als Salbe oder Gel, meist zusammen mit Elektro- oder
Ultraschalltherapie, sowie den Versuch, die Entzündung mit einer Kortisonspritze ins
Gelenk zu unterdrücken. Unter bestimmten Bedingungen kommt die Radiosynoviorthese
infrage, bei der radioaktive Substanzen eingesetzt werden.
Bei einer Operation wird die Gelenkschleimhaut offen oder per Gelenkspiegelung
entfernt. Der gewünschte Verlauf ist, dass sich die Schleimhaut neu bildet — ohne
Entzündungszeichen.
Häufige Fragen
Ist eine Synovialitis dasselbe wie Arthritis?
Arthritis meint die Gelenkentzündung insgesamt. Die Synovialitis benennt genauer, welches Gewebe entzündet ist: die Gelenkschleimhaut.
Kann eine Synovialitis von selbst ausheilen?
Das hängt von der Ursache ab. Die Leitlinie unterscheidet gering entzündliche Formen bei Verschleiß von hoch entzündlichen bei rheumatischen Erkrankungen; nur diese Zuordnung erlaubt eine Prognose.
Welche Bildgebung ist die beste?
Die Leitlinie nennt die Kernspintomografie mit Kontrastmittel als am besten geeignet. Ultraschall, Röntgen, CT und nuklearmedizinische Verfahren sind je nach Fragestellung ebenfalls zielführend.
Was ist eine pigmentierte villonoduläre Synovialitis?
Sie heißt heute tenosynovialer Riesenzelltumor. Die Leitlinie sieht dafür eine vollständige chirurgische Entfernung vor.
Warum wird bei einer Operation Gewebe untersucht?
Weil der Synovialitis-Score bei unklaren chronischen Gelenkveränderungen zeigen kann, ob eine entzündlich-rheumatische Erkrankung dahintersteckt.
Muss ich Rheumamedikamente vor einer Operation absetzen?
Klassische Immunsuppressiva wie Methotrexat müssen laut Leitlinie in der Regel nicht abgesetzt werden. Blutverdünner werden nach Möglichkeit pausiert. Das legt das Behandlungsteam fest.
Quellen
- S2k-Leitlinie Synovialektomie, AWMF-Register-Nr. 187-007, Langfassung — abgerufen am 10. September 2026
- Patientenversion der S2k-Leitlinie Synovialektomie, AWMF-Register-Nr. 187-007 — abgerufen am 10. September 2026
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie: Leitlinien — abgerufen am 10. September 2026
Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
