Inhalt
Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Kurzantwort: DMSO, Dimethylsulfoxid, ist ein Lösungsmittel, das durch die Haut dringt. Als Arzneimittel ist es in Deutschland nur als Hilfsstoff zugelassen, etwa in Warzenmitteln und als Frostschutz für Zelltherapien. In Österreich ist ein Gel mit 15 Prozent DMSO (Dolobene ratiopharm) für Prellungen und Zerrungen zugelassen. In der Urologie wird 50-prozentiges DMSO als Blaseninstillation bei interstitieller Zystitis eingesetzt, laut AWMF-Leitlinie nur als Zweitlinie. Für die innerliche Einnahme und für Arthrose, Rheuma oder Krebs gibt es in Zulassungen und Leitlinien keinen Beleg.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wende DMSO nicht auf eigene Faust innerlich oder großflächig an und ersetze damit keine ärztlich verordnete Behandlung. Bei Nesselsucht mit Schwellung von Gesicht, Zunge oder Kehlkopf, Atemnot oder Schluckbeschwerden nach dem Auftragen gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.
DMSO wird im Internet als Mittel gegen fast alles beworben. Dieser Text hält sich an das,
was Zulassungsbehörden, die Fachgesellschaft der Urologen und veröffentlichte Studien
belegen. Die Angaben stammen aus der österreichischen Zusammenfassung der Merkmale des
Arzneimittels für Dolobene ratiopharm Gel, aus der S2k-Leitlinie zur interstitiellen
Zystitis (Juli 2025) und aus einer Studie zur Blaseninstillation aus Japan.
Was DMSO ist und was es im Körper macht
Dimethylsulfoxid ist eine farblose Flüssigkeit, die im menschlichen Plasma auch
natürlich vorkommt, in Konzentrationen um 40 Nanogramm pro Milliliter. Laut der
Arzneimittelzusammenfassung wirkt es entzündungshemmend, abschwellend und örtlich
schmerzstillend: Es fängt Hydroxylradikale ab, die bei Entzündungen Gewebe zerstören,
und verlangsamt die Erregungsleitung peripherer Nerven.
Ab einer Konzentration von 50 Prozent transportiert DMSO andere Stoffe mit durch die
Haut. Deshalb darf die Auftragsstelle frei von Kosmetika, Chemikalien und anderen
Arzneimitteln sein. Der Körper baut DMSO zu Dimethylsulfid ab, das über Atem und Haut
ausgeschieden wird und den typischen Knoblauchgeruch verursacht.
Wo DMSO als Arzneimittel zugelassen ist
In Deutschland führt die Gelbe Liste 44 Präparate mit Dimethylsulfoxid, alle als
Hilfsstoff: als Lösungsmittel in Warzenlösungen wie Verrumal oder Actikerall und als
Kryoschutz in Zelltherapien wie Kymriah oder Yescarta. Ein deutsches Arzneimittel mit
DMSO als Wirkstoff ist dort nicht gelistet.
In Österreich ist Dolobene ratiopharm Gel zugelassen, mit 15 Gramm DMSO, 50.000 I.E.
Heparin und 2,5 Gramm Dexpanthenol pro 100 Gramm. In den USA ist RIMSO-50, eine
50-prozentige Lösung, seit Jahrzehnten das einzige von der FDA zugelassene Mittel zur
Blaseninstillation bei interstitieller Zystitis; Japan hat DMSO 2021 für die
Hunner-Form dieser Erkrankung zugelassen. Für die Blase gibt es in Deutschland laut
Leitlinie kein steriles Fertigprodukt.
Das Gel: was die Arzneimittelzusammenfassung sagt
Zugelassen ist das Gel zur unterstützenden Behandlung von Schwellungen, Blutergüssen
und Entzündungen nach stumpfen Verletzungen, bei Tennisellenbogen, Sehnen-,
Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen, ab fünf Jahren. Es wird zwei- bis viermal
täglich dünn aufgetragen; tritt nach zehn Tagen keine Besserung ein, gehört das ärztlich
abgeklärt.
Nicht angewendet werden darf es bei Asthma, stark eingeschränkter Leber- oder
Nierenfunktion, Kreislauflabilität, in Schwangerschaft und Stillzeit, auf Schleimhäuten,
offenen Wunden und vorgeschädigter Haut. Mit dem Schmerzmittel Sulindac kann DMSO eine
periphere Nervenschädigung auslösen. Unter DMSO steigt die Lichtempfindlichkeit, Sonne
und Solarium sind zu meiden.
Häufig (einer von hundert bis einer von zehn): Rötung, Juckreiz,
Brennen, Blasenbildung und Nesselsucht am Anwendungsort. Gelegentlich:
allergische Hautreaktionen, knoblauchartiger Mundgeruch. Sehr selten:
Quincke-Ödem mit Atemnot; bei großflächiger Anwendung Einzelfälle von Herz-, Atem- und
Magenbeschwerden, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schüttelfrost, ohne gesicherten
Zusammenhang.
Blaseninstillation bei interstitieller Zystitis
Die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie empfiehlt: Eine intravesikale
Therapie mit steriler DMSO-Lösung kann als Zweitlinientherapie mit umsichtiger und
kontrollierter Verwendung durchgeführt werden (Konsens 91 Prozent). Üblich sind 50 ml
50-prozentiges DMSO, zehn bis höchstens zwanzig Minuten in der Blase, zunächst einmal
wöchentlich über sechs Wochen. Bis zu 80 Prozent der Behandelten berichteten in Studien
weniger Harndrang und Blasenschmerz, vor allem bei der Hunner-Form.
Die Leitlinie nennt auch die Kehrseite. In einer randomisierten Studie gegen
Chondroitinsulfat besserten sich unter DMSO nur 14 Prozent, unter Chondroitinsulfat 72,7
Prozent; 57 Prozent der DMSO-Gruppe brachen wegen Blasenschmerzen, Knoblauchgeruch
oder fehlender Wirkung ab. Wegen der geringeren Nebenwirkungen zieht die Leitlinie
Hyaluron/Chondroitinsulfat vor. In der japanischen Beobachtungsstudie mit 30 Patientinnen
und Patienten sprachen nach zwölf Wochen 70 Prozent an, 70 Prozent hatten während der
Instillation eine akute Blasenreizung, die innerhalb von drei Tagen verschwand.
Wofür Belege fehlen
Für die Einnahme von DMSO über den Mund, für Arthrose, Rheuma, Krebs, Infektionen
oder chronische Schmerzen findet sich weder eine Zulassung noch eine
Leitlinienempfehlung in den geprüften Quellen. Produkte, die als Lösungsmittel oder
Reinstoff verkauft werden, sind keine Arzneimittel: Für sie gibt es keine
Fachinformation, keine geprüfte Reinheit für den Körper und keine erfassten
Nebenwirkungsdaten. Wer DMSO trotzdem anwenden will, tut das ohne Sicherheitsnetz —
das ist die ehrliche Antwort, die aus den Quellen folgt.
Häufige Fragen
Ist DMSO in Deutschland verboten?
Nein. Es ist als Hilfsstoff in zugelassenen Arzneimitteln enthalten und als Chemikalie frei verkäuflich. Ein Arzneimittel mit DMSO als Wirkstoff ist in Deutschland aber nicht gelistet.
Warum rieche ich nach Knoblauch?
DMSO wird zu Dimethylsulfid abgebaut, das über Atem und Haut abgegeben wird. Die Arzneimittelzusammenfassung führt den Geruch als gelegentliche Nebenwirkung.
Hilft DMSO bei Arthrose?
In Zulassung und Leitlinien gibt es dafür keinen Beleg. Zugelassen ist das Gel in Österreich nur für Verletzungsfolgen und Sehnenentzündungen.
Darf ich DMSO trinken?
Dafür gibt es keine Zulassung und keine Sicherheitsdaten in den geprüften Quellen. Die Leitlinie und die Studien betreffen ausschließlich die Anwendung auf der Haut und in der Blase.
Was ist bei der Blaseninstillation zu erwarten?
Knoblauchgeruch und verstärkte Blasenschmerzen in der Anfangsphase, in einer Studie bei 70 Prozent eine akute Reizung während der Instillation. Die Leitlinie bevorzugt wegen der besseren Verträglichkeit Hyaluron/Chondroitinsulfat.
Quellen
- Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (Österreich): Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels Dolobene ratiopharm – Gel, Zulassungsnummer 1-21937, Stand Oktober 2015 — abgerufen am 10. September 2026
- Deutsche Gesellschaft für Urologie: S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC/BPS)“, Juli 2025, AWMF-Register 043-050, Kapitel 4.5.6 Dimethylsulfoxid — abgerufen am 10. September 2026
- Efficacy and safety of intravesical dimethyl sulfoxide treatment for patients with refractory Hunner-type interstitial cystitis: Real-world data postofficial approval in Japan (PubMed Central, PMC11524091) — abgerufen am 10. September 2026
- Gelbe Liste: Wirkstoff Dimethylsulfoxid — Präparateliste — abgerufen am 10. September 2026
Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
