Tramadol 100 mg: Wirkung, Risiken und Nebenwirkungen

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Tramadol 100 mg ist meist eine Retardtablette, etwa Tramadol-ratiopharm 100 mg oder Tramal long, zugelassen für mäßig starke bis starke Schmerzen. Der Wirkstoff ist ein schwaches Opioid mit einem Zehntel bis einem Sechstel der Stärke von Morphin. Die Fachinformation nennt als übliche Anfangsdosis 50 bis 100 mg zweimal täglich und 400 mg als Tagesgrenze. Sehr häufig, bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten Übelkeit und Schwindel auf. Welche Dosis für dich gilt, entscheidet deine Ärztin.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei flacher oder sehr langsamer Atmung, Krampfanfällen, hohem Fieber mit Muskelzuckungen und Verwirrtheit, Ohnmacht oder einer Schwellung von Gesicht oder Rachen gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Tramadol gibt es als Retardtablette mit 100 mg, außerdem als Tropfen mit 100 mg pro
Milliliter, als Kapseln und Zäpfchen. Dieser Text beschreibt die Retardtablette. Die
Angaben stammen aus der Fachinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten
(Stand Mai 2025) und aus der Leitlinie LONTS der Deutschen Schmerzgesellschaft.

Was Tramadol im Körper macht

Tramadol bindet als Agonist an die Opioidrezeptoren µ, δ und κ, am stärksten an µ.
Zusätzlich hemmt es die Wiederaufnahme von Noradrenalin und verstärkt die Freisetzung
von Serotonin — zwei Mechanismen, die Schmerzsignale im Rückenmark dämpfen und die
den Wirkstoff von klassischen Opioiden unterscheiden.

Die Leber baut Tramadol über das Enzym CYP2D6 zu O-Desmethyltramadol um, das laut
Fachinformation zwei- bis viermal stärker wirkt als die Muttersubstanz. Die Halbwertszeit
liegt bei etwa sechs Stunden; über 75 Jahren und bei Leberzirrhose verlängert sie sich
deutlich. Tramadol steht nicht im Betäubungsmittelgesetz, ist aber
verschreibungspflichtig.

Was die Fachinformation zur Dosierung sagt

Die Dosis richtet sich nach Schmerzstärke und individueller Empfindlichkeit; grundsätzlich
soll die niedrigste ausreichende Dosis gewählt werden. Als übliche Anfangsdosis nennt die
Fachinformation für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren 50 bis 100 mg zweimal
täglich, morgens und abends. Reicht das nicht, kann auf 150 oder 200 mg zweimal täglich
erhöht werden. Tagesdosen über 400 mg sollen nur unter besonderen medizinischen
Umständen überschritten werden.

Die Retardtablette wird unzerkaut und unzerkleinert geschluckt, unabhängig von den
Mahlzeiten. Für Kinder unter zwölf ist sie nicht geeignet, bei schwerer Nieren- oder
Leberschwäche wird Tramadol nicht empfohlen. Die Fachinformation verlangt, dass vor
Behandlungsbeginn Ziele, Dauer und ein Plan für das Behandlungsende vereinbart werden.
Lässt die Wirkung nach, soll die Ärztin an Toleranz, Fortschreiten der Grunderkrankung
und an eine opioidbedingte Schmerzverstärkung (Hyperalgesie) denken.

Nebenwirkungen nach EU-Häufigkeit

Sehr häufig (mindestens einer von zehn): Übelkeit und Schwindel.

Häufig (einer von hundert bis einer von zehn): Kopfschmerzen,
Schläfrigkeit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, vermehrtes Schwitzen und
Erschöpfung.

Gelegentlich (einer von tausend bis einer von hundert): Herzklopfen,
schneller Puls, Blutdruckabfall beim Aufstehen oder Kreislaufkollaps, Brechreiz,
Magendruck, Völlegefühl, Durchfall, Juckreiz, Hautausschlag, Nesselsucht.

Selten (einer von zehntausend bis einer von tausend): allergische
Reaktionen bis zur Anaphylaxie, langsamer Puls, Blutdruckanstieg, Kribbeln, Zittern,
Krampfanfälle, Koordinationsstörungen, Ohnmacht, Sprachstörungen, Appetitveränderungen,
Halluzinationen, Verwirrtheit, Schlafstörungen, Delirium, Ängstlichkeit, Albträume, enge
oder weite Pupillen, verschwommenes Sehen, Atemdepression, Atemnot, Muskelschwäche,
Störungen beim Wasserlassen.

Nicht bekannt (Häufigkeit nicht abschätzbar): Serotoninsyndrom,
Unterzuckerung, Schluckauf.

Krampfanfälle, Serotoninsyndrom und das Enzym CYP2D6

Krampfanfälle wurden schon in der empfohlenen Dosierung berichtet; über 400 mg
täglich und zusammen mit Mitteln, die die Krampfschwelle senken, steigt das Risiko. Bei
schlecht kontrollierter Epilepsie ist Tramadol kontraindiziert.

Weil Tramadol Serotonin freisetzt, kann es mit Antidepressiva, Triptanen oder
MAO-Hemmern ein Serotoninsyndrom auslösen: veränderte Stimmung, instabiler Kreislauf,
Muskelzuckungen, Durchfall. MAO-Hemmer in den letzten 14 Tagen sind eine Gegenanzeige.

Das Enzym CYP2D6 entscheidet über die Wirkung. Bis zu 7 Prozent der europäischen
Bevölkerung bilden es kaum; bei ihnen bleibt die Schmerzlinderung aus. Zwischen 3,6 und
6,5 Prozent sind ultraschnelle Metabolisierer, bei denen schon normale Dosen zu
Opioid-Toxizität führen können — flache Atmung, kleine Pupillen, Verwirrtheit.

Abhängigkeit, Alkohol, Schwangerschaft

Die Fachinformation hält fest: Wiederholte Anwendung kann auch in therapeutischer
Dosierung zu Abhängigkeit führen. Beim Absetzen können Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit,
Zittern und Magen-Darm-Beschwerden auftreten, in sehr seltenen Fällen Panikattacken und
Halluzinationen. Deshalb soll die Dosis am Ende schrittweise gesenkt werden.

Mit Benzodiazepinen, Schlafmitteln oder Alkohol drohen Sedierung, Atemdepression,
Koma und Tod; diese Kombination bleibt Ausnahmefällen vorbehalten. In der
Schwangerschaft soll Tramadol nicht gegeben werden, Dauereinnahme kann beim
Neugeborenen Entzugssymptome auslösen. Etwa 0,1 Prozent der mütterlichen Dosis gehen in
die Muttermilch über. Die Leitlinie LONTS nennt Tramadol als das in einem deutschen
Drogenforum am häufigsten für nichtmedizinische Zwecke genannte Opioid und sieht
Opioide bei chronischen Schmerzen ohne Tumorursache nur als zeitlich begrenzten
Therapieversuch von vier bis zwölf Wochen vor.

Häufige Fragen

Ist Tramadol ein Betäubungsmittel?

Nein. Tramadol steht in keiner Anlage des Betäubungsmittelgesetzes, ist aber verschreibungspflichtig. Trotzdem nennt die Fachinformation Abhängigkeit als mögliche Folge auch therapeutischer Dosen.

Wie lange wirkt eine 100-mg-Retardtablette?

Die Fachinformation sieht zwei Einnahmen täglich vor, morgens und abends. Die Retardform gibt den Wirkstoff über etwa zwölf Stunden ab.

Darf ich mit Tramadol Auto fahren?

Tramadol kann Schwindel und Schläfrigkeit auslösen, besonders zu Beginn, nach Dosiserhöhung und mit Alkohol. Ob du fahren darfst, klärst du mit deiner Ärztin.

Warum wirkt Tramadol bei manchen Menschen nicht?

Bis zu 7 Prozent der Europäer bilden das Enzym CYP2D6 kaum und können Tramadol nicht in seinen wirksamen Metaboliten umwandeln. Bei ihnen bleibt die Schmerzlinderung laut Fachinformation aus.

Darf ich Tramadol mit Ibuprofen kombinieren?

Die Fachinformation nennt keine Wechselwirkung mit Ibuprofen. Ob die Kombination für dich sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin anhand deiner Gesamtmedikation.

Was bedeutet Hyperalgesie?

Eine durch Opioide ausgelöste Schmerzverstärkung. Die Fachinformation verlangt, dass bei unzureichender Wirkung daran gedacht wird, statt die Dosis immer weiter zu erhöhen.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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