ADS Symptome: Woran man ADHS ohne Hyperaktivität erkennt

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: ADS ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine ADHS, bei der die Unaufmerksamkeit im Vordergrund steht und die Hyperaktivität fehlt oder schwach ausgeprägt ist. Die Symptome sind laut S3-Leitlinie Flüchtigkeitsfehler, Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit zu halten, scheinbares Nichtzuhören, unerledigte Aufgaben, schlechte Organisation, Vermeidung geistig anstrengender Tätigkeiten, Verlieren von Gegenständen, leichte Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit. Nach DSM-5 müssen sechs dieser neun Merkmale, ab 17 Jahren fünf, seit mindestens sechs Monaten in mindestens zwei Lebensbereichen bestehen und bereits vor dem zwölften Lebensjahr aufgetreten sein.

Wichtig: Dieser Text ersetzt keine Diagnose. Ob eine ADHS vorliegt, klärt laut S3-Leitlinie bei Kindern eine Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder eine erfahrene Kinderärztin, bei Erwachsenen eine Fachärztin für Psychiatrie, Neurologie oder psychosomatische Medizin. Angststörungen und Depressionen entstehen laut Leitlinie oft erst infolge einer ADHS; bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Rückzug oder Gedanken, sich etwas anzutun, hole sofort ärztliche Hilfe.

Der Begriff „ADS“ steht in keinem Klassifikationssystem. Die ICD-10 kennt die
„Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität“ unter dem Code F98.8, das amerikanische DSM-5
spricht vom „vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild“ der ADHS. Gemeint ist in beiden
Fällen dasselbe: Menschen, die den roten Faden verlieren, ohne zu zappeln. Grundlage dieses
Textes sind die Langfassung der S3-Leitlinie „ADHS im Kindes-, Jugend- und
Erwachsenenalter“ (AWMF 028-045, 2018; sie wird derzeit überarbeitet) und das Fact Sheet des
Robert Koch-Instituts zur KiGGS-Studie.

Die Leitlinie beschreibt drei Kernsymptome der ADHS: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und
Impulsivität. Beim vorwiegend unaufmerksamen Bild fehlt die auffällige Unruhe.

Die neun Symptome der Unaufmerksamkeit

Die Leitlinie führt in ihrer Tabelle 1 die Kriterien nach DSM-5 auf. Ein Mensch mit
Unaufmerksamkeit beachtet häufig Einzelheiten nicht und macht Flüchtigkeitsfehler bei
Schularbeiten, bei der Arbeit oder anderen Tätigkeiten; hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit
die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten; scheint häufig nicht
zuzuhören, wenn andere ihn ansprechen; führt Anweisungen häufig nicht vollständig durch und
bringt Aufgaben nicht zu Ende; hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu
organisieren; vermeidet Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengung erfordern, oder
beschäftigt sich nur widerwillig damit; verliert häufig Gegenstände wie Schulmaterialien,
Stifte, Bücher oder Werkzeug; lässt sich oft durch äußere Reize ablenken; und ist bei
Alltagstätigkeiten häufig vergesslich.

Nach DSM-5 müssen sechs dieser neun Symptome, ab einem Alter von 17 Jahren fünf, während
der letzten sechs Monate beständig vorhanden gewesen sein, in einem Ausmaß, das nicht zum
Entwicklungsstand passt. Die ICD-10 verlangt für die „Einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung“ (F90.0) zusätzlich Symptome der Überaktivität und Impulsivität; wer nur
unaufmerksam ist, fällt dort unter F98.8.

Was außer den Symptomen erfüllt sein muss

Symptome allein reichen nicht. Nach DSM-5 müssen mehrere Symptome bereits vor dem Alter von
zwölf Jahren aufgetreten sein, in der ICD-10 vor dem siebten Lebensjahr. Sie müssen in zwei oder
mehr Lebensbereichen bestehen, etwa zu Hause und in der Schule oder bei der Arbeit und mit
Freunden, und sich deutlich störend auf das soziale, schulische oder berufliche Funktionsniveau
auswirken. Die Leitlinie betont: Tritt die Symptomatik nur in einem Lebensbereich auf, kann das
ein Hinweis auf eine andere psychische Störung sein, etwa eine Anpassungsstörung bei Belastungen
in Familie oder Schule. Der Nachweis über mehrere Situationen erfordert deshalb Informationen
aus mehr als einer Quelle; Elternberichte über das Verhalten im Klassenraum reichen laut
Leitlinie meist nicht.

Wie sich die Symptome mit dem Alter verändern

Die Leitlinie beschreibt einen Entwicklungsverlauf. Im Schulalter ist die
Aufmerksamkeitsstörung am offensichtlichsten, weil konzentrierte Mitarbeit dort verlangt und
direkt beobachtbar ist. Mit zunehmendem Alter wächst die Aufmerksamkeitsspanne, bleibt aber im
Vergleich zu Gleichaltrigen ohne ADHS häufig reduziert, was auch Erwachsene im Alltag erheblich
einschränken kann. Hyperaktivität, sofern vorhanden, zeigt sich ab dem Jugendalter oft nur noch
als innere Unruhe oder Fahrigkeit. Etwa 50 bis 80 Prozent der im Kindesalter Betroffenen haben
laut Leitlinie auch als Erwachsene noch Symptome, ein Drittel das Vollbild der Störung.

Warum Mädchen und Frauen seltener erkannt werden

Das Robert Koch-Institut berichtet aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014 bis 2017), dass 4,4
Prozent der 3- bis 17-Jährigen in Deutschland jemals eine ADHS-Diagnose erhalten haben, Jungen
mit 6,5 Prozent mehr als doppelt so häufig wie Mädchen mit 2,3 Prozent. Als Grund nennt das RKI
die bei Jungen stärker ausgeprägte und leichter beobachtbare hypermotorische Symptomatik, die zu
einer häufigeren und früheren Diagnose führt. Eine US-amerikanische Bevölkerungsstudie hatte
laut RKI Hinweise geliefert, dass ADHS-Symptome bei Jungen und Mädchen annähernd gleich
verteilt sind, wenn der bei Mädchen häufigere unaufmerksame Subtyp stärker berücksichtigt
wird.

Wie häufig ADHS ist

Die Leitlinie nennt für das Kindes- und Jugendalter weltweit eine Häufigkeit von 5,3 Prozent
und für Deutschland nach der KiGGS-Basiserhebung etwa 5 Prozent elternberichteter Diagnosen.
Bei Erwachsenen ergab eine Metaanalyse von sechs Studien 2,5 Prozent; in einer niederländischen
Kohorte von Menschen ab 60 Jahren lag die Häufigkeit bei 2,8 Prozent. Das RKI beobachtet
zwischen der Basiserhebung und Welle 2 einen Rückgang der Diagnosehäufigkeit um rund einen
Prozentpunkt, ausschließlich bei Jungen und in der Altersgruppe von 3 bis 8 Jahren.

Was mit den Symptomen oft zusammen auftritt

Angststörungen treten laut Leitlinie bei bis zu 25 Prozent der Betroffenen zusätzlich auf,
depressive Störungen bei 15 bis 20 Prozent; oft entstehen sie erst infolge der ADHS, wenn
Schulversagen und soziale Schwierigkeiten das Selbstwertgefühl untergraben. Umschriebene
Lernstörungen wie Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörungen kommen bei 10 bis 25 Prozent hinzu.
Wer bei sich oder seinem Kind mehrere der neun Symptome über Monate beobachtet, sollte sie
deshalb fachlich abklären lassen; wer dafür zuständig ist, steht im Hinweiskasten oben.

Häufige Fragen

Ist ADS dasselbe wie ADHS?

ADS ist ein umgangssprachlicher Name für die ADHS mit vorwiegender Unaufmerksamkeit. Die ICD-10 führt sie als Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (F98.8), das DSM-5 als vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild.

Wie viele Symptome müssen vorliegen?

Nach DSM-5 sechs der neun Unaufmerksamkeitssymptome, ab 17 Jahren fünf, seit mindestens sechs Monaten und in mindestens zwei Lebensbereichen.

Kann ADS erst im Erwachsenenalter beginnen?

Nach den Kriterien nicht: Mehrere Symptome müssen laut DSM-5 schon vor dem zwölften Lebensjahr bestanden haben. Erkannt wird die Störung aber oft erst im Erwachsenenalter.

Welche ADS-Symptome zeigen Erwachsene?

Dieselben neun Merkmale in anderer Form: unerledigte Aufgaben im Beruf, Flüchtigkeitsfehler, Vergesslichkeit im Alltag, verlorene Gegenstände und Schwierigkeiten, sich zu organisieren.

Warum wird ADS bei Mädchen seltener erkannt?

Laut RKI fehlt die leicht beobachtbare Unruhe; bei Mädchen ist der unaufmerksame Subtyp häufiger und fällt in Schule und Familie weniger auf.

Wer stellt die Diagnose?

Laut Leitlinie bei Kindern Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder erfahrene Kinderärztinnen, bei Erwachsenen Fachärztinnen für Psychiatrie, Neurologie oder psychosomatische Medizin.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

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