Azithromycin 500 mg: Anwendung, Dosis und Nebenwirkungen

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: Azithromycin 500 mg ist ein Makrolid-Antibiotikum, bekannt unter dem Handelsnamen Zithromax und als Generikum vieler Hersteller. Die Fachinformation nennt für Erwachsene und Jugendliche ab 45 kg zwei übliche Schemata: 500 mg täglich über drei Tage oder 500 mg am ersten und 250 mg an den Tagen zwei bis fünf; bei Chlamydien 1.000 mg als Einzeldosis. Sehr häufig, also bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten Durchfall und Bauchbeschwerden auf. Welche Dosis und Dauer für dich gilt, legt deine Ärztin fest.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Hautausschlag mit Blasen oder Schleimhautbeteiligung, Schwellungen an Gesicht oder Rachen, Atemnot, Herzstolpern mit Ohnmacht, Gelbfärbung der Haut, dunklem Urin oder anhaltendem wässrigem bis blutigem Durchfall gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Azithromycin gehört zu den Makroliden, genauer zur Untergruppe der Azalide. Die
500-mg-Filmtablette ist die Stärke, die in Deutschland am häufigsten verordnet wird. Die
Angaben unten stammen aus der Fachinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg
(Stand Dezember 2025) und aus dem europäischen Bewertungsverfahren, das die
Europäische Arzneimittel-Agentur im Mai 2025 abgeschlossen hat.

Was Azithromycin im Körper macht

Der Wirkstoff bindet an die 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen und blockiert
dort die Proteinsynthese. Bakterien können dann keine neuen Eiweiße mehr bauen und
hören auf, sich zu vermehren.

Das Besondere ist die Verteilung im Gewebe: In Mandeln, Lunge und Genitalgewebe
erreicht Azithromycin laut Fachinformation bis zum 50-Fachen der Konzentration im Blut,
die Halbwertszeit nach einer Einzeldosis von 500 mg liegt bei etwa 68 Stunden. Deshalb
reichen drei bis fünf Einnahmetage, obwohl der Wirkstoff noch Tage später im Körper
bleibt. Genau diese lange Nachwirkung nennt die Fachinformation auch als Grund, warum
sich Resistenzen bilden können.

Wofür die 500-mg-Tablette zugelassen ist

Die Fachinformation führt für Erwachsene und Jugendliche mit mindestens 45 kg
Körpergewicht diese Anwendungsgebiete: akute Streptokokken-Tonsillopharyngitis, akute
bakterielle Sinusitis, akute bakterielle Mittelohrentzündung, ambulant erworbene
Lungenentzündung, akute bakterielle Haut- und Weichteilinfektionen sowie Urethritis und
Zervizitis durch Chlamydia trachomatis. Bei Gonokokken ist Azithromycin nur in
Kombination mit einem weiteren Antibiotikum wie Ceftriaxon zugelassen, weil Neisseria
gonorrhoeae sehr wahrscheinlich gegen Makrolide resistent ist. Für Erwachsene kommt die
akute Verschlechterung einer chronischen Bronchitis hinzu.

Die EMA hat im Mai 2025 die Zulassungen aller Azithromycin-Präparate in der EU
überprüft. Ergebnis: Die Anwendungsgebiete wurden präziser gefasst und harmonisiert,
drei Anwendungen fielen weg, weil der Nutzen die Risiken nicht mehr aufwog — mittelschwere
Akne, die Eradikation von Helicobacter pylori und die Vorbeugung von Asthma-Anfällen.
Hintergrund ist die steigende Resistenz; die WHO führt Azithromycin in der Kategorie
„Watch“ ihrer AWaRe-Klassifikation.

Wie die Fachinformation dosiert

Anwendungsgebiet Schema laut Fachinformation
Tonsillopharyngitis, Sinusitis, Otitis media, Bronchitis-Exazerbation, Pneumonie, Haut- und Weichteilinfektionen 500 mg täglich über 3 Tage oder 500 mg an Tag 1, dann 250 mg an den Tagen 2–5
Urethritis/Zervizitis durch Chlamydien 1.000 mg als Einzeldosis
Urethritis/Zervizitis durch Gonokokken 1.000 mg oder 2.000 mg als Einzeldosis, nur in Kombination mit einem zweiten Antibiotikum

Die Tablette wird als tägliche Einzeldosis eingenommen, mit oder ohne Mahlzeit; die
Einnahme direkt vor dem Essen kann laut Fachinformation die Magenverträglichkeit
verbessern. Sie lässt sich halbieren. Wurde eine Dosis vergessen und sind weniger als
zwölf Stunden vergangen, soll sie nachgeholt werden, sonst wartet man bis zur nächsten
regulären Einnahme. Bei einer Nierenleistung ab 10 ml/min und bei leichter bis
mittelschwerer Leberschwäche ist keine Anpassung nötig. Was für dich gilt, entscheidet
deine Ärztin — auch, ob die Behandlung überhaupt mit Azithromycin beginnen soll, denn
die Fachinformation verlangt vorher eine Abwägung gegen die örtliche Resistenzlage.

Nebenwirkungen nach EU-Häufigkeit

Sehr häufig (mindestens einer von zehn): Durchfall und abdominale
Beschwerden.

Häufig (einer von hundert bis einer von zehn): Erbrechen,
Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen sowie veränderte Blutwerte — erniedrigte
Lymphozyten, erhöhte Eosinophile, Basophile, Monozyten und Neutrophile, erniedrigtes
Bikarbonat.

Gelegentlich (einer von tausend bis einer von hundert): Pilzinfektionen
einschließlich Candida im Mund und in der Scheide, Leukopenie, Neutropenie, Angioödem,
Nervosität, Schlaflosigkeit, Schwindel, Geschmacksstörung, Kribbeln, Schläfrigkeit,
Sehverschlechterung, Drehschwindel, Herzklopfen, Hitzewallungen, Atemnot, Nasenbluten,
Verstopfung, Blähungen, Mundtrockenheit, Hepatitis, erhöhte Leberwerte, Ausschlag,
Juckreiz, Nesselsucht, Muskel- und Rückenschmerzen, Ödeme, Müdigkeit, Fieber.

Selten (einer von zehntausend bis einer von tausend): Unruhe,
abnorme Leberfunktion, cholestatische Gelbsucht, akut generalisiertes pustulöses
Exanthem, DRESS-Syndrom, Lichtempfindlichkeit der Haut.

Nicht bekannt (aus Meldungen nach der Zulassung, Häufigkeit nicht
abschätzbar): anaphylaktische Reaktion, Torsade-de-Pointes-Tachykardie, QT-Verlängerung,
Leberversagen, fulminante Hepatitis, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale
Nekrolyse, pseudomembranöse Kolitis, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Taubheit,
Tinnitus, Krampfanfälle, Verschlechterung einer Myasthenia gravis, akute
Nierenfunktionseinschränkung.

Herz, Leber, Darm: die drei Warnhinweise

Herz: Makrolide können das QT-Intervall verlängern. Die
Fachinformation rät zu besonderer Vorsicht bei angeborener QT-Verlängerung, niedrigem
Kalium oder Magnesium, langsamem Herzschlag, schwerer Herzschwäche, bei älteren
Menschen und bei Frauen.

Leber: Es wurden Fälle von Hepatitis, Gallestau und Leberversagen
berichtet, teils mit tödlichem Ausgang. Rasch zunehmende Schwäche zusammen mit
Gelbsucht, dunklem Urin oder Blutungsneigung sind laut Fachinformation der Grund, die
Einnahme abzubrechen und die Ärztin zu kontaktieren.

Darm: Durchfall während oder nach der Behandlung kann eine
Infektion mit Clostridioides difficile sein. Mittel, die die Darmbewegung hemmen, sollen
dann nicht eingenommen werden.

Wechselwirkungen, Schwangerschaft, Stillzeit

Azithromycin hemmt den Transporter P-Glykoprotein. Dadurch können die Spiegel von
Digoxin, Colchicin und Dabigatran steigen; die Fachinformation verlangt hier klinische
Überwachung. Unter Statinen wurden nach Markteinführung Fälle von Rhabdomyolyse
berichtet, unter Warfarin eine verstärkte Gerinnungshemmung. Ergotalkaloide, etwa
gegen Migräne, dürfen nicht gleichzeitig gegeben werden. Vorsicht gilt bei allen Mitteln,
die das QT-Intervall verlängern — die Fachinformation nennt unter anderem Citalopram,
Amiodaron, Sotalol, Moxifloxacin, Levofloxacin und Hydroxychloroquin.

Zur Schwangerschaft liegen Beobachtungsdaten zu über 7.000 Anwendungen vor; die
meisten Studien zeigen kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, die Datenlage zu Fehlgeburten
ist uneindeutig. Azithromycin soll in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es
klinisch erforderlich ist. In die Muttermilch geht der Wirkstoff in erheblichem Maße
über; beim Säugling wurden Durchfall und Pilzinfektionen beobachtet.

Häufige Fragen

Warum reichen bei Azithromycin drei Tage?

Der Wirkstoff reichert sich im Gewebe an und hat eine Halbwertszeit von rund 68 Stunden. Er wirkt also noch Tage nach der letzten Tablette weiter. Die Fachinformation sieht drei Tage mit 500 mg oder fünf Tage mit 500/250 mg vor.

Darf ich Azithromycin mit Alkohol kombinieren?

Die Fachinformation nennt keine Wechselwirkung mit Alkohol. Sie nennt aber Lebertoxizität als Risiko; wer die Leber schonen will, spricht das ärztlich an.

Was tun, wenn ich Durchfall bekomme?

Durchfall ist die häufigste Nebenwirkung. Wird er wässrig, blutig oder hält er an, kann eine Clostridioides-difficile-Infektion dahinterstecken. Dann gehört das ärztlich abgeklärt, ohne Durchfallstopper einzunehmen.

Ist Azithromycin bei Gonorrhoe noch wirksam?

Laut Fachinformation ist eine Resistenz der Gonokokken sehr wahrscheinlich. Zugelassen ist die Anwendung nur zusammen mit einem zweiten Antibiotikum und nach Erregernachweis.

Was hat sich 2025 an der Zulassung geändert?

Die EMA hat die Anwendungsgebiete EU-weit vereinheitlicht und drei gestrichen: mittelschwere Akne, Helicobacter-Eradikation und Asthma-Vorbeugung. Ziel ist, Resistenzen zu bremsen.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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