Nagelkrebs: Was hinter dunklen Nagelveränderungen stecken kann

Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion

Kurzantwort: „Nagelkrebs“ ist kein medizinischer Begriff. Gemeint ist meist ein subunguales Melanom, also schwarzer Hautkrebs unter dem Nagel. Es gehört zum akrolentiginösen Melanom, auf das laut Patientenleitlinie Melanom etwa 5 Prozent aller Melanome entfallen und das vor allem an Handflächen, Fußsohlen und unter den Nägeln auftritt. Beurteilt wird eine auffällige Nagelveränderung mit dem Dermatoskop; bleibt der Verdacht, wird sie vollständig herausgeschnitten und feingeweblich untersucht.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Eine Nagelveränderung, die du dir nicht mit einem Stoß erklären kannst, gehört in die dermatologische Praxis und nicht ins Nagelstudio. Bei einem neuen oder sich verändernden braunen bis schwarzen Streifen im Nagel, einer wachsenden oder blutenden Stelle unter dem Nagel oder einer Ablösung des Nagels ohne vorausgegangene Verletzung gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme.

Ein dunkler Streifen im Nagel hat meist harmlose Gründe. Ein eingeklemmter Finger, ein
zu enger Schuh, ein Bluterguss unter der Nagelplatte — das wächst mit dem Nagel heraus.
Bleibt der Streifen, wandert nicht mit oder verändert sich, ist die Sache anders.

Die Angaben unten stammen aus der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des
Melanoms“ des Leitlinienprogramms Onkologie, aus der zugehörigen Patientenleitlinie und
aus den Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut.

Was hinter dem Begriff steckt

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet vier Melanomtypen: das superfiziell
spreitende Melanom, das knotige Melanom, das Lentigo-maligna-Melanom und das
akrolentiginöse Melanom. Auf den letzten Typ entfallen laut Patientenleitlinie etwa
5 Prozent aller Melanome. Er wächst schnell und tritt vor allem an Handflächen, Fußsohlen
und unter den Nägeln auf. Sitzt er unter dem Nagel, spricht man vom subungualen
Melanom.

Daneben gibt es seltenere Tumoren des Nagelbetts. Sie alle haben gemeinsam, dass sie
sich nicht von außen sicher erkennen lassen.

Wie häufig Melanome überhaupt sind

Das Zentrum für Krebsregisterdaten weist für das Jahr 2023 in Deutschland rund 27.430
Neuerkrankungen an malignem Melanom der Haut aus, davon 13.470 bei Männern und 12.960 bei
Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter lag bei 69 Jahren für Männer und 64 Jahren für
Frauen. Gestorben sind 1.851 Männer und 1.318 Frauen.

Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt 94 Prozent bei Männern und 96 Prozent
bei Frauen. Rechnet man den Anteil von 5 Prozent für akrolentiginöse Melanome hinein,
ergibt sich für das subunguale Melanom eine seltene, aber keine ausgeschlossene
Diagnose.

Wie eine auffällige Stelle untersucht wird

Die S3-Leitlinie enthält dazu eine Empfehlung mit dem höchsten Empfehlungsgrad A:
Dermatologinnen und Dermatologen sollen zur Diagnostik pigmentierter und nicht
pigmentierter Haut- und Nagelveränderungen die Dermatoskopie anbieten und darin
ausgebildet sein. Die Konsensstärke lag bei 100 Prozent. Nagelveränderungen sind hier
ausdrücklich mitgenannt.

Das Dermatoskop ist eine beleuchtete Lupe, mit der sich Strukturen erkennen lassen, die
mit bloßem Auge unsichtbar bleiben. Metaanalysen zeigen laut Leitlinie, dass die
Dermatoskopie die diagnostische Treffsicherheit erhöht. Zur Untersuchung gehört außerdem
die Inspektion des gesamten Körpers samt einsehbarer Schleimhäute und das Abtasten der
Lymphknoten.

Wird zunächst Entwarnung gegeben, kann eine digitale Dermatoskopie angeboten werden.
Dabei werden Fotos gespeichert und später verglichen — so fallen Veränderungen auf, die
sich nur durch ihr Wachstum verraten.

Wenn der Verdacht bleibt

Die Leitlinie ist an dieser Stelle eindeutig: Bei klinischem Verdacht auf ein malignes
Melanom soll dieses primär mit kleinem Sicherheitsabstand vollständig herausgeschnitten
werden. Empfohlen werden seitlich etwa 2 Millimeter, in die Tiefe bis ins Fettgewebe. Ein
größerer Abstand zerstört Lymphabflusswege und erschwert das spätere Auffinden des
Wächterlymphknotens.

Eine Flachexzision, bei der nur oberflächlich abgetragen wird, ist bei Melanomverdacht
nicht empfohlen, weil der Tumor dabei oft nicht sicher im Gesunden entfernt wird. Erst die
Beurteilung des gesamten Tumors unter dem Mikroskop sichert die Diagnose.

Was bei einem bestätigten Melanom folgt

Steht die Diagnose, richtet sich der endgültige Sicherheitsabstand nach der Tumordicke
nach Breslow. Die Leitlinie nennt 1 Zentimeter bei einer Dicke bis 2 Millimetern und
2 Zentimeter bei 2,01 bis über 4 Millimetern.

An Fingern und Zehen können reduzierte Abstände unter Einsatz der dreidimensionalen
Histologie verwendet werden; retrospektive Arbeiten zeigten dabei keine vermehrten
örtlichen Rückfälle und kein geringeres Gesamtüberleben. Die Konsensstärke lag bei
88 Prozent, und die Leitlinie verlangt, dass die operierende Person die Entscheidung
gemeinsam mit der informierten Patientin trifft.

Für das subunguale Melanom hält die Leitlinie ausdrücklich fest: Die Entfernung mit
dreidimensionaler Histologie und tumorfreien Schnitträndern unter Einschluss der
Nagelmatrix kann als Strategie gelten, Amputationen zu vermeiden, ohne die Prognose zu
beeinträchtigen. Amputationen sollten fortgeschrittenen Verläufen mit Knochen- oder
Gelenkbefall vorbehalten bleiben.

Häufige Fragen

Ist jeder dunkle Streifen im Nagel gefährlich?

Nein. Häufigste Ursache ist ein Bluterguss nach einem Stoß, der mit dem Nagel herauswächst. Abklären lässt sich das nur mit dem Dermatoskop in der Praxis.

Wie sieht ein Melanom typischerweise aus?

Die Patientenleitlinie beschreibt es als bräunlich bis rötlich-bläulich, schwärzlich oder grau-weißlich und meist unregelmäßig geformt. Selten gibt es auch pigmentfreie Melanome.

Muss der Finger amputiert werden?

Die S3-Leitlinie sieht Amputationen bei subungualen Melanomen für fortgeschrittene Verläufe mit Knochen- oder Gelenkbefall vor. Sonst ist die Entfernung mit dreidimensionaler Histologie eine Strategie, sie zu vermeiden.

Kann Nagellack oder Gel Hautkrebs am Nagel auslösen?

Dazu trifft die S3-Leitlinie keine Aussage. Belegen lässt sich ein solcher Zusammenhang aus den hier verwendeten Quellen nicht.

Wie gut sind die Heilungsaussichten?

Für das maligne Melanom der Haut insgesamt nennt das Zentrum für Krebsregisterdaten eine relative Fünf-Jahres-Überlebensrate von 94 Prozent bei Männern und 96 Prozent bei Frauen. Gesonderte Zahlen für das subunguale Melanom sind darin nicht ausgewiesen.

Wer sollte zur Hautkrebsvorsorge?

Die Untersuchung umfasst den gesamten Körper einschließlich der Nägel. Wann sie für dich sinnvoll ist und was die Kasse zahlt, klärst du in der Praxis.

Quellen

Redaktion gesundheitscenter.net — hier wird zusammengetragen, was Fachinformationen, Leitlinien und Behörden zu einem Thema sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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